VW Händler verlieren mit jedem ID.4-Verkauf bares Geld gegenüber Verbrenner

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Es ist ein Teil meiner täglichen Arbeit, die deutsche Automobilindustrie zu analysieren und zu versuchen zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Wie auch im privaten Leben gibt es immer verschiedene Grautöne aber wenn man die Farben sorgfältig trennt, bleibt letztendlich nur Schwarz und Weiß übrig.

Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass es eine große Lücke gibt zwischen dem, was Manager der Automobilindustrie in der Öffentlichkeit bestätigen und dem, was sie intern sagen und tun. Das ist vielleicht nicht überraschend sollte es aber sein. Den Unterschied zwischen diesen beiden herauszufinden, ist in der Regel eine Arbeit, die es erfordert, ‚zwischen den Zeilen lesen’ zu lernen und ‚jeden Stein umzudrehen’. Wenn das gelingt eröffnet sich eine neue Perspektive. Als hypersensibler Mensch und einem den Experten einen Asperger nennen, habe ich glücklicherweise einige wertvolle Fähigkeiten, die mir dabei helfen, Körner der Wahrheit zu finden, wo andere hilflos sind.

Heute brauche ich meine ‚geheimen Superkräfte‘ aber nicht einzusetzen, denn ich habe ein vertrauliches Volkswagen-Dokument erhalten (Einen besonderen Dank an Antoine), dass nur für den internen Gebrauch bestimmt ist. Es gibt uns lehrreiche Einblicke, wie das Volkswagen-Management die Händler für jeden verkauften ID.4 kompensiert. Das vertraulich eingestufte Dokument, das auf meinem Schreibtisch liegt, wurde an französische Händler geschickt und ermöglicht es mir, Fehlinformationen zu beweisen, die einige von Ihnen vielleicht sogar als Lügen von Volkswagen bezeichnen würden. Es ermöglicht mir weiterhin festzustellen, dass die Behauptungen, die Greenpeace kürzlich über VW aufgestellt hat, richtig sind.

Alexander Voigt

Greenpeace hat eine Volkswagen Studie veröffentlicht, die zu folgenden Ergebnissen kommt:

Greenpeace behauptet, mit Händlern gesprochen zu haben, die eine ID.3-Verkaufsmarge von 6% mitteilten was etwa 8% niedriger ist als die durchschnittliche Marge von 14% für den Verkauf eines Verbrenners. Wenn diese Information korrekt ist, sollte es nicht überraschen, dass von den 25 befragten Händlern der Studie in Deutschland 17 den Kauf eines Verbrenners empfohlen haben aber nur ein Händler den ID.3. Das Verhältnis von 25:1 steht in krassem Gegensatz zu dem, was VW offiziell behauptet, nämlich den Verkauf von Elektroautos zu forcieren und den Übergang zum nachhaltigen Transport zu beschleunigen.

Das neu für die ID eingeführte VW-Händler-Agenturmodell sieht eine feste Provision oder Basismarge für den Händler vor. Im Vergleich zu Verbrenner-Fahrzeugen müssen Händler die Fahrzeuge nicht mehr im Voraus kaufen und finanzieren, was die Kosten reduziert. Dies macht den Händler zu einem Agenten für VW und eliminiert die Finanzierungskosten, aber auch die Flexibilität, da die Preise eines ID.3 oder ID.4 fixiert sind und die Händler keine Rabatte geben können, um den Verkauf dadurch zu fördern. Hinzu kommt, dass Elektroautos einen deutlich geringeren Wartungs- und Servicebedarf haben, was den Verkauf eines ID für einen Händler ebenfalls weniger attraktiv macht. Zusätzlich zur Provision erhalten die Händler einen Bonus, wenn sie eine bestimmte Anzahl von Fahrzeugen verkaufen. Dieser Bonus entfällt bei Elektroautos ersatzlos.

Konfrontiert mit den Ergebnissen der Greenpeace-Studie, in der 56 unbezahlte Greenpeace-Mitarbeiter mit 50 von 865 Händlern, die den ID.3 in Deutschland verkaufen, sprachen, lehnte VW zunächst eine Stellungnahme ab, gab aber kurz darauf gegenüber 24auto.de folgendes Statement ab:

"Der ID.3-Verkauf wird in diesem Programm sogar überproportional gefördert. In diesem Zusammenhang bitten wir um Verständnis, dass wir aus Wettbewerbsgründen keine internen Zahlen zur Frage der Händlermargen nennen können."

