Studie offenbart dringenden Bedarf an öffentlichen Ladepunkten in Ballungsräumen

Studie offenbart dringenden Bedarf an öffentlichen Ladepunkten in Ballungsräumen

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Mit zunehmender Elektrifizierung des Verkehrs wächst auch der Bedarf an privat und öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Nach den Ergebnissen einer neuen Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) verfügt Deutschland zwar über ein großes Potenzial von 8 bis 12 Millionen privaten Ladepunkten in Gebäuden mit einer oder zwei Wohnungen, jedoch nur über ein Potenzial von 0,45 bis 1,8 Millionen privaten Ladepunkten bei Gebäuden mit drei oder mehr Wohnungen. Für verdichtete Wohnräume mit Mehrfamiliengebäuden, und dies insbesondere in Regionen mit starker Kaufkraft, bedarf es daher nach Ansicht der Autoren eines konzentrierten und verstärkten Aufbaus der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur, um den politisch gewünschten Absatz von Elektrofahrzeugen zu ermöglichen.

Für Verbraucher, die in Gebäuden mit ein oder zwei Wohneinheiten leben, sieht die Studie in den kommenden Jahren in den meisten Gegenden Deutschlands ein ausreichendes Potenzial, ihr Elektroauto an einer privaten Wallbox oder Steckdose zu laden. Ein kritisches Verhältnis von privater Ladeinfrastruktur zu Elektroautos ist jedoch in kaufkraftstarken Regionen zu erwarten. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) und Prognos AG im Auftrag des Energieunternehmens EnBW, die hier als vollständiges PDF eingesehen werden kann.

„Voraussetzung für den so dringend benötigten Markthochlauf der Elektromobilität sind attraktive Fahrzeuge und die entsprechende Ladeinfrastruktur. Es ist gut, dass die Hersteller ihr Portfolio künftig deutlich verbreitern. Erst wenn Elektroautos in unterschiedlichen Größen verfügbar sind, wird Elektromobilität auch für breitere Verbrauchergruppen interessant. Damit wächst jedoch auch der Bedarf an Zugang zu privater und öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur. Wie die neue Studie zeigt, bedarf es gerade für Bewohner in verdichteten Gebieten, die in Mehr-Parteien-Gebäuden leben, eines zügigen Zubaus an öffentlicher Ladeinfrastruktur. Der Einsatz von Fördermitteln sollte sich daher daran orientieren, ein zusätzliches, öffentlich zugängliches Ladeinfrastrukturangebot für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen, um einen Engpass der Ladeinfrastrukturverfügbarkeit sowie des Fahrzeugabsatzes zu vermeiden.“ — Andreas Kuhlmann, Vorsitzender dena-Geschäftsführung

Der zu erwartende Bedarf zeigt, dass der Aufbau der privaten und öffentlichen Ladeinfrastruktur sehr schnell stattfinden muss“, mahnt EnBW-Vertriebschef Timo Sillober. Bereits ab dem Jahr 2022 sei regional mit Engpässen an öffentlich zugänglichen Ladestationen zu rechnen. Wichtig sei dabei insbesondere der Ausbau von Schnellladeinfrastruktur im urbanen Raum. Als Betreiber des größten Schnellladenetzes in Deutschland forciere EnBW daher sein Engagement auch in diesem Bereich – nicht nur beim Ausbau des deutschlandweiten Schnellladenetzes an Fernverbindungen.

Ab 2030 könnte auch das private Ladeinfrastrukturpotenzial ausgeschöpft sein, um den Bedarf aller elektrifizierten Fahrzeuge zu decken. Damit sie – wie von der Bundesregierung gewollt – in großem Stil auf den Straßen unterwegs sein können, müssen die Lademöglichkeiten zügig geschaffen werden. Gerade für potenzielle E-Fahrzeugbesitzer in Mehr-Parteien-Gebäuden oder in Wohngebieten ohne Stellplatz, mit angemietetem Stellplatz oder Stellplatz in einer Wohneigentümergemeinschaften, wird der Aufbau einer ausreichenden, öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur ein wesentliches Entscheidungskriterium bleiben.

Die vorliegende Studie gibt einen Überblick, ob der deutsche Gebäudebestand theoretisch das Potenzial besitzt, den Ladeinfrastrukturbedarf von sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeugen bis 2030 abzudecken, wenn 85 Prozent aller Ladevorgänge durch private Ladepunkte stattfinden würden. Daraus abgeleitet werden Bedarf und Maßnahmen zur Entwicklung identifiziert. Zwar besteht über ganz Deutschland betrachtet bis 2030 das theoretische Potenzial, den Strombedarf aller Elektroautos über das private Ladeinfrastrukturangebot zu decken. In allen Szenarien zur privaten Ladeinfrastrukturentwicklung erscheint ein paralleler beziehungsweise vorgreifender Ausbau der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur aber ebenfalls dringend notwendig, um das Marktwachstum von Elektroautos nicht zu behindern.

Aufgrund der regional unterschiedlichen Kaufkraft und Wohnraumverteilung wird es innerhalb Deutschlands einen regional und zeitlich differenzierten Markthochlauf der Fahrzeuge und damit Bedarf an öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur geben. Die Studie empfiehlt daher den Aufbau eines Grundnetzes an Ladepunkten in dicht besiedelten Wohngebieten (urbaner Raum), eine stärkere Verzahnung von Elektroautoneuzulassungen mit der Fördermittelvergabe sowie den Abbau rechtlicher Hindernisse, um private Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern und Stellplätzen von großen Wohngebäuden zu schaffen.

Quelle: dena — Pressemitteilung vom 15.04.2020

Über den Autor

Michael ist freier Autor und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Laden – aber wo?
Mein Arbeitgeber hat eine Diesel Präferenz.
Mein Vermieter sagt – dein Problem, kein Strom in der Garage.
Hier auf dem Land gibt es keine öffentlichen Säulen.
Die Supermärkte haben auch nichts.
Nur der Euronics Elektro Laden, das hat mich gewundert … bis ich gelesen habe, dass der chinesische Hersteller Byton seine e-autos über Euronics Händler vertreibt.
Und schon geht’s …

Ich kann Ihnen in diesem Punkt