Audi mit Verbrennern im Minus, mit E-Autos im Plus

Audi mit Verbrennern im Minus, mit E-Autos im Plus
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Audi

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Für den Audi Konzern ist 2024 ein anspruchsvolles Jahr“, leitet der Autohersteller seine Mitteilung zu den aktuellen Geschäftszahlen des ersten Quartals 2024 ein. Das herausfordernde Marktumfeld und Lieferengpässe, vor allem bei V6- und V8-Motoren, haben sich demnach insbesondere im ersten Quartal des Jahres auf das Operative Ergebnis ausgewirkt. Zudem habe das Unternehmen zahlreiche Produktanläufe zu stemmen.

In den ersten drei Monaten des Jahres lieferte die Markengruppe Progressive um Audi, Bentley und Lamborghini 402.048 Automobile aus, ein Rückgang um 4,7 Prozent. Die Nachfrage nach vollelektrischen Modellen legte indes um 3 Prozent auf knapp 36.000 Einheiten zu. Ein deutliches Plus von 13,7 Prozent verzeichnete Audi in China mit 156.082 ausgelieferten Modellen. Die Umsatzerlöse verringerten sich im ersten Quartal um gut 19 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro, das Operative Ergebnis betrug 466 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es noch 1,8 Milliarden Euro. Die Operative Umsatzrendite lag bei 3,4 Prozent, im Vergleich zu 10,8 Prozent im Vorjahr.

Wie erwartet wird 2024 für uns ein Jahr des Übergangs“, sagt Finanzvorstand Jürgen Rittersberger. „Dies zeigt sich insbesondere im ersten Quartal, das unter anderem durch eine angespannte Versorgungslage geprägt war“. Eine Modellinitiative, wie Audi sie gerade startet, sei zudem am Anfang immer mit hohen Vorleistungen verbunden. „Wir verfolgen jedoch einen klaren Plan und haben mit unserem Performance Program 14 zahlreiche Maßnahmen implementiert, die im weiteren Verlauf des Jahres wirksam werden und dazu beitragen, dass wir unsere finanziellen Ziele für dieses Jahr erreichen.“

Teil des Performance Program 14 ist demnach die Stärkung der Baureihenorganisation, die Optimierung des weltweiten Fertigungsverbunds sowie die Erhöhung der Flexibilität in der Produktion. Audi will Komplexität verringern, ohne an Qualität und kundenrelevanten Eigenschaften zu sparen.

Mit unserer Produktoffensive nehmen wir weiter Fahrt auf“, sagt Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender von Audi. „Nach der Weltpremiere des Audi Q6 e-tron und dem gerade in Peking vorgestellten Audi Q6L e-tron, der speziell für den chinesischen Markt entwickelt wurde, folgt mit dem A6 e-tron in diesem Sommer das nächste vollelektrische Modell“. Mit der neuen Generation des A5 und Q5 kommen in der zweiten Jahreshälfte zudem die ersten Modelle auf der Premium-Verbrennerplattform PPC.

Nur Europa schwächelt bei E-Autos

In Europa lieferte die Marke Audi im ersten Quartal 162.432 Fahrzeuge aus (Q1 2023: 181.001). Der Rückgang um rund 10 Prozent sei insbesondere auf die intensive Wettbewerbssituation in Europa, die schwierige Versorgungssituation sowie einen Streik in Mexiko zurückzuführen – im mittelamerikanischen Audi Werk wird der Audi Q5 auch für den europäischen Markt produziert. Die Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge liegen in Europa rund 9 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. In Deutschland macht sich demnach eine Kaufzurückhaltung nach dem Wegfall des Umweltbonus bemerkbar. Nach einem starken Jahresende 2023 entwickelten sich die Auslieferungen in Deutschland im ersten Quartal mit 46.237 Fahrzeugen, darunter 5434 vollelektrischen Modellen, rückläufig.

In den USA hingegen konnte die Marke Audi die Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge im ersten Quartal deutlich um rund 29 Prozent auf 5714 Modelle anheben. In Summe aber gingen die Auslieferungen auch aufgrund des Streiks in Mexiko auf 44.226 Fahrzeuge zurück. Audi will in den USA die Profitabilität sowie den Anteil der ausgelieferten Elektroautos weiter steigern.

In China verzeichnete die Marke Audi einen Anstieg bei den Auslieferungen im ersten Quartal. 155.330 (Q1 2023: 136.416) ausgelieferte Fahrzeuge bedeuten ein Plus von rund 14 Prozent. Die Nachfrage nach vollelektrischen Modellen stieg in China besonders deutlich an: Audi lieferte dort 4970 Elektroautos aus, ein Zuwachs von rund 54 Prozent. Nächster Meilenstein in China ist der neue Audi Q6L e-tron, der mit seinem verlängerten Radstand, größerer Reichweite und markanten Designdetails spezifisch auf den chinesischen Markt zugeschnitten ist. Darüber hinaus ist der Q6L e-tron das erste Modell auf der neuen Premium Platform Electric (PPE), das im neuen Werk in Changchun lokal in China für China produziert wird.

Trotz der Herausforderungen in den ersten drei Monaten des Jahres bestätigt der Audi Konzern seine finanziellen Ziele für 2024. Das Unternehmen geht von einer Verbesserung der finanziellen Performance im Laufe des Jahres aus – insbesondere aufgrund der sukzessiv höheren Verfügbarkeit von Modellen mit V6- und V8-Aggregaten. Zusätzlich erwartet das Unternehmen positive Effekte aus den Markteinführungen weiterer Modelle im zweiten Halbjahr. Mit mehr als 20 neuen Modellen verjünge und stärke Audi sein Modellportfolio in den nächsten beiden Jahren. Für die Ingolstädter bleibt zu hoffen, dass diese Strategie bald Früchte trägt.

Quelle: Audi – Pressemitteilung vom 03.05.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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