Volkswagen AG

Das mir vorliegende vertrauliche Volkswagen-Dokument belegt eine Basismarge von nur 4,5% und 0% Bonus für den ID.4 und macht ihn dadurch für jeden Händler, im Vergleich zu einem Verbrenner oder Hybrid im Verkauf unattraktiv. Im Bereich Service und Instandhaltung ist er es sowieso schon.

Verglichen mit der durchschnittlichen Basismarge eines Verbrenners von 14% bedeutet jeder verkaufte ID.4 einen Einkommensverlust von mindestens 9,5% für den Händler. Berücksichtigt man den Schwellenwertbonus, den ein Verbrenner erhalten kann, beträgt die Differenz schnell mehr als 10%. Rechnet man die zukünftigen Wartungs- und Servicekosten für einen verkauften Verbrenner hinzu, erhöht sich der Einkommensverlust weiter. Die nicht notwendigen Finanzierungskosten in einer Zeit der Negativzinsen bieten stattdessen keinen nennenswerten Vorteil.

Ein Einkommensverlust von 10% für ein Fahrzeug ist eine Menge Geld für einen Händler, der einen ID.4 verkauft hat, aber stattdessen auch einen Verbrenner oder Hybrid hätte verkaufen können. Auch wenn sich die Zahlen je nach Land leicht unterscheiden mögen, bleiben die Gesamtaussage und das Ergebnis dasselbe.

Wenn wir das Volkswagen Dokument mit den Behauptungen und Ergebnissen der Greenpeace-Studie vergleichen, können wir die Schlussfolgerung ziehen, dass die Aussagen von Volkswagen schlichtweg falsch sind und manche mögen sie sogar als Lüge bezeichnen.

Die Aussage von Volkswagen, der „ID.3-Verkauf wird in diesem Programm sogar überproportional gefördert“, ist für den ID.4 definitiv nicht zutreffend und die Annahme liegt nahe, dass sie auch für den ID.3 falsch ist. Beide Modelle unterscheiden sich nicht wesentlich und werden sich deshalb auch nicht wesentlich in der Händlermarge unterscheiden. Für den ID.4 in Frankreich beträgt die Händlermarge definitiv 4,5% ohne Bonus und die von Greenpeace veröffentlichten 6% Marge ohne Bonus für den ID.3 erscheinen in diesem Zusammenhang sehr realistisch.

Die schlechte Nachricht ist noch nicht einmal, dass die Händler einen Malus bekommen, wenn sie einen ID anstelle eines Verbrenners verkaufen, die schlechte Nachricht ist, dass VW sich nicht geändert hat und die Öffentlichkeit weiter belügt. Volkswagen verkauft nicht jeden Elektrowagen den sie verkaufen könnten, sondern versucht offensichtlich den optimalen Fahrzeugmix zu finden, um den höchstmöglichen Gewinn zu erzielen. Trotz Strafzahlungen von mehreren hundert Millionen Euro in 2020 aufgrund nicht erreichter CO2 Flottenwerte stehen diesen Kosten die höheren Gewinnen beim Verkauf von Verbrennern gegenüber. Der Klimawandel und CO2-Ausstoß ist dabei für das Management nicht von Bedeutung.

Volkswagen hat in der Vergangenheit auf kriminelle Art und Weise mit ausgeklügelten Täuschungsmanövern die Öffentlichkeit über die wahren Emissionen ihrer Fahrzeuge belogen und seine Kunden dabei um Milliarden betrogen. Der Nebeneffekt war und ist eine Beschleunigung des Klimawandels. Der finanzielle und rufschädigende Schaden war dabei groß, aber mit dem Antritt des neuen Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess erklärte man, das Unternehmen habe sich nun geändert.

In den letzten 5 Jahren wiederholte Volkswagen durch seine Marketing- , Public Relations-Abteilung und auch durch das Management immer wieder, dass das Unternehmen den Wandel zum nachhaltigem Klimaschutz betreibt und beschleunigt.

"Die Wahrheit ist, dass Volkswagens Priorität Nr. 1 der nachhaltige Gewinn ist. Wenn es wirklich darum ginge, den Übergang zu nachhaltigem Transport zu beschleunigen, würde Volkswagen die Händler kompensieren, so viele ID.3 und ID.4 wie möglich zu verkaufen, aber sie motivieren die Händler stattdessen Verbrenner und Hybride zu priorisieren."

