Wie Taxis und Mietwagen klimafreundlicher werden können

Wie Taxis und Mietwagen klimafreundlicher werden können
Copyright:

Shutterstock / 403179772

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Die Initiative „wirfahren“, der laut eigener Aussage größte Zusammenschluss von Mietwagenunternehmen in Deutschland, und das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme FOKUS haben eine Studie zur Förderung einer nachhaltigeren Mobilität veröffentlicht. Unter dem Titel „Transformation des Taxi- und Mietwagengewerbes“ (verlinkt als PDF) blicken die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts auf den aktuellen Stand der Branche in Bezug auf Nachhaltigkeit und analysieren Wege und Konzepte, die helfen können, den Wandel zu einer klimafreundlicheren Mobilität voranzutreiben.

Diese Studie ist der Startpunkt, um Mobilität – vor allem im Taxi- und Mietwagenbereich – neu, modern und nachhaltig zu denken“, sagt Thomas Mohnke, Sprecher der Initiative „wirfahren“. „Das Fraunhofer FOKUS präsentiert innovative Konzepte und konkrete Handlungsempfehlungen an Unternehmen und Politik. Jetzt liegt es an uns, diese umzusetzen, denn in Sachen Klimaschutz ist es bereits fünf vor zwölf!

Die Studie zeigt auf, dass das Taxi- und Mietwagengewerbe als Teil des Verkehrssektors einen entscheidenden Einfluss auf das Erreichen der Klimaziele hat. Denn der gesamte Verkehrssektor steht für 20 Prozent aller Treibhausemissionen in Deutschland. Taxis und Mietwagen legen jedes Jahr insgesamt zwischen 2,5 und 3 Milliarden Kilometer in Deutschland zurück. Gleichzeitig kommt die Studie zum Ergebnis, dass lediglich rund 17 Prozent der Taxi- und Mietwagenfahrzeuge einen elektrischen Antrieb haben. Hier liegen enorme Potenziale zur Verringerung von CO₂-Emissionen.

Um die Transformation zu einer nachhaltigeren Mobilität zu schaffen, untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler technologische Lösungen wie Elektroautos und Wasserstofffahrzeuge. Sie schätzen dabei batterieelektrische Antriebe als die am besten geeignete Lösung für emissionsfreie Mobilität ein.

Darüber hinaus wurden innovative Ladetechnologien genauer analysiert, wie das induktive Laden oder der Batteriewechsel. Auf dieser Grundlage schlägt Fraunhofer FOKUS das neuartige Konzept der sogenannten Eco-Pause vor. Diese Idee, die speziell für das Taxi- und Mietwagengewerbe entwickelt wurde, adressiere sowohl die Herausforderungen beim Wandel zu mehr Elektromobilität als auch die Bedürfnisse der Fahrerinnen und Fahrer.

Die Eco-Pause kombiniert Ladeinfrastruktur mit der Möglichkeit einer angenehmen Pausengestaltung. Fahrerinnen und Fahrer haben während der Ladezeiten beispielsweise Zugang zu komfortablen Ruheräumen, Gesundheits- und Fitnessangeboten sowie zu gastronomischen Einrichtungen. Weiterhin können sie sich hier in einer Art Begegnungsstätte auch untereinander austauschen. Die Infrastruktur könnte an bestehende Ladeinfrastruktur oder Tankstellen angeschlossen werden oder an Orten wie Flughäfen oder Bahnhöfen entstehen.

Große CO₂-Einsparung ohne Kosten durch Abschaffung der Rückkehrpflicht

Darüber hinaus haben sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Auswirkungen eines Gesetzes angeschaut, das in den 1980er-Jahren erlassen wurde: die sogenannte Rückkehrpflicht für Mietwagen. Die besagt, dass Fahrerinnen und Fahrer von Mietwagenunternehmen nach einem abgeschlossenen Auftrag zu ihrem Betriebssitz zurückfahren müssen – es sei denn, es liegt ein Folgeauftrag vor.

