Erneuerbare Energiequellen erzeugen in Großbritannien mehr Strom als fossile Brennstoffe

Erneuerbare Energiequellen erzeugen in Großbritannien mehr Strom als fossile Brennstoffe
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Im dritten Quartal 2019 konnte Großbritannien erstmalig verzeichnen, dass mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wurde, als aus fossilen Brennstoffen. Sprich, Windparks, Solar-, Biomasse- und Wasserkraftwerke haben England mit mehr Strom versorgt, als er aus Kohle, Öl und Gas gewonnen wurde. So das Ergebnis eines neuen Berichts des Carbon Brief.

Aus diesem geht hervor, dass in den drei Monaten Juli, August und September erneuerbare Energien schätzungsweise 29,5 Terawattstunden (TWh) erzeugt haben, verglichen mit nur 29,1 TWh aus fossilen Brennstoffen, wie die Analyse aufzeigt. Dies ist das erste Quartal, in dem die erneuerbaren Energien die fossilen Brennstoffe übertreffen konnten, seit 1882 das erste öffentliche Stromerzeugungswerk Großbritanniens eröffnet wurde. Es ist ein weiterer symbolischer Meilenstein in der atemberaubenden Transformation des britischen Stromsystems in den letzten zehn Jahren.

Grüne Energie in Großbritannien hat sich seit 2010 mehr als vervierfacht, und die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen hat sich in den letzten 12 Monaten von 288TWh auf 142TWh halbiert. Gas ist heute für den Großteil des Ausstoßes fossiler Brennstoffe verantwortlich.

Dennoch wurde am 7. Oktober der Bau von vier neuen Gasturbinen im Drax-Kraftwerk in der Nähe von Selby in North Yorkshire von der britischen Regierung genehmigt. Trotz dem warnenden Hinweis der eigenen Planungsinspektion, wonach mehr erzeugter Strom aus Gas zum Klimawandel beitragen würde, obwohl dieser Strom aus Kohle ersetzt. Drax produziert 7% des britischen Stroms.

Carbon Brief behauptet jedoch, dass „es unwahrscheinlich ist, dass alle geplanten neuen Gaskapazitäten gebaut werden“. Weiterhin ist zu beachten, dass Biomasse nicht kohlenstofffrei ist. Ab dem dritten Quartal stellt sich die ungefähre Aufteilung der britischen Stromquellen wie folgt dar, von der höchsten bis zur niedrigsten:

  • Gas: 38%
  • Wind: 20%
  • Nuklear: 19%
  • Biomasse: 12%
  • Sonneneinstrahlung: 6%
  • Kohle und Öl: 1%

Die Eröffnung neuer Offshore-Windparks war der Hauptgrund für den Anstieg der grünen Energie in Großbritannien. Hier ist laut dem Bericht mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Insgesamt werden die staatlichen Aufträge für Offshore-Windenergie die Kapazität von heute fast 8.500 MW auf rund 20.000 MW bis Mitte der 2020er Jahre erhöhen. Regierung und Industrie streben gemeinsam bis 2030 mindestens 30.000 MW Offshore-Windkapazität an, zwei weitere Vertragsauktionen sind bereits geplant.

Die Analyse von Carbon Brief wurde anhand der veröffentlichten Zahlen des Department of Business, Energy, and Industrial Strategy überprüft und bestätigt.

Großbritannien geht mit gutem Beispiel voran und reagiert frühzeitig auf die steigende globale Strom-Nachfrage. Diese soll im Jahr 2040 um mindestens ein Viertel, wenn nicht die Hälfte, höher liegen als heute.  Deutschland wartete zum Ende des ersten Halbjahres 2019 ebenfalls mit überzeugenden Zahlen auf. Um genau zu sein, lag der Anteil von Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen an der Deckung des Stromverbrauchs in Deutschland erstmals bei 44 Prozent. Ende 2018 lag er ziemlich genau bei 40 %.

Quelle: electrek.co – Green energy generates more electricity than fossil fuels for first time in the UK

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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