Forscher: „Brennstoffzelle ökologisch sehr sinnvoll“

Forscher: „Brennstoffzelle ökologisch sehr sinnvoll“
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Beinahe schon so hitzig wie das Wetter wird momentan die Debatte geführt, welcher nachhaltige Antrieb der richtige ist für die Elektromobilität. Die Geister scheiden sich zwischen rein elektrischen Batteriefahrzeugen und E-Autos mit Brennstoffzelle und Wasserstoff als Energielieferant. Brennstoffzellen-Forscher Detlef Stolten, Leiter des Instituts für Elektrochemische Verfahrenstechnik im Forschungszentrum Jülich und Inhaber des Lehrstuhls für Brennstoffzellen an der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen, sagte in einem Interview, dass an der Brennstoffzelle kein Weg vorbei führe.

Die Brennstoffzelle hat einen sehr hohen Wirkungsgrad, gerade im Transportbereich. Sie erlaubt eine Speicherung von Energie, die einen über mehrere hundert Kilometer transportiert“, so Stolten zu Beginn des Interviews. Wasserstoff werde im Rahmen der Energiewende ohnehin gebraucht, um den schwankend erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien zwischenspeichern zu können. Denn „Überschuss-Strom“ lasse sich „aus Kostengründen langfristig nicht in Batterien speichern, aber in Gasen“, so der Wissenschaftler.

Wir werden Wasserstoff haben, der über Pipelines, zum Teil umgerüstete Erdagsleitungen, verteilt werden kann“, so Stolten über die Vorteile von Wasserstoff als Energieträger. „Damit könnte man Wasserstoff dann über große Strecken sehr einfach transportieren und eine flächendeckende Wasserstoff-Wirtschaft aufbauen.

„Da kommt man immer stärker an die Wirtschaftlichkeit heran“

Momentan allerdings sind Brennstoffzellenautos noch sehr teuer, Toyota Mirai und Hyundai Nexo bewegen sich im Bereich um 65.000 Euro. Stolten rechnet damit, „dass in den nächsten zehn Jahren Brennstoffzellen aus der Massenproduktion für Pkw wirtschaftlich sein werden“. Die Produktion von Pkw werde bei „Produktionszahlen von ungefähr 100.000 Stück pro Jahr“ wirtschaftlich und gut umsetzbar. Hyundai will nach 9000 Nexo im Jahr 2018 in diesem Jahr 50.000 Stück seines Brennstoffzellenautos bauen. „Da kommt man immer stärker an die Wirtschaftlichkeit heran“, sagt Stolten.

Deutschland sei aber, wie auch bei der Entwicklung von Batterien, bei der Brennstoffzelle „bereits technologisch gegenüber den Japanern und Koreanern ins Hintertreffen geraten“, merkt Stolten an. „Ob man einen Zug verpasst hat“, könne man aber nur im Nachhinein sagen. Es seien jedenfalls „große Anstrengungen“ notwendig, „um das wieder aufzuholen, was wir mal hatten. Deutschland war einmal mit Daimler im Bereich der Brennstoffzelle weltweit führend.

Ganz wichtig“ wäre nun, dass „Busse mit Brennstoffzellen in den Markt gebracht werden“. Dafür gebe es hohe Nachfrage, „die Betreiber finden aber keine deutschen Hersteller. Es gibt Brennstoffzellen-Busse von Solaris aus Polen und van Hool aus Belgien, die auch beide gut funktionieren“, aber nur in „überschaubaren Stückzahlen“ gefertigt werden. Er werde „immer wieder gefragt, ob man so etwas schon kaufen kann und ob das sinnvoll ist.“

Quelle: DW – „Die Brennstoffzelle ist nicht abgemeldet“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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