Auf Grundlage von realen Datensätzen erstellte das Fraunhofer FOKUS eine Simulation, die aufzeigt, welche enormen Auswirkungen die Rückkehrpflicht auf Verkehr und Umwelt hat. Sie zeigt, dass etwa 30 Prozent aller Fahrstrecken im Mietwagengewerbe durch die Rückkehrpflicht entstehen. Allein in Berlin entspreche das täglich fast 200.000 Kilometer an unnötigen Leerfahrten, etwa fünf Erdumrundungen pro Tag, umgerechnet auf die Fahrer:innen knapp eine Stunde vergeudete Zeit. Die durch die Abschaffung eingesparten Emissionen sind ebenfalls signifikant, allein in Berlin könnten pro Jahr 7250 Tonnen CO₂ vermieden werden. Darüber hinaus würde auch der Verkehr in der Hauptstadt entlastet: Mehr als ein Prozent der gesamten Verkehrsmenge würde bei der Abschaffung der Rückkehrpflicht entfallen. Hochgerechnet auf ganz Deutschland würden sich enorme Einsparpotenziale ergeben – und das zum Nulltarif.

Dr. Ilja Radusch, Leiter des Geschäftsbereichs Smart Mobility am Fraunhofer-Institut FOKUS, sagt: „Die Simulation ist ein wichtiges Planungstool für die Abschätzung und Bewertung von Maßnahmen zur Förderung des Klimaschutzes. Grundlage hierfür bilden umfangreiche Basisszenarien, die die Realität genau als Digitalen Zwilling der Stadtmobilität abbilden.

Wir diskutieren laufend über Möglichkeiten, CO₂-Emissionen zu reduzieren. Die Zahlen zeigen nun eindrücklich, dass die Abschaffung der Rückkehrpflicht eine zwingende und einfache Maßnahme darstellt, um dabei zu helfen, unsere Klimaziele zu erreichen. Und das Beste daran: Sie kostet den Steuerzahler keinen Cent“, erklärt Mohnke. Neben der sofortigen Einsparung würde die Aufhebung der Rückkehrpflicht auch den Umstieg auf Elektroautos enorm erleichtern, da sie so nicht unnötig kostbare Reichweite verschwenden.

Quelle: Fraunhofer FOKUS – Pressemitteilung vom 15.05.2024

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Politik

Hohe Spritpreise: Mit E-Autos raus aus der fossilen Abhängigkeit

Hohe Spritpreise: Mit E-Autos raus aus der fossilen Abhängigkeit

Michael Neißendorfer  —  

Die Spritpreise haben angesichts des Irankriegs zum ersten Mal seit Jahren wieder die Schwelle von 2 Euro übersprungen. Autofahren ginge auch günstiger.

Eon: Warum Stromnetze zum Engpass der Energiewende werden

Eon: Warum Stromnetze zum Engpass der Energiewende werden

Sebastian Henßler  —  

Warum Netze für die Energiewende entscheidend sind, KI den Strombedarf verändert und er Solarförderung infrage stellt, erklärt der Eon-Chef im OMR-Podcast.

Auf dem Weg zur Elektromobilität bremst vor allem die Verunsicherung

Auf dem Weg zur Elektromobilität bremst vor allem die Verunsicherung

Michael Neißendorfer  —  

Die Elektromobilität steht weniger vor einer technischen als vor einer kommunikativen Herausforderung. Sie hat großes Potenzial – aber auch viele Bremser.

Irankrieg: „Erneuerbare Energien sind Sicherheitsenergien“

Irankrieg: „Erneuerbare Energien sind Sicherheitsenergien“

Michael Neißendorfer  —  

„Verbraucher zahlen die Zeche“ für die Abhängigkeit von Öl und Gas, wie der Irankrieg schmerzlich vor Augen führt. Dabei gäbe es schon heute Alternativen.

„Made in EU“-Pläne stellen europäische Autobauer vor schwierige Fragen

„Made in EU“-Pläne stellen europäische Autobauer vor schwierige Fragen

Tobias Stahl  —  

Die EU-Kommission plant, Subventionen für Autobauer an Mindestquoten für europäische Komponenten zu koppeln. EU-Länder bewerten das Vorhaben unterschiedlich.

E-Auto-Förderung wird von EU-Vorschlag nicht beeinflusst

E-Auto-Förderung wird von EU-Vorschlag nicht beeinflusst

Michael Neißendorfer  —  

Der Industrial Accelerator Act der EU steht der deutschen Förderung für Elektroautos nicht im Weg, wie das Bundesumweltministerium klarstellt.

THG-Quote: ZDK fordert Stärkung von E-Mobilität und E-Fuels zugleich

THG-Quote: ZDK fordert Stärkung von E-Mobilität und E-Fuels zugleich

Michael Neißendorfer  —  

Der ZDK begrüßt den Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der THG-Quote und fordert neben der E-Mobilität einen Fokus auf E-Fuels für die Bestandsflotte.