Deutsche Autobauer lehnen Strafzölle gegen E-Autos aus China ab

Deutsche Autobauer lehnen Strafzölle gegen E-Autos aus China ab
Copyright:

Shutterstock / 2104257590

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 2 min

Die Europäische Kommission prüft aktuell, ob chinesische Autobauer durch Subventionen vom Staat einen unlauteren Wettbewerbsvorteil vor allem beim Verkauf von Elektroautos in Europa haben. Mögliche Strafzölle stehen dabei als Reaktion darauf im Raum, sollte die Prüfung zu einem entsprechenden Ergebnis kommen. Dies lehnt der Verband der Automobilindustrie (VDA) als größter Interessensverband der deutschen Autohersteller jedoch entschieden ab, wie das Handelsblatt berichtet.

„Antisubventionsmaßnahmen, wie zusätzliche Zölle würden die Herausforderungen für die europäische und deutsche Automobilindustrie nicht lösen – im Gegenteil: Der von der EU-Kommission beabsichtigte Zweck von Ausgleichszöllen könnte sich bei einem Handelskonflikt entsprechend schnell negativ auswirken“, sagte Verbandspräsidentin Hildegard Müller demnach in einem Gespräch mit der Welt am Sonntag. Sollte dieser Streit tatsächlich weiter im Sinne eines Handelskrieges eskalieren, dann könnte dies die Digitalisierung und Transformation hin zur Elektromobilität in ganz Europa gefährden, warnte sie.

Erste Ergebnisse am 5. Juni erwartet

Mit ersten Ergebnissen der EU-Untersuchung wird am 5. Juni gerechnet. Dann soll entschieden werden, wie mit den gewonnenen Erkenntnissen umgegangen wird. Die Subventionen der Volksrepublik für die Hersteller von Elektroautos werden bereits seit vergangenen Herbst untersucht. „Kommissionsangaben zufolge sind chinesische Elektroautos normalerweise rund 20 Prozent günstiger als in der EU hergestellte Modelle“, führt das Handelsblatt dazu aus.

Mehrere europäischen Hersteller hatten sich bereits zuvor gegen solche Strafzölle ausgesprochen. Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte sich dahingehend geäußert. Ein Hintergrund ist, dass die Hersteller in Europa gute Geschäfte in China machen, Volkswagen etwa setzt gut ein Drittel seiner Neuwagen allein in China ab. Sollten nun Strafzölle auf chinesische E-Autos erhoben werden, dürfte es nicht lange dauern, ehe China dies der EU gleichtut und höhere Zölle auf europäische Fahrzeuge verlangt. Dies könnte für die europäischen Hersteller einen erheblichen Schlag im Außenhandel bedeuten.

Außerdem könnten die Strafzölle auch die in China hergestellten E-Autos europäischer Hersteller betreffen. So baut Renault-Tochter Dacia den besonders günstigen Spring in China. Greifen zukünftig Strafzölle, könnte dieser empfindlich teurer werden – und somit das ohnehin noch eher magere Segment an günstigen E-Autos weiter ausdünnen.

Quelle: Handelsblatt – „Deutsche Autobauer gegen Strafzölle auf chinesische E-Autos“

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Sebastian Henßler  —  

Luftlos, transparent, biologisch abbaubar: Hankooks Konzeptreifen bricht mit allen Konventionen. Was heute schon geht und was fehlt, bis er serienreif ist.

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Daniel Krenzer  —  

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt vor gefährdeten Werken in Deutschland. Kooperationen mit chinesischen Herstellern könnten helfen, Jobs zu sichern.

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Sebastian Henßler  —  

Nach den Protesten bei Mercedes-Benz fordert Bosch eine Taskforce. Auch beim Volkswagen-Konzern sollen laut IG Metall Beschäftigtenaktionen folgen.

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Bei Automobilzulieferern steigt der Krankenstand laut AOK auf 8,94 Prozent. Besonders psychische Fehlzeiten nehmen demnach zu.