Stellantis intensiviert Elektrifizierung deutlich

Stellantis: Regierungen müssen wahre Kosten von E-Autos berücksichtigen

Copyright Abbildung(en): Antonello Marangi / Shutterstock.com

Stellantis, zu Jahresbeginn hervorgegangen aus der Fusion der Automobilkonzerne PSA und Fiat Chrysler Automobiles, hat auf einem EV Day genannten Event seine umfassende Elektrifizierungsstrategie vorgestellt, die laut eigener Aussage „aufregende, in ihrer Klasse führende Fahrzeuge für die ikonischen Marken des Unternehmens“ ermöglichen soll. Dabei nutzt das Unternehmen internes Know-how, Partnerschaften und Joint-Ventures, um fortschrittliche Technologie zu erschwinglichen Preisen zu liefern. Diese Strategie werde es dem Konzern ermöglichen, mittelfristig nachhaltige, zweistellige angepasste operative Margen anzustreben, so Stellantis in einer aktuellen Mitteilung.

„Mit dem Investitionsplan von mehr als 30 Milliarden Euro geht unser Bekenntnis einher, ikonische Fahrzeuge anzubieten, die sich mit Blick auf Performance, Funktionalität, Stil, Komfort und elektrischer Reichweite nahtlos in den Alltag unserer Kunden einfügen. Die vorgestellte Strategie lenkt die richtige Investitionssumme auf die richtige Technologie, um den Markt zur richtigen Zeit zu erreichen und sicherzustellen, dass Stellantis die Freiheit der Mobilität auf die effizienteste, erschwinglichste und nachhaltigste Art und Weise ermöglicht.“ – Carlos Tavares, CEO Stellantis

Stellantis plant, in den kommenden Jahren eine höhere Rentabilität zu erreichen. Unterstützt werde dies durch die Umsetzung der Synergiepotenziale, die sich aus der Gründung von Stellantis ergeben, mit einer Prognose von jährlichen Cash-Synergien von mehr als 5 Milliarden Euro im Steady State, der Roadmap zur Senkung der Batteriekosten und der fortgesetzten Optimierung von Vertriebs- und Produktionskosten sowie der Erschließung neuer Umsatzmöglichkeiten – insbesondere aus vernetzten Dienstleistungen und zukünftigen Software-Geschäftsmodellen.

Damit strebt Stellantis mittelfristig bis etwa 2026 nachhaltige, zweistellige angepasste Margen an, die das Unternehmen zu einem Maßstab für die Rentabilität bei der Bereitstellung von E-Mobilität für Kunden auf globaler Ebene machen sollen.

Stellantis beabsichtigt, Marktführer bei emissionsarmen Fahrzeugen (LEV, Light Electric Vehicles) zu werden. Bis 2030 soll der LEV-Mix von Stellantis für Pkw in Europa stetig auf mehr als 70 Prozent wachsen – 10 Prozentpunkte über den aktuellen Prognosen der Industrie für den Gesamtmarktmix. In den USA wird erwartet, dass der LEV-Mix von Stellantis für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bis 2030 mehr als 40 Prozent betragen wird.

Mehr als 30 Milliarden Euro für Elektrifizierung und Softwareentwicklung

Zur Umsetzung dieser Strategie plant Stellantis, bis 2025 mehr als 30 Milliarden Euro in die Elektrifizierung und Softwareentwicklung zu investieren. Eingeschlossen sind hier Kapitalbeteiligungen an Joint-Ventures zur Finanzierung ihrer Aktivitäten, während das Unternehmen darauf abzielt, weiterhin 30 Prozent effizienter als die Branche zu sein, was die Investitions- und F&E-Ausgaben im Verhältnis zum Umsatz betrifft.

Der Konzern ist weiterhin bestrebt, seine Führungsposition bei Nutzfahrzeugen in Europa auszubauen und seine Position in Nordamerika zu stärken, während er gleichzeitig das Ziel verfolgt, Weltmarktführer bei elektrischen Nutzfahrzeugen zu werden. Durch die Ausschöpfung von Wissen und Synergien soll der Rollout der Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen in den nächsten drei Jahren auf alle Produkte und alle Regionen ausgeweitet werden, einschließlich der Auslieferung von mittelgroßen Transportern mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie bis Ende 2021.

Fünf Batteriefabriken für Europa und die USA

Die Elektrifizierungs-Roadmap von Stellantis erstreckt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette. Die Beschaffungsstrategie des Unternehmens für E-Auto-Batterien zielt darauf ab, bis 2025 Kapazitäten von mehr als 130 Gigawattstunden (GWh) und bis 2030 mehr als 260 GWh zu sichern. Die Nachfrage nach EV-Batterien und -Komponenten soll mit insgesamt fünf „Gigafactories“ in Europa und Nordamerika gedeckt werden, ergänzt durch zusätzliche Lieferverträge und Partnerschaften zur Deckung des Gesamtbedarfs.

Stellantis hat bereits Absichtserklärungen (MOUs) mit zwei Lithium-Geothermie-Sole-Prozess-Partnern in Nordamerika und Europa unterzeichnet, um eine nachhaltige Versorgung mit Lithium zu gewährleisten und es in die Lieferkette zu integrieren, sobald es verfügbar ist. Lithium wurde in Bezug auf die Verfügbarkeit als der kritischste Batterie-Rohstoff identifiziert.

Zusätzlich zu den Beschaffungsstrategien werden das technische Know-how von Stellantis und Synergien in der Fertigung die Kosten für Batterien reduzieren, teilt der Konzern mit. Die Kosten für Batterie-Packs von Elektrofahrzeugen sollen von 2020 bis 2024 um mehr als 40 Prozent und bis 2030 um weitere 20 Prozent gesenkt werden. Alle Aspekte des Batterie-Packs spielen eine Rolle bei der Kostensenkung: Optimierung des Gesamtpacks, Vereinfachung des Formats der Module, Vergrößerung der Batteriezellen und Verbesserung der Batteriechemie.

Das Unternehmen beabsichtigt zudem, den vollen Wert des Lebenszyklus von Batterien durch Reparatur, Wiederaufbereitung, Second-Life-Nutzung und Recycling zu maximieren sowie ein nachhaltiges System aufzubauen, das Kundenbedürfnisse und Umweltbelange in den Vordergrund stellt.

Kein „One Size Fits All“-Einheitsplan

Erschwinglichkeit sei für Stellantis eine Priorität. Das Unternehmen strebe an, die Gesamtbetriebskosten für Elektroautos bis 2026 denen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor anzugleichen. Die Elektrifizierung ist bei Stellantis kein „One Size Fits All“-Einheitsplan. Jede einzelne der 14 ikonischen Marken des Unternehmens sei bestrebt, erstklassige, vollständig elektrifizierte Lösungen anzubieten und dies so umzusetzen, dass die DNA der jeweiligen Marke gestärkt wird. Stellantis stellt folgende Aussagen vor, die den jeweiligen Elektrifizierungsansatz der Marke zum Ausdruck bringen sollen:

  • Abarth – „Heating Up People, But Not the Planet”
  • Alfa Romeo – „From 2024, Alfa Becomes Alfa e-Romeo”
  • Chrysler – „Clean Technology for a New Generation of Families”
  • Citroën – „Citroën Electric: Well-Being for All!”
  • Dodge – „Tear up the streets… But Not the Planet”
  • DS Automobiles – „The Art of Travel, Magnified”
  • Fiat – „It’s Only Green When It’s Green for All”
  • Jeep – „Zero Emission Freedom”
  • Lancia – „The Most Elegant Way to Protect the Planet”
  • Maserati – „The Best in Performance Luxury, Electrified”
  • Opel/Vauxhall – „Green is the New Cool”
  • Peugeot – „Turning Sustainable Mobility into Quality Time”
  • Ram – „Built to Serve a Sustainable Planet”
  • Commercial Vehicles – „The Global Leader in e-Commercial Vehicles”

Reichweite und schnelles Laden sieht Stellantis dabei als den Schlüssel für eine breite Verbraucherakzeptanz von reinen Elektroautos. Stellantis stellt sich dieser Herausforderung mit E-Autos, die Reichweiten von 500 bis 800 km und eine Best-of-Class-Schnellladefähigkeit von bis zu 32 km pro Minute liefern sollen.

Stellantis will eine breite Palette von Lösungen für Privat-, Geschäfts- und Flottenkunden zur Vereinfachung der „Ownership Journey“ anbieten. Hierzu zählen die Bereitstellung von intelligenten Ladeangeboten aus grünen Energiequellen für den Alltag, die Nutzung bestehender Partnerschaften zum Ausbau von Lademöglichkeiten und die Beschleunigung der Smart-Grid-Nutzung.

Das Unternehmen beabsichtigt, die unterschiedlichen Anforderungen seiner Kunden zu erfüllen, indem es den Ausbau von Schnellladenetzwerken in ganz Europa unterstützt, was durch eine zwischen Free2Move eSolutions und Engie EPS unterzeichnete Absichtserklärung ermöglicht werde. Angestrebt wird, das Geschäftsmodell von Free2Move eSolutions für den nordamerikanischen Markt zu übertragen.

Vier E-Auto-Plattformen als Rückgrat der Elektrifizierung

Gleich vier E-Auto-zentrierte Plattformen sollen das Rückgrat der elektrifizierten Fahrzeuge der Stellantis-Marken bilden. Die Plattformen seien mit einem hohen Maß an Flexibilität (Länge und Breite) und unter gemeinsamer Nutzung von Komponenten konzipiert worden und sollen Größenvorteile bieten, da jede einzelne von ihnen die Produktion von bis zu zwei Millionen Einheiten pro Jahr unterstützen könne.

