Studie: Droht E-Autos ein Einbruch im Flottenmarkt?

Studie: Droht E-Autos ein Einbruch im Flottenmarkt?
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Mini (BMW)

Felix Katz
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Im Dezember 2023 wurde die Elektroauto-Kaufprämie quasi über Nacht eingestellt. Drei Monate zuvor war bereits die Förderung für Unternehmen gestrichen worden. Prognosen des Marktforschungsunternehmens Dataforce sagen für 2024 nun einen deutlichen Einbruch bei Elektroautos im Flottengeschäft voraus. Neben dem Fehlen von Förderungen sollen auch eine unzureichende Ladeinfrastruktur und eine mangelnde Modellauswahl zu einer geringeren Nachfrage von Unternehmen führen. Die galten bisher als wichtiger Treiber der Elektromobilität.

Der Wegfall des Umweltbonus beeinflusse die Anschaffungspläne von 67 Prozent der Fuhrparkleiter, die Elektroautos in ihren Flotten haben, das soll laut Automobilwoche eine aktuelle Elektromobilitätsstudie von Dataforce zeigen. Der Marktbeobachter hat nach eigenen Angaben mehr als 450 Fuhrparkleiter befragt, davon 350 mit Batterie-Elektroautos in der Flotte. Bei der Studie gab es keine vordefinierten Antworten, die Befragten äußerten sich mit eigenen Worten zur Thematik. Zudem seien die Rabatte der Hersteller zum Befragungszeitraum noch höher ausgefallen.

Ohnehin sind viele Flottenmanager und Unternehmen skeptisch gegenüber Elektroautos. Hauptgründe seien die unzureichende Reichweite und die mangelnde Zuverlässigkeit im Vergleich zu den Herstellerangaben. Dataforce zufolge berichten 81 Prozent der gewerblichen Nutzer, dass ihre Elektrofahrzeuge nur 80 Prozent oder weniger der angegebenen Reichweite erreichen. Dass die Verbrauchsangaben der Hersteller meist auf Fahrzyklen unter Idealbedinungen basieren, ist nichts Neues. Auch nicht, dass die Realverbräuche meist höher sind. Das war und ist bei Verbrennern nicht anders. Doch trotzdem führt diese Diskrepanz zu Unzufriedenheit und Zurückhaltung bei der Anschaffung weiterer Elektroautos​.

Studie: Droht E-Autos ein Einbruch im Flottenmarkt?
Immer noch viele Unternehmen haben gar keine oder nur wenige eigene Ladestationen, zu hoch seien die Kosten | Bild: EnBW

Eigene Ladeinfrastruktur für viele eine Hemmschuh

Neben den fehlenden Förderungen und höheren Anschaffungs- sowie Leasingkosten sei auch die Ladeinfrastruktur für 61 Prozent der Fuhrparkleiter von entscheidender Bedeutung. Immer noch viele Unternehmen haben gar keine oder nur wenige eigene Ladestationen. Warum? Bei 45 Prozent der Befragten mangele es vor allem am Platz, jeweils 23 Prozent der Fuhrparkleiter meldeten technische Probleme oder zu hohe Kosten.

Außerdem mache eine unzureichende Auswahl an Modellen, besonders in kleineren Fahrzeugsegmenten, die Situation nicht besser. Geschäftskunden bemängeln häufig das Fehlen von kompakten und Mittelklassefahrzeugen sowie vor allem Kleinwagen. Letztere eigenen sich besonders für den Nahverkehr, wo eine Elektrifizierung am meisten Sinn macht. Dies betrifft insbesondere große Flotten, von denen 74 Prozent die aktuelle Modellauswahl als nicht ausreichend betrachten. Der Bedarf an erschwinglichen vollelektrischen Modellen wird immer noch nicht gedeckt​.

Analyst Benjamin Kibies rechnet damit, dass die Neuzulassungen für elektrische Pkw in Flotten in diesem Jahr um 14 Prozent zurückgehen werden. Unterm Strich erwartet der Analyst noch 158.000 Elektroauto-Neuzulassungen in Flotten. Im März fiel der Gesamtflottenmarkt laut Automobilwoche um 12,5 Prozent auf 84.000 Pkw-Neuzulassungen. Die Zulassungen von Elektroautos in Flotten sanken sogar um 26 Prozent auf 12.200 Fahrzeuge. „Nach wie vor entscheiden sich die meisten Neuwagenkäuferinnen und -Käufer für Benziner und Dieselantriebe. Batterie-elektrische Fahrzeuge haben seit dem Förderende im Dezember einen schweren Stand“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung von Dataforce.

Anhand der Pkw-Zulassungen im April lassen sich deutliche Veränderungen innerhalb der einzelnen Käufergruppen beobachten: Privatpersonen entscheiden sich zunehmend für die ausschließlich von Importeuren angebotenen Vollhybride, deren Marktanteil mittlerweile 6 Prozent überschreitet. Plug-in Hybride machen hingegen weniger als 3 Prozent der Privatkäufe aus, während der Anteil der rein batterieelektrischen Fahrzeuge knapp unter 14 Prozent bleibt. Bei den Fuhrparkverantwortlichen haben Vollhybride mit nur 2 Prozent Marktanteil nach wie vor einen schweren Stand. Stattdessen ist knapp jedes zehnte Fahrzeug ein Plug-in Hybrid. Bei den Elektroautos zeichnet sich inzwischen eine leichte Erholung ab: Mit einem Marktanteil von 15 Prozent liegt der E-Auto-Anteil im Flottenmarkt mittlerweile über dem der Privatkäufe und nur knapp unter den 17 Prozent, die ein Jahr zuvor im April 2023 mit dem Umweltbonus erreicht wurden.

Quellen: Automobilwoche – E-Autos droht Einbruch im Flottenmarkt / Datatforce – Neuzulassungen im März: Elektroschock im Privatmarkt / Dataforce – Pressemitteilung vom 13.05.2024

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Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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