Lithium unter dem Rhein soll für bis zu 400 Millionen E-Autos reichen

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Das australisch-deutsche Unternehmen Vulcan Energy Resources will die Gewinnung von Lithium deutlich günstiger und klimafreundlicher machen: Indem es den für die Batterieherstellung wichtigen Rohstoff aus solehaltigem Thermalwasser aus den Tiefen des Oberrheingrabens gewinnt. Auf einer Veranstaltung hat Vulcan-Mitgründer Horst Kreuter einige Details verraten. Demnach will das Unternehmen ab 2025 pro Jahr 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid herstellen.

Das genügt für die Herstellung von Batterien für etwa eine Million Elektrofahrzeuge pro Jahr“, sagte Kreuter beim Auto Motor und Sport Kongress 2022. Diese Menge würde für die gesamte Batterieproduktion in Deutschland reichen und die Abhängigkeit von anderen, internationalen Lieferanten massiv verringern. Vulcans Angaben zufolge liegt unter dem gut 300 Kilometer langen und bis zu 40 Kilometer breiten Oberrheingraben das größte Lithium-Vorkommen Europas, in einer Menge, die für bis zu 400 Millionen Elektroautos reichen soll. Zum Vergleich: Weltweit sind aktuell insgesamt, inklusive Verbrenner, gut 1,4 Milliarden Pkw auf den Straßen.

Der als CO2-neutral zertifizierte Förderprozess von Vulcan Energy Resources hat noch einen großen Vorteil: Da das Unternehmen gut 165 Grad und somit kochend heißes Thermalwasser an die Oberfläche pumpt, kann es auf umweltfreundliche Art und Weise über eine Dampfturbine Strom erzeugen, der zum einen für die Gewinnung des Lithiums gebraucht wird; zum anderen kann die überschüssige Energie und Wärme in das öffentliche Strom- und Fernwärmenetz gespeist werden. Aus dem heißen Wasser wiederum wird in einer Extraktionsanlage das kostbare Lithium von anderen im Wasser gelösten Elementen getrennt. Am Schluss des Prozesses wird das verwendete Thermalwasser wieder in das natürliche Reservoir in bis zu vier Kilometern Tiefe zurück. Vermutlich reichert es sich dort erneut mit Lithium an, wie Kreuter am Randes des Kongresses erklärte.

Wir sind die billigsten

Die Gewinnung von Lithium aus dem Oberrheingraben hätte neben der Sicherung der Lieferketten und der umweltfreundlichen Herstellung einen weiteren wesentlichen Vorteil: Das Verfahren, das in einer Pilotanlage bereits angelaufen ist, soll besonders günstig sein, wie Kreuter auf dem Kongress erklärte: „Wir haben keinen Bergbau, wir haben Einnahmen aus dem Lithium sowie aus der Wärme und Stromerzeugung. Wir haben einen Preisvorteil gegenüber der Konkurrenz, wir sind die billigsten“, versprach er. Früheren Unternehmensangaben zufolge soll eine im Oberrheingraben gewonnene Tonne Lithium-Hydroxid weniger als 5000 Euro kosten.

Der Preis für die Tonne Lithium stieg in den vergangen zwei Jahren aufgrund der hohen Nachfrage massiv an, von etwa 10.000 auf aktuell mehr als 70.000 Euro. Kreuter und Vulcan rechnen zwar bis zum eigenen Start der Produktion ab Anfang 2025 mit deutlich gesunkenen Preisen um etwa 20.000 Euro. Selbst dann aber wäre die hiesige Lithium-Förderung noch hochprofitabel. Um die 40.000 Tonnen Lithium in Batteriequalität gewinnen zu können, will Vulcan bis 2025 fünf Geothermieanlagen mit angeschlossener Lithiumverarbeitung aufbauen. Diese sollen neben dem Batterierohstoff mehr als 70 MW an Energie erzeugen.

An Kapital für sein vielversprechendes Vorhaben mangelt es Vulcan Energy Resources nicht: Mit dem Volkswagen-Konzern, der Stellantis-Gruppe, Renault, dem belgischen Recycling-Unternehmen Umicore sowie dem südkoreanischen Akku-Hersteller LG Energy Solutions sind einige namhafte Auto- und Batteriehersteller als Investoren an dem deutsch-australischen Unternehmen beteiligt. Und haben sich ihren Kapitaleinsatz bereits mit Abnahmeverträgen für Lithium veredeln lassen.

Quelle: Auto Motor und Sport – CO2-negatives Lithium für europäische Akkus

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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egon_meier:

wie immer .. nix .. woher auch.

Sebastian Henßler:

Danke für euer Feedback. Nehmen es uns zu Herzen und werden besser. Ansonsten ist aber für fähige Schreiber noch Platz bei uns im Team. Also gerne melden und mit gutem Beispiel voran gehen.

Karin Alsem:

In der Tat, da tun sich Sebastian und seine Koautoren teils etwas schwer :(
Manchmal auch sehr schwer.
Sind halt alles Quereinsteiger ins Journalistische.

Lars:

Hier will man mit den 165°C aus der Tiefe eine Turbine antreiben, die Strom erzeugt. Dabei wird das Wasser auf eine Temperatur abgekühlt, die immer noch so hoch ist, dass man damit direkt, ohne WP, heizen kann.
Man bekommt also Strom und Wärme, der Anlage muss keine weitere Energie zugeführt werden.

VestersNico:

„Am Schluß des Prozesses wird das verwendete Thermalwasser wieder in das natürliche Reservoir in bis zu vier Kilometern Tiefe zurück.“ ??? – gepumpt? – gespritzt? – vielleicht: begleitet? Oder wandert es wieder zurück? Oder tut die Schwerkraft ihr Übriges? Tja, Berichterstattung und Grammatik sind in diesen Zeiten nicht einfach unter einen Hut zu bringen ganz zu schweigen von der Formulierung technischer Details. Falsche Bilder sind da noch das kleinste Übel!

Sven Berl:

Das Foto ist aber aus anderem Abschnitt vom Rhein ;)

Norbert Seebach:

Das klingt fast zu schön um wahr zu sein: Lithium gewissermaßen als Nebenprodukt der Erdwärmeproduktion, das nur noch abgeschieden werden braucht und die dazu nötige Energie auch gleich noch mitliefert. Wozu braucht es da eigentlich einen australischen Konzern? Kriegen wir nicht mal das alleine hin? Bei der „Cleverness“ der deutschen Industriepolitik würde ich mich nicht wundern, wenn wir auch dieses Projekt noch gründlich versemmeln…

Martin:

Die „Lithium-Löcher“, die da gegraben werden, sind, da es sich um Förderung von Thermalwasser handelt, bis zu 4 km tief. Die Bohrungsdurchmesser sind dabei dreistellig…in mm!
Da schon aufgrund der schweren Bohrtürme umfangreiche Bodenuntersuchungen stattfinden, sind Blindgänger hierbei ein sehr theoretisches Problem…

bitman:

> wie auch überwiegend überdachte Pedelecs im städtischen und stadtnahen Bereich.

… oder mit Photovoltaik überbaute Radwege. Dann müssen die Pedelecs nicht so schwer werden.

bitman:

… und wieviele Bombem-Blindgänger da wohl noch liegen werden? Genauso, wie in der Ostsee rund um die Pipelines von Northstream 1+2.

Braunkohle-Löcher sind also passé, buddeln wir demnächst Lithium-Löcher im Oberrheingraben?

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