„Wahrscheinlich fahren in 25 Jahren fast alle Autos in Deutschland elektrisch“

„Wahrscheinlich fahren in 25 Jahren fast alle Autos in Deutschland elektrisch“

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Christian Hochfeld leitet seit etwas mehr als fünf Jahren den ThinkTank Agora Verkehrswende. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärte er, wie sich unsere Mobilität in den kommenden Jahren verändern dürfte. Und diese Veränderungen werden laut Hochfeld „radikal“ werden müssen, damit der Verkehrssektor seine Klimaschutzziele erreichen kann: Die CO2-Emissionen müssen in diesem Bereich bis zum Jahr 2030 um gut die Hälfte sinken.

Wir alle werden sehr viel ändern müssen“, sagt Hochfeld, damit dieses Ziel erreicht werden kann. Zwei Dinge müssen seiner Meinung nach möglichst schnell umgesetzt werden: „Wir brauchen sehr viel mehr Elektroautos als heute. Und wir müssen Verkehr vermeiden, bündeln und verlagern“, so der Direktor der Agora Verkehrswende. Daran führe kein Weg vorbei, und die Maßnahmen werden „radikal“ ausfallen müssen, so Hochfeld, da die Politik das Thema nachhaltiger Verkehr bislang auf die lange Bank geschoben hat.

Für die Gesellschaft sei aufgrund der politischen Versäumnisse der vergangenen Jahre „eine sehr schwierige Lage entstanden“. Denn die neue Regierung, die Ende September gewählt wird, werde „unangenehme Maßnahmen“ einführen müssen, „wenn sie den Klimaschutz ernst nimmt“. Hochfeld bringt das Dilemma auf den Punkt: „Es wird den Anschein haben, als greife sie in den Giftschrank, dabei bügelt sie nur die Untätigkeit der bisherigen Regierung aus.“

„Klimaschädlicher Verkehr wird teurer. Anders wird es nicht gehen“

Klimaschädlicher Verkehr wird teurer. Anders wird es nicht gehen, da ist sich die Wissenschaft einig“, sagt Hochfeld. „Das wissen auch alle Parteien“, erklärt er, aber kaum jemand wage es, diese unangenehme Wahrheit auch auszusprechen. Diese „unehrliche Politik“ ärgere ihn: „Denn ohne höhere Preise bekommt keine Regierung eine Lösung hin, die das Bundesverfassungsgericht aber einfordert.“ Auch Verkehrsminister Andreas Scheuer habe „an dieser Misere seinen Anteil“, da das Verkehrsministerium zwar Klimaprogramme aufgelegt habe, die aber „nur die Hälfte des Nötigen bringen. Man kann es nicht anders sagen: Es hat sich die Rosinen herausgepickt und Milliarden in Fördermaßnahmen gesteckt“.

Hochfeld fordert, un diese Versäumnisse aufzuholen, ein Sofortprogramm, welches „quasi als erste Hilfe“ für weniger CO2 im Verkehrssektor aufgelegt sein sollte. Für Pkw schlägt er drei Maßnahmen vor: „Benzin muss teurer werden. Dienstwagen sollten nur noch Steuererleichterungen bekommen, wenn sie vor allem elektrisch fahren. Und bei der Kfz-Steuer müssen wir E-Autos entlasten, Spritschlucker belasten“. Im Anschluss brauche es „aber endlich mal ein Gesamtkonzept“.

„Auf den wichtigsten Exportmärkten haben Verbrenner bald keine Chance mehr“

Viele Hersteller wie etwa VW und Audi sowie Mercedes, die den Abschied vom Verbrenner bereits angekündigt haben, seien „inzwischen weiter als die Politik“. Auch das sei „ein Zeugnis für das Regierungsversagen in den vergangenen Jahren.“ Der Wandel aber werde kommen, so oder so, sagt Hochfeld, und warnt davor, diese Veränderung als Gefahr zu sehen. „Dabei unterschätzen wir die Gefahren, wenn wir nichts ändern“, gibt er zu bedenken: „China, die USA, Kanada, Südkorea, Japan, die Europäische Kommission – alle schärfen ihre Klimaziele nach. Das heißt: Auf den wichtigsten Exportmärkten haben Verbrenner bald keine Chance mehr.“ Und wer in der Autoindustrie „bei diesem Wandel nicht mit vorne dabei ist, bekommt ein gewaltiges Problem, größer als das dieser schwierigen Transformation.“

