Autoexperte: Benziner und Diesel werden „komplett verschwinden“

Autoexperte: Benziner und Diesel werden „komplett verschwinden“
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Michael Neißendorfer
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Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer geht davon aus, dass reine Benziner und Diesel im Pkw-Bereich „komplett verschwinden“ werden. Im E-Auto-Vorreiterland China dürfte dies „spätestens in ein, zwei Jahrzehnten“ der Fall sein, sagte er in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ).

Und während China die Produktion von E-Autos massiv erhöht, sei „in Deutschland der Zug für die Massenproduktion von E-Autos nach China abgefahren“, konstatiert Dudenhöffer und verdeutlicht die drohende Misere für die deutsche Autoindustrie: „Dorthin [nach China; d. Red.] wandern die Jobs ab. Weil die Elektromobilität hier als Konkurrenz zum Verbrenner regelrecht abgewürgt worden ist, wurde auch die Zukunft des Industriestandortes Deutschland erheblich geschwächt“, sagt er.

Als brandgefährlich bezeichnet Dudenhöffer die in Deutschland immer lauteren Rufe nach einer Rücknahme des Verbrenner-Aus in der EU: „Anstatt unsere Autobauer zu retten, zerstört das Gerede über eine Abkehr vom Verbrenner-Aus unsere Industrie“, warnt er. „Denn Deutschlands Hersteller brauchen den Hochlauf der E-Mobilität unbedingt, um in die Massenproduktion zu kommen.“ Mit verantwortlich für die Stagnation bei den Verkaufszahlen von E-Autos sei „die Politik in Berlin und Brüssel“, die die E-Mobilität in Deutschland und Europa „mit schweren Fehlern zur Fata Morgana“ mache.

Dudenhöffer geht hierbei ins Detail und nennt konkret einige Schuldige für die Misere: Die Autolobby etwa habe „durch ihr überzogenes Geschrei über angeblich fehlende Ladesäulen die eigenen Kunden abgeschreckt“. Auch an Christian Lindner von der FDP, dem CSU-Europapolitiker Manfred Weber, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und „fast allen konservativen Politikern“, die sich stark gegen Elektroautos positioniert hätten, lässt Dudenhöffer kein gutes Haar: „Sie alle wollen sich beim Wähler als Retter der deutschen Autoindustrie präsentieren“, so der Autoexperte. „Aber statt unsere Autobauer zu retten, zerstört das Gerede unsere Industrie“, sagt er: „Denn Deutschlands Hersteller brauchen ja den Hochlauf der E-Mobilität unbedingt, um in die Massenproduktion zu kommen. Wer sagt, er wolle das Verbrenner-Verbot kippen, schadet dem Standort“.

„Spätestens 2030 wird der Markt zu Ungunsten der Verbrenner kippen“

Stark abgehängt sei Europa bereits bei der Produktion von Batterien für E-Autos, in der eine enorme Wertschöpfung liegt. „30 bis 40 Prozent hängen an der Batterie“, verdeutlicht Dudenhöffer das Erlösgefüge in der E-Auto-Produktion. Chinesische Hersteller hätten das schon lange erkannt und genutzt und produzierten Batterien „längst auf Masse“. Ob Europa es noch schafft, konkurrenzfähige Batterien herzustellen, hält der Autoexperte für „fraglich. Die Chinesen beherrschen das schon viel besser und verschaffen sich auch dadurch gewaltige Kostenvorteile.“

Das Stündlein für Benziner und Diesel habe auch ohne das Verbrenner-Aus ab 2035 bereits geschlagen, aufgrund immer schärferer CO2-Vorgaben und stetig steigender CO2-Preise: „Spätestens 2030, wenn wirklich strenge EU-Vorgaben in Kraft treten, wird der Markt zu Ungunsten der Verbrenner kippen“, sagt Dudenhöffer.

Allein das Zwitterwesen Plug-in-Hybrid dürfte sich noch eine Weile behaupten, meint er: „Schon vorher wird der Plug-Hybrid zurückkommen, darauf setzen auch viele asiatische Hersteller“. Zu diesem Antrieb rät er auch Verbrauchern, die mit reinen Elektroautos noch nicht warmgeworden sind: „Wer heute ein E-Auto haben will, sollte es leasen oder auf einen Plug-in setzen“, sagt Dudenhöffer. Der Kauf eines E-Autos hingegen sollte gut überlegt sein, findet er, da „vollelektrische Fahrzeuge stetig besser und preiswerter“ werden.

Quelle: NOZ– „Autopapst“ macht krasse Prognose: 2030 sind E-Autos günstiger als Verbrenner!

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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