LiCORNE will Lithium-Lieferkette in Europa aufbauen

LiCORNE will Lithium-Lieferkette in Europa aufbauen
Copyright:

KIT

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Lithium aus europäischen Quellen soll die Rohstoffabhängigkeit durch nachhaltige, energieeffiziente und umweltfreundliche Produktionsketten reduzieren. Bislang importiert Europa mehr als die Hälfte des benötigten Materials für die Batterieproduktion, wie Lithium (Li), Nickel (Ni), Kobalt (Ko) und Magnesium (Mg). Das soll sich bald ändern und die Produktion im Inland an Bedeutung gewinnen.

Der neue EU-Rechtsrahmen für Batterien geht davon aus, dass sich der Lithium-Bedarf bis 2030 um das 18-fache und bis 2050 sogar um das 60-fache erhöht. Das EU-finanzierte Projekt LiCORNE will vor diesem Hintergrund eine Lithium-Lieferkette in Europa aufbauen. Ziel ist es, die europäischen Kapazitäten zur Verarbeitung und Veredlung von Lithium zu steigern, um die Produktion von batterietauglichen Chemikalien aus Erzen, Solen, Bergbauabfällen und Altbatterien zu fördern. Außerdem wollen sie kosteneffiziente, sichere und flexible Technologien zur Gewinnung des Leichtmetalls entwickeln, die eine höhere Ausbeute bei gleichzeitig geringem ökologischem Fußabdruck ermöglichen sollen.

Die Lieferkette umfasse fünf große Primärrohstoffbesitzer mit Ressourcen von Lithiumkarbonatäquivalent, von denen allein 2,7 Millionen Tonnen in Europa vorkommen. Die Wertschöpfungskette umfasse einen Kathodenhersteller mit der Kapazität, wertvolles Lithium, Kobalt und Nickel, das aus Kathodenmaterial-Abfällen recycelt wird, wiederzuverwerten. LiCORNE will verschiedene, laut eigener Aussage „bahnbrechende Technologien“ für die Verarbeitung und Rückgewinnung von Lithium untersuchen.

Das Konsortium besteht aus insgesamt 16 europäischen Universitäten und Unternehmen, darunter auch Energie Baden-Württemberg (EnBW), das Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) und das Fraunhofer-Institut für chemische Technologie. Vierzehn verschiedene Technologien sollen im Rahmen von LiCORNE untersucht werden. Sie seien mit Blick auf niedrige Investitions- und Betriebskosten, einen geringen CO2-Fußabdruck und industrielle Skalierbarkeit ausgewählt worden. Die European Climate Infrastructure and Environment Executive Agency fördert das Projekt mit insgesamt rund 6,8 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre.

Die Projektlaufzeit beläuft sich zunächst auf insgesamt vier Jahre, von Oktober 2022 bis September 2026. Innerhalb von zweieinhalb Jahren, also bis etwa Frühjahr 2025 wollen die Projektpartner die Technologien intensiv erforschen und deren Entwicklungsstand von ursprünglich TRL 2 (Technology Readiness Level) auf TRL 4 anheben. Im Anschluss gilt es, die vielversprechendsten Technologien anhand einer Lebenszyklusanalyse und einer Lebenszykluskostenrechnung für ein Upscaling auf TRL 5 auszuwählen. Für die letzte Phase ist die Konzeption eines Prototypsystems vorgesehen, welches bei TRL 5 demonstriert und gut 1 Kilogramm batteriegerechte Lithium-Produkte herstellen soll.

Lithium aus Tiefenwässern und Altbatterien

Am KIT untersuchen wir die Lithium-Gewinnung mithilfe elektrochemischer Methoden aus geothermalen Tiefenwässern im Oberrheingraben“, sagt Fabian Jeschull vom Institut für Angewandte Materialien des KIT. „Hierfür nutzen wir unter anderem bereits vorhandene eisenbasierte Batteriematerialien, dank derer wir die Ionen aus lithiumhaltigen wässrigen Salzlösungen effektiv filtern können. Das Funktionsprinzip ähnelt dabei dem einer Lithium-Ionen-Batterie.“

Außerdem untersuchen die Forschenden ausgediente Lithium-Ionen-Speicher. „Diese könnten eine wichtige zukünftige Quelle sein, um zentrale Rohstoffe für die derzeit stark wachsende Batterieindustrie wiederzugewinnen“, so Jeschull weiter. „Durch neue Recyclingverfahren wollen wir so zusätzlich eine ‚neue alte‘ Rohstoffquelle erschließen.“

Quelle: KIT – Pressemitteilung vom 20.02.2023 / Cordis – Projektwebsite / UnLimited – EU-Projekt LiCORNE

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Rohstoffe

Chile verknüpft Lithium-Strategie mit EU-Batterieverordnung

Chile verknüpft Lithium-Strategie mit EU-Batterieverordnung

Sebastian Henßler  —  

Chile treibt seine Lithium-Strategie voran und verbindet staatliche Beteiligung mit privaten Partnerschaften für mehr Wertschöpfung im eigenen Land.

Lithium aus Deutschland: Neptune startet nächste Pilotphase in der Altmark

Lithium aus Deutschland: Neptune startet nächste Pilotphase in der Altmark

Daniel Krenzer  —  

Neptune Energy startet die zweite Pilotphase für Lithium aus der Altmark. Ab 2030 könnten bis zu 25.000 Tonnen LCE pro Jahr gefördert werden.

PaNaBat: Deutschland und Chile bündeln Lithium-Forschung

PaNaBat: Deutschland und Chile bündeln Lithium-Forschung

Sebastian Henßler  —  

Das deutsch-chilenische Projekt PaNaBat vernetzt Forschung und Industrie für eine nachhaltigere Lithiumgewinnung und ein effizienteres Batterierecycling.

Fünf Faktoren für den Erfolg von heimischem Lithium aus Geothermie

Fünf Faktoren für den Erfolg von heimischem Lithium aus Geothermie

Michael Neißendorfer  —  

Heißes Tiefenwasser liefert Wärme für Netze und Industrie – und zugleich Lithium für Batterien. Und die Vorkommen in Deutschland sind riesig.

Lithium-Handel: Chinas Börse lockt internationale Investoren

Lithium-Handel: Chinas Börse lockt internationale Investoren

Sebastian Henßler  —  

China öffnet seine liquiden Lithium-Futures für ausländische Händler, doch Kapitalkontrollen erschweren den Weg zum globalen Preismaßstab.

JLR-Konzeptauto zeigt Zukunft der Materialkreisläufe

JLR-Konzeptauto zeigt Zukunft der Materialkreisläufe

Sebastian Henßler  —  

Im Projekt Cornerstone hat Jaguar Land Rover die CO2-Bilanz aller Bauteile eines Autos halbiert, die Daten wurden von den jeweiligen Lieferanten validiert.

Seltene-Erden-Krise: Kroll setzt auf private Investoren

Seltene-Erden-Krise: Kroll setzt auf private Investoren

Arun Niemann  —  

Seltene Erden sind für E-Autos und die Industrie extrem wichtig. Andreas Kroll erklärt, warum Deutschland aus seiner Sicht Kapital und Tempo verschenkt.