„Zeitpunkt goldrichtig“: Warum Bosch jetzt Brennstoffzellen-Antriebe fertigt

„Zeitpunkt goldrichtig“: Warum Bosch jetzt Brennstoffzellen-Antriebe fertigt
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Der Automobilzulieferer Bosch will Brennstoffzellen-Antriebe für Wasserstoffautos produzieren. Jürgen Gerhardt, seit 1984 bei Bosch angestellt und seit 2019 Produktbereichsleiter für mobile Brennstoffzellen, erklärte in einem Interview mit dem Fachmagazin Automobil Industrie, warum der Zulieferer erst jetzt in den Wasserstoff-Markt einsteigt, in welchen Fahrzeugen die Technologie am sinnvollsten eingesetzt werden kann und warum er das Negativ-Argument von zuviel Platin in H2-Antrieben nicht gelten lässt.

Der Markt für die Brennstoffzelle entsteht gerade erst. Deshalb ist der Zeitpunkt für unseren Einstieg goldrichtig“, sagt Gerhardt zu Beginn des Interviews. Der Zeitpunkt sei attraktiv, weil Bosch jetzt „Technologie und Markt aktiv mitgestalten“ könne. Eine der größten Herausforderungen sei es, die Technologie „günstig zu fertigen“. Aktuelle Wasserstoffautos wie der Toyota Mirai und der Hyundai Nexo kosten um die 70.000 Euro. Damit die die Fahrzeuge erschwinglicher werden, sollen nicht nur Skaleneffekte genutzt werden. Auch über „die simultane Entwicklung von Produkt und Fertigungsprozess“ sollen Kosten gespart werden, so Gerhardt.

Das Haupteinsatzgebiet für die Brennstoffzelle sieht der Bosch-Manager vor allem im Schwerlastverkehr sowie bei Autos, mit denen weite Strecken zurückgelegt werden sollen. Für Pkws oder leichte Nutzfahrzeuge mit einer täglichen Reichweite von bis zu 200 Kilometer sei „der batterieelektrische Antrieb eine gute Lösung“. Batterieelektrische Lkws für den Schwerlastverkehr allerdings seien „wenig sinnvoll“, da man Batterien allein „die notwendigen Reichweiten nicht erzielen“ könne. „Hier kann die Brennstoffzelle Stärken ausspielen.“

Für Lkw reicht die Wasserstoff-Infrastruktur schon aus

Bei der Infrastruktur für Wasserstoffautos herrscht zwar noch Nachholbedarf. Aktuell gibt es in Deutschland nur gut 80 Wasserstoff-Tankstellen. „Für schwere Nutzfahrzeuge, die längere Strecken zurücklegen und häufig ein und dieselbe Tankstelle ansteuern, reicht dieses Tankstellennetz sogar schon aus“, sagt Gerhardt. Wolle man allerdings auch den Pkw-Markt flächendeckend durchdringen, „müssen es natürlich noch deutlich mehr werden“. Der Bosch-Manager erwartet mit „Hochlauf der Fahrzeugpopulation“ einen Ausbau auf bis zu 400 Tankstellen.

Mit Brennstoffzellen könne der Schwerlastverkehr auch seine CO2-Ziele für 2030 erreichen. In der EU müssen Lkw bis 2030 ihren Klimagasausstoß um 30 Prozent reduzieren. „Dieses Ziel lässt sich unserer Ansicht nach nur mit einer zunehmenden Elektrifizierung des Antriebs erreichen“, sagt Gerhardt. Das Negativ-Argument, dass für Brennstoffzellen Unmengen an Platin benötigt werden, will der Ingenieur nicht gelten lassen: „Wenn wir Großserien-Stückzahlen erreichen, spielt das Edelmetall Platin nur noch eine kleine Rolle. Letztlich steckt in einem Stack etwa so viel Platin wie in einem Diesel-SCR-Katalysator – oder sogar weniger.“

Quelle: Automobil Industrie – Bosch: „Das Wasserstoff-Tankstellennetz reicht teils schon aus“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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