Polestar-Chef: Akku-Auto hat sich zu Recht durchgesetzt

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Wolfgang Plank
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Thomas Ingenlath hält das Rennen um die Zukunft des Pkw-Antriebs für entschieden – und zwar zugunsten der Batterie. Wasserstoff hingegen sieht der Chef des E-Auto-Herstellers Polestar in der Industrie und allenfalls im Schwerlastverkehr. Die Brennstoffzelle habe Jahrzehnte auf der Agenda der Hersteller gestanden, aber nie den Durchbruch geschafft, erklärte Ingenlath in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“. Der Akku hingegen sei alltagstauglich und derzeit überlegen. Technisch könne man – bei entsprechendem politischen Willen und mit Subventionen – alles machen. „Ich denke aber, dass sich das batterieelektrische Auto schon zu Recht durchgesetzt hat.

Daran ändere auch der CO2-Rucksack nichts. Immerhin müssen Polestar-Fahrer nach neuesten Berechnungen 75.000 Kilometer fahren, um diesen Nachteil aus der Herstellung gegenüber dem Verbrenner aufzuholen. Für vorschnell hält Ingenlath die Veröffentlichung dieser Werte nicht. „Wir wollten jetzt Daten erheben und absolut transparent sein – auch um zu sehen, wo wir das größte Verbesserungspotenzial haben.“ Viele so genannte Studien seien von klaren Eigeninteressen geleitet, so der Polestar-Chef. „Einige möchten gerne so lange wie möglich ihr Verbrenner-Geschäft betreiben und das Elektroauto diskreditieren – dem wollten wir etwas Solides, methodisch Sauberes entgegensetzen.

Den pauschalen Vorwurf, Zellen in China zu kaufen, wo der Strom zu deren Herstellung alles andere als CO2-frei sei, will Ingenlath so nicht stehen lassen. Polestar arbeite hier eng mit der Mutter Volvo zusammen, die wiederum zum chinesischen Autokonzerns Geely gehört. So würden etwa nur Kobalt-Minen für den Einkauf zugelassen, die unbedenklich seien. Dass Hersteller Druck entlang ihrer Lieferkette ausübten, sei ein Trend, den Volvo mit angestoßen habe. Eine direkte Beteiligung an Rohstoff-Lagerstätten, wie etwa von VW oder Tesla, sei aber nicht vorgesehen.

Dass bei wachsender Zahl von E-Autos die Ladeinfrastruktur nicht mitkomme, glaubt Ingenlath nicht. Temporär könne es zwar Probleme geben, das aber gehöre zu einem schnell wachsenden Markt dazu. Auf Dauer wisse aber auch die Industrie um die Bedeutung – ebenso wie die Poltik. Es werde daher vorwärts gehen.

Auf Dauer als Autobauer zum Hüllen-Produzenten für IT-Konzerne zu werden, fürchtet Ingenlath nicht. Partnerschaften, gerade bei Software, würden künftig die Regel sein. „Die Aufgabe ist zu groß, als dass jeder einzelne Hersteller sie selbst erledigen könnte.“ Das sei aber nicht der vorrangige Grund gewesen, beim Infotainment auf Google-Systeme zu setzen. „Unsere Stärke ist der Bau von Elektroautos, nicht das Programmieren von Navigationssystemen oder einer Sprachsteuerung.

Polestar habe sich intensiv mit dem Thema Datenschutz beschäftigt. Der Konsument könne entscheiden, welche Daten er teilen möchte – und welche Annehmlichkeiten er im Gegenzug erhalte. Das sei ähnlich wie beim Mobiltelefon. Ein Zwang sei das nicht, verspricht Ingenlath: „Unser Fahrzeug kann auch inkognito genutzt werden.

Quelle: Wirtschaftswoche

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Wolfgang Plank

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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