Supermärkte: Wird die Ladesäule zum Wettbewerbsvorteil?

Supermärkte: Wird die Ladesäule zum Wettbewerbsvorteil?
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Aldi

Patrick Solberg
Patrick Solberg
  —  Lesedauer 4 min

Bereits die Corona-Pandemie hat das Einkaufsverhalten nachhaltig geändert. Noch größer werden die Veränderungen jedoch durch die Elektromobilität sein, denn große Supermärkte werden ohne Schnelladesäulen mittelfristig kaum noch eine Chance haben.

Der Edeka Markt im Gewerbegebiet von Unterhaching gehört zu den besten in ganz Bayern. In dem mächtigen Supermarkt gibt es nicht nur zahlreiche Parkplätze und nebenan McDonald oder einen Bau- und Gartenmarkt, sondern auch ein Produktangebot, das kaum Wünsche offenlässt. Doch der größte Wettbewerbsvorteil ist von noch junger Natur, denn seit einigen Monaten wurde ein kleiner Teil des Großparkplatzes zum Ladepark von EnBW umfunktioniert.

Ein gutes Dutzend Schnelllader ermöglichen es einem, das eigene Elektroauto mit bis zu 300 Kilowatt erstarken zu lassen, während man den Einkaufsgelüsten des Alltags frönt. Mit einem Luxusmodell wie einem Audi E-Tron GT oder einem Porsche Taycan kann man den Akku selbst bei einem Kurzeinkauf um 50 Prozent erstarken lassen und selbst wer mit einem VW ID.3, einem Fiat 500 Elektro oder einem Peugeot e-208 an den 300 kW starken Ladesäulen nachtankt, hat sich wertvolle Kilometer verschafft, während er den Einkaufswagen mit Wurst, Käse, Gemüse und Getränken gefüllt hat.

Ladesäulen entscheiden darüber wo eingekauft wird, wo nicht!

Der Supermarkt in Unterhaching zeigt, wie sehr die Ladesäulen zukünftig das Einkaufsverhalten ändern werden. Denn im Münchner Süden gibt es in Pullach einen ähnlichen guten Edeka Markt, der trotz des umfangreichen Umbaus des Parkplatzes bisher nicht mit Ladesäulen ausgestattet wurde. Der ein oder andere wohl betuchte Bürger aus den Nobelgegenden von Grünwald, Strasslach, Pullach oder Harlaching kauft nunmehr in Unterhaching ein, da er dort sein Elektroauto nachladen kann. Dieser Trend macht sich insbesondere bei größeren und großen Supermärkten bemerkbar und wird zeitnah auch die großen Einkaufszentren treffen. Dort, wo man nachladen kann, wird eingekauft – da macht das Modehaus keinen Unterschied zu Supermarkt, Baucenter oder Elektronikhandel.

Viele Betreiber von Supermärkten haben das Problem mittlerweile erkannt – andere schlummern noch und bieten auf dem eigenen Parkplatz für geneigte Kunden ein oder zwei Ladesäulen. Das hilft weder dem Fahrer eines Elektroautos noch dem Supermarktpächter, denn auf eine freie Ladesäulen warten wird kein Kunde. Die Supermarktkette Globus baut daher unter Mithilfe von EnbW die Ladeinfrastruktur an seinen Markthallen bundesweit aus. Das Energieunternehmen startet schrittweise mit der Installation von Hyperchargern auf seinen Kundenparkplätzen. Dabei beziehen alle Globus-Ladepunkte den Strom aus erneuerbaren Energien. „Wir leisten damit einen Beitrag zum Klimaschutz und wichtiger noch, wir bieten unseren Kunden einen neuen Service und geben ihnen die Möglichkeit, ebenfalls einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Gleichzeitig sind die Kooperation und der Ausbau der Ladepunkte bei Globus ein Bekenntnis zur Mobilität der Zukunft sowie eine sinnvolle Ergänzung unseres bisherigen Angebots an Lademöglichkeiten,“ sagt Nils Behrens, verantwortlich für das Tank- und Waschstraßengeschäft bei Globus.

Insgesamt sollen über 800 High-Power-Ladepunkte an allen Globus Markthallen in ganz Deutschland installiert werden. Das entspricht einem Plus von über zehn Prozent auf den bundesweiten Bestand an entsprechenden Schnellladepunkten. Mit Ausbaupotential an über 60 Standorten, stehen zukünftig durchschnittlich 13 Schnellladepunkte mit einer Ladeleistung von bis zu 300 Kilowatt bereit. „Die Zusammenarbeit von Globus und der EnBW zeigt wunderbar, wie sich das Laden in den Alltag integriert“, sagt Timo Sillober von EnbW, „die Kunden laden ihr Auto ganz bequem, während sie ihre Einkäufe erledigen. So haben sie nebenbei genug Strom in der Batterie für die Alltagsfahrten der kommenden zehn bis 14 Tage – ganz ohne Umweg zur Tankstelle. E-Autos laden dort schnell voll, wo sie ohnehin stehen.“

Potenzial vorhanden. Auch bei Aldi Süd/ Aldi Nord

Seit 2018 bietet auch der Discounter Aldi an immer mehr seiner Märkte Ladesäulen für Elektroautos an. Doch wer die Supermärkte von den Aldi Nord und Aldi Süd besucht, sieht an den meisten Märkten gerade einmal ein oder zwei Ladesäulen und die Ladegeschwindigkeiten liegen oftmals bei gerade einmal 50 Kilowatt. Dünn ist das Angebot an Schnellladesäulen derzeit noch bei den Supermärkten von Rewe und der Billigtochter Penny.

Doch Rewe hat sich mit EnBW und Shell zusammengetan und will bis 2024 mindestens 2.000 Ladesäulen an 400 Märkten in Betrieb nehmen. Langfristig sollen es bis zu 6.000 Ladepunkte sein; mindestens ein Drittel als Schnelllader mit mehr als 150 Kilowatt. „Die Partnerschaft mit Rewe bringt uns beim deutschlandweiten Ausbau unseres Schnellladenetzes einen weiteren Riesenschritt voran,“ so Timo Sillober, „nirgendwo zeigt sich das besser als beim Einkaufen: Ich fahre auf den Supermarktparkplatz, schließe mein Auto am Schnelllader an. Nach circa 20 bis 30 Minuten – so lange dauert ein Einkauf in der Regel – komme ich zurück zu meinem aufgeladenen Fahrzeug.“

In den USA ist man an den gigantischen Malls und Outlets schon einen Schritt weiter. Hier werden von Netzbetreiber Electrify America ebenso ganze Ladeparks aufgebaut wie vor den Shops der Kaffeekette Starbucks. In manchen Bundesstaaten kommt es an Wochenende schon zu langen Schlangen vor der Ladesäulen, um das eigene Elektroauto aufzuladen, denn auch hier hinkt die Zahl der Ladepunkte den Elektroautos hinterher.

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