Alexander Voigt

Wir müssen erkennen, dass Volkswagen seine Kunden und die Öffentlichkeit wie in der Vergangenheit belügt und den Profit in das Zentrum seiner Handlung stellt. Profit zu machen ist nicht negatives aber dann sollte Volkswagen aufhören zu behaupten sie haben ein Interesse am Klimaschutz.

Dieser Artikel ist im Dezember 2020 auf der US Webseite www.cleantechnica.com erschienen und wurde in der heutigen deutschen Version mit aktuellen Zahlen, Inhalten und Informationen angepasst.

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VW betrügt und belügt also weiter die Öffentlichkeit und seine Kunden?
Wow, das sind schon ziemliche scharfe Behauptungen und Anschuldigungen, die gut belegt sein sollten.
Man stützt sich auf die VW-Aussage, dass die ID-Modelle überproportional gefördert werden.
Wo ist der Nachweis, dass das nicht stimmt?
Eine überproportionale Förderung liegt doch vor, wenn der Händler 4-6% Marge erhält, obwohl die Erlös- und Kostensituation des Fahrzeugs das eigentlich nicht hergeben.
Entscheidend für die Aussage ist nämlich die Hersteller-Marge und nicht die Händler-Marge.
Die wird bei VW – im Übrigen wie bei jedem anderen Herstellern auch – deutlich unter dem Niveau der Verbrenner liegen. Gemessen daran ist vermutlich auch die Händler-Marge überproportional.
Aus meiner Sicht also absolut nachvollziehbar, dass Hersteller und Händler nicht mehr E-Fahrzeuge verkaufen, als sie von Gesetzesseite müssen.
Schon diese Zahl des erzwungenen Angebots liegt deutlich über der natürlichen Nachfrage.
Das erkennt man u.a. an Leasingangeboten, wie z.B. ein Opel e-Corsa für 49 Euro/Monat.
Daraus abzuleiten, dem Unternehmen sei Nachhaltigkeit oder Umweltschutz nicht wichtig, ist eine Unterstellung.
Dabei haben die VW Modelle sowohl vor dem Betrug als auch danach in der realen Nutzung häufig (teilweise deutlich) weniger emittiert, als vergleichbare Wettbewerbsmodelle.
(Man hat allerdings ungeschickter die gesetzlichen Grauzonen ausgenutzt)
Würde man die Investitionen der Hersteller in grüne Technologien, wie z.B. der Hybrid- und Elektromobilität, Stromerzeugung, Produktion und Lieferketten vergleichen, stellte man fest, dass VW hier durchaus mehr macht als nötig bzw. in der Branche üblich.

Ich würde mir wirklich wünschen, dass die vermeintlichen Experten und Journalisten ihre Ideologie relativieren und zu einer sachlicheren und fundierteren Debatte zum Thema Automobilsektor zurückkehren würden.

VG
Ben

Natürlich wird der Verkauf gefördert.

Wenn ein Auto um 14% teurer gemacht wird durch einen Mann in der Mitte, dann muss der Verbraucher 114 Euro statt 100 Euro zahlen. Wird der Wagen nur um 4,5% verteuert dann muss der Verbraucher nur 104,5 Euro zahlen.

Die neuen E-Autos sind eh viel weniger Service und Wartungsintensiv – daher werden sie vom traditionellen Handel eh nicht geliebt – man müsste also statt 14% Marge wohl 30% Marge geben damit es sich über die Nutzungsdauer für die Händler lohnt. Dann würde aber ein Verbraucher 130 Euro statt 104,5 Euro zahlen.

VW möchte die Preise für den Käufer nicht für den Händler attraktiv gestalten. E-Autos sind prädestiniert für den Online Direktvertrieb durch den Hersteller oder für eine Vermarktung als Mobility Flat, bei der der Herstellér auch Wartung und sobald es dann auch autonom geht auch MaaS anbietet.