Zwar gebe es auch bei Elektroautos berechtigte Umweltbedenken: „Aber die lassen sich ausräumen“, und außerdem müsse man „fair“ vergleichen: „Wie viele Tankerunglücke gibt es, wie viele Erdölförderstellen sind ökologisch desaströs? Wie viel Öl wird von Despoten verkauft? Wo ich auch hinhöre, scheint aber die Batterie unser größtes Umweltproblem zu sein. Das ist schon schräg“, so Hochfeld in der SZ.

Die aktuell einzig vernünftige Lösung seien Elektroautos, so der Leiter der Agora Verkehrswende. Und damit diese nutzerfreundlicher werden, müsse die Ladeinfrastruktur so schnell wie möglich besser ausgebaut werden. Denn es sei „sehr wahrscheinlich, dass in 25 Jahren fast alle Autos in Deutschland elektrisch fahren“. Und es sei nicht wirtschaftlich und praktikabel, „bis dahin den Straßenrand in Städten mit Hunderttausenden langsamen Ladesäulen zupflastern“. Hochfeld findet, am meisten Potenzial in den Städten habe „eher das Tankstellenprinzip mit Schnellladehubs – neben dem Laden in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz“. Dann sei eine verbraucherfreundliche Ladeinfrastruktur „sicher machbar“.

„Jeder soll seine Mobilität ausleben, wie er mag“

Zur Verkehrswende gehöre auch, dass der öffentliche Raum neu verteilt wird, so Hochfeld weiter. „Autos werden künftig nur noch weniger Platz beanspruchen können“, sagt er. „Sie stehen 23 von 24 Stunden in Städten herum“, was „keine sinnvolle Nutzung von öffentlichen Flächen“ sei. Auch Tempo 30 könnte die Lebensqualität in Städten deutlich erhöhen. Hochfeld geht davon aus, dass „ein Wettbewerb um neue Mobilitätskonzepte und besseres Stadtleben entstehen wird – sicher mit weniger Autos.“

Freiheit und Spaß“ sollen dabei aber nicht eingeschränkt werden, sagt Hochfeld: „Jeder soll seine Mobilität ausleben, wie er mag. Wir schreiben ja auch nicht die Wohnungsgröße vor. Wenn jemand cruisen möchte, dann sei ihm das genauso erlaubt, wie mit Freunden zu kochen oder Filme zu schauen“, so der Leiter der Agora Verkehrswende. Er solle aber „einen fairen Preis dafür zahlen. Am Ende betreiben wir doch Klimaschutz, um uns und den kommenden Generationen Freiheit und damit auch Mobilität zu sichern. Ohne die Verkehrswende werden wir beides verlieren.

Quelle: Süddeutsche Zeitung – Auto-Debatte: „Benzin muss teurer werden“

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Da kann man sicher sein. Ein Elektroauto ist gnadenlos günstig zu bauen, weil die Kernkomponente, der Akku, immer preiswerter und leistungsfähiger wird. In geringerem Maße gilt das auch für alle anderen Antriebs- und Steuerungskomponenten. Damit werden Elektroautos noch dieses Jahrzehnt sogar billiger als gleichwertige Verbrenner. Vor allem gibt es dann auch preiswerte Gebrauchte, denn der aktuelle Marktführer, der VW e-up, der absolut taugliche Alltagsreichweiten aufweist, dürfte für 4-5t€ zu haben sein.

Für den Rest bei den Unbelehrbaren werden Gerichtsurteile sorgen. Die Abwägung, die heute getroffen wird, heißt ja persönliche Mobilität gegen Inkaufname von Emissionen. Wenn reichlich Alternativen ohne lokale Emissionen zur Verfügung stehen, werden immer mehr lokale Einfahrverbote verhängt werden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass schon 2025 -zum Beispiel in Sylt- niemand mehr mit einem Verbrenner eingelassen wird. Warum sollten sich Urlaubsgäste und Einheimische durch Gestank und Lärm belästigen lassen?

Last edited 1 Jahr zuvor by David

Jeder soll seine Mobilität ausleben, wie er mag“

Nach den der vorausgehenden Abhandlung wirkt dieser Satz wie blanker Hohn.

Jeder kann soviel Yachten besitzen wie er mag“

Muss es sich halt nur leisten können…

Es geht nur über die Brieftasche. Eigenverantwortung oder Vernunft haben noch nie funktioniert. Leider schwafelt die Politik immer diesen Nonsens, wenn sie einer Lobby nicht zu widersprechen wagt. 25 Jahre ist lächerlich. Den alten Schrott gilt es so schnell wie möglich auszumisten. Verteuern ohne Ende hilft.

Selten ein so sachliches Interview gelesen. Ich schließe mich fast uneingeschränkt an – mit einer Ausnahme. ALLE Autos müssen deutlich teurer im Unterhalt (Steuern) werden. Warum man e-Autos noch weiter steuerlich entlasten soll ist mir nicht ganz klar. Auch wenn es nicht meinen persönlichen Präferenzen entspricht, aber Individualverkehr verschlingt nun mal unglaublich viele Ressourcen. Da muss die Politik ran. Und das geht bekanntlich nur über den Geldbeutel.

105% richtig, was er sagt. Und darum wird aus allen Rohren gegen die E-Mobilität lobbiiert. Diese erzeugt nämlich die Chance, das Verbraucher mit Haus und PV auf dem Dach, zu einem großen Teil von den Energie Konzernen unabhängig werden. Also Strom vom Dach in das E Auto. Und auch den zwei großen Volksparteien wird das nicht gefallen, weil dann (Mineralöl) Steuern wegfallen. Die Energie vom Dach direkt in das BEV lässt sich ja schlecht besteuern. Das wäre so, wie für das Essen der eigenen Äpfel vom eigenen Baum im Garten Mehrwertsteuer zu bezahlen. Es wird hoffentlich endlich eine KM Steuer kommen. Wäre mit den Bordcomputern problemlos machbar. Dann hätten wir auch das Verursacher Prinzip für die Finanzierung der Strassen fair gelöst. Diejenigen die viel fahren, zahlen auch mehr. Das würde auch der Zersiedelung unseres Landes entgegen wirken.

Ich kann nur hoffen, dass die kommende Regierung kräftig auf die Bremse tritt.

1) Keine Prämien für Fahrzeuge, der einen Motor haben, der CO2 und andere Abgase ausstößt.
2) Tempo 120 auf Autobahnen, Tempo 30 in der Stadt und ein günstiges Jahresticket für den ÖPNV.
3) Kfz-Steuer nach Gewicht, denn je schwerer das Fahrzeug desto höher der Straßenverschleiß.

Und was den Zeitplan angeht.

A) Spätestens 2025 Kohle aus, dafür die vorhandenen Atomkraftwerke evtl. bis 2030 laufen lassen.
B) Spätestens 2030 keine Herstellung und keine Importe von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.
C) Solar- und Windstrom sofort von der EEG-Umlage befreien, aber keinen Zertifikat-Pseudo-Ökostrom.

Umweltschutz und „weiter so wie bisher“ geht nicht zusammen, das muss Allen klar sein.

Rund 800.000 Beschäftigte in der Automobilindustrie mal 40.000 Euro Jahreseinkommen wären 32 Mrd. Euro, das ist weniger als allein das Juli-Hochwasser 2021 an Schäden verursacht hat.

Der Klimawandel lässt uns keine Zeit noch länger abzuwarten, die zunehmenden Umweltschäden fressen in Zukunft die Verdienste der Mitarbeiter und die Gewinne der Unternehmen auf – und wenn es die Leute und Firmen bemerken, dann ist es schon zu spät, weil dann auch Null CO2 nicht mehr helfen.

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