  • STLA Small, mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern
  • STLA Medium, mit einer Reichweite von bis zu 700 Kilometern
  • STLA Large, mit einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern
  • STLA Frame, mit einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern

Der Antrieb umfasst eine Familie von drei elektrischen Antriebsmodulen (EDM), die Motor, Getriebe und Inverter kombinieren. Diese EDMs sind kompakt, flexibel und lassen sich leicht skalieren. Die EDMs können für Front-, Heck- und Allradantrieb konfiguriert werden. Die Kombination von Plattformen, EDMs und Batteriepaketen mit hoher Energiedichte soll Stellantis zufolge Fahrzeuge mit klassenbester Leistung in Bezug auf Effizienz, Reichweite und Ladung liefern.

Ein Programm von Hardware-Upgrades und Over-the-Air-Software-Updates werde die Lebensdauer der Plattformen bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein verlängern, so der Hersteller weiter. Stellantis werde Software und Steuerungen betriebsintern entwickeln, um die einzigartigen Eigenschaften jeder Marke zu erhalten.

Festkörperbatterie ab 2026

Die Batterie-Packs sollen für eine Vielzahl von Fahrzeugen maßgeschneidert werden – von kleineren Stadtautos bis hin zu energiedichten Packs für Hochleistungsfahrzeuge und Trucks. Bis 2024 ist der Einsatz von zwei Batteriechemien geplant, um verschiedene Kundenanforderungen zu unterstützen: eine Option mit hoher Energiedichte und eine kobaltfreie Nickel-Alternative. Bis 2026 soll die erste wettbewerbsfähige Festkörperbatterie-Technologie eingeführt werden.

Stellantis hat derzeit mehrere Joint-Ventures bei Schlüsseltechnologien bzw. schließt diese gerade ab. Sie reichen von E-Antriebsstrang und E-Übertragung über Batteriezellenchemie und -produktion bis hin zu digitalem Cockpit und maßgeschneiderten vernetzten Diensten. Diese Partnerschaften bieten Stellantis die Möglichkeit, nicht nur die internen Kompetenzen, sondern auch die Expertise der Partner zu nutzen, um neue Technologien und Lösungen schneller auf den Markt zu bringen und gleichzeitig die Kapitalallokation zu optimieren, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit von Stellantis auf dem Markt weiter verbessert wird.

„Unsere Elektrifizierungs-Reise ist möglicherweise der wichtigste Grundstein, den wir legen müssen, um ­– nur sechs Monate nach der Entstehung des Unternehmens – mit der Enthüllung der Zukunft von Stellantis zu beginnen. Heute befindet sich das gesamte Unternehmen im vollen Umsetzungsmodus, um die Erwartungen aller Kunden zu übertreffen. So beschleunigen wir unsere Rolle bei der Neudefinition der Art und Weise, wie sich die Welt fortbewegt. Wir haben die Größe, die Fähigkeiten, den Willen und die Nachhaltigkeit, um zweistellige angepasste operative Margen zu erzielen, die Branche mit Benchmark-Effizienz anzuführen und elektrifizierte Fahrzeuge zu liefern, die Leidenschaft entfachen.“ – Carlos Tavares, CEO Stellantis

Quelle: Stellantis – Pressemitteilung vom 09.07.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Stellantis – eine etwas unglückliche Namenswahl.

Stellar und Atlantis – die Sterne betreffend und eine untergegangene Stadt = sinkender Stern?

Die Begeisterung für Stellantis und ihre Pressemitteilungen hält sich bei mir in engen Grenzen.

Und wen interessiert das ?.Besser solche Kommentare lassen ..
Spart ungemein CO2

Marketing – As­so­zi­a­ti­on (Gedankenverknüpfung) – ist der Groschen jetzt gefallen?

„… Die Begeisterung für Stellantis und ihre Pressemitteilungen hält sich bei mir in engen Grenzen.“

Ja, dann ist es Dir sicher auch ein Leichtes 🙂 Sachkritik an den Aussagen/Wertungen der Texte zu üben … im vorliegenden Fall doch eher ein Text als Beruhigungspille für Anleger gedacht, die (an mehren Stellen) mit Keyword-Dropping (wie Global Leader, Benchmark-Effizienz, klassenbeste Leistung, Feststoffakku, u.ä.) und mehrfach mit Ausssichten auf zweistellige Renditen beruhigt werden sollen …

Wenn ich schon die 14 aufgeführten „Labels“ sehe, wäre ich als Anleger ja vollends beunruhigt 😛

Last edited 3 Monate zuvor by Wolfbrecht Gösebert

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