Richtig und Konsequent ist es daher in dieser Richtung zu gehen – nicht der Erhalt und Ausbau eines antiquiertes Händlernetzes wird in die Zukunft führen sondern ein direkterer Kontakt zwischen Mobilitätsnutzer und Mobilitätsanbieter

So zu rechnen, als ob die Händler bei Verbrennern nie Rabatte geben würden (nur dann würde die kolportierte Margen-Differenz stimmen), ist sachlich einfach falsch.
Wenn man seriös vergleichen wollte (was anscheinend gar nicht gewollt ist), müsste man die bei Verbrennern real erreichte Marge (also abzüglich der gewährten Rabatte) mit der ID-Marge vergleichen.
Ich habe Anfang des Monats über einen Internet-Vermittler einen PHEV aus dem VW-Konzern (Neuwagen, kein Reimport) bei einem regulären Händler mit 21% Rabatt gekauft.

Halllo Elektroauto News

Habe Ihren Artikel gelesen und dabei gleich zwei dicke
Fehler entdeckt.
1.) Welcher Kunde kauft ein Auto ohne Rabatt,also bitte
den dann von der Marge abziehen.
2.) Viele Kunden geben ein gebrauchtwagen in Zahlung,
der kostet jeden Tag dem Händler Geld bis er verkauft ist,
Verlust trägt der Händler.
Also Ihre Meinung 10% bleibt beim Verbrenner für den
HÄNDLER IST FALSCH. Weil jeder Autoverkauf einzel
betrachtet, erst nach allen Umständen, am Schluss ein
Ergebnis gibt.(Keine 10%)

Mfg. Günter Mantke

Man sieht dass sie keine Ahnung haben. Egal ob 6 oder 14 Prozent Marge. Bei Autohaendlern in Germany bleiben im Schnitt 1,5 Prozent übrig. Und ich fahre lieber eine. Sparsamen Diesel mit SCR Kat als solch einen haesslichen ID4. Aber ihr Grünen macht sowieso bald die ganze Industrie in Deutschland platt und gefährdet damit den Wohlstand, der es solchen Leuten erst ermoeglicht hat, verwöhnt aufzuwachsen und zu studieren. Ihr merkt es erst wenn der letzte Autobauer schliesst und ihr eure Mobilität in China kaufen müsst

Hab jetzt alles gelesen, ärgere mich über die Lobbyisten- Platzierungen, werde VW aber sowieso kein Wort mehr glauben! Dieser Konzern pfeift auf die Umwelt den Staat und auf seine Kunden, denke ich. Und Tesla werde ich auch nicht unterstützen. Die fahren einen gefährlichen Separatismus wie so viele amerikanische Unternehmen. Bloß keine gemeinsamen Normen!
Ich freue mich, dass es noch soviele neue und andere Player auf dem e- Markt gibt! Es wird nur Zeit für ein niedrigeres Preisniveau…

So ein Quatsch. Von den 14% Marge, die nur 13 sind, muss der Händler seinen Nachlass bestreiten. Am Ende bleiben mit Glück 3% über. Dagegen sind die 4,5 bis 6 % Händlerprovision ein Segen.

Hört sich ja unglaublich objektiv an der Artikel.. Was der Artikel aber verschweigt ist das die sog. Marge beim ID eine Provision für den Verkauf des ID für den Händler ist.

Bei einem Verbrenner muss der Händler das Auto von VW kaufen (Risiko/Zinsen/Lagerhaltung) und verkauft diesen dann aus seinem besitzt mit Rabatt weiter, was die Marge übrigens stark schmälert.

Beim ID ist dies nicht so da der Wagen lediglich vermittelt. Der Händler macht den Preis nicht und hat somit kein Risiko und keinen „Margenverlust“.

Selbst Vorführwagen etc. werden von VW gestellt. Zusätzlich werden wohl die meisten ID mit gestützten Konditionen verleast worauf der Artikel gar keinen Bezug nimmt. Das ganze ist also, analog zum Greenpeace Bericht, schlecht und/oder sehr oberflächlich.. wie man am Schreibstil erkennen kann aber wohl auch nicht zufällig genau das.

Da bleibt einem nur noch mit den Füßen abzustimmen und zu einer anderen Marke zu wechseln. Für mich war klar, dass mein erstes BEV kein VW mehr wird. Mein letzter Diesel aus dem Volkswagen Konglomerat hatte aus diesen Gründen kein AD Blue.

Alternative ist VW erhöht die Preise von ID3 und ID4 um 10%, um den Händlern eine bessere Marge geben zu können.

Dann kaufen die Leute bestimmt keine Elektroautos von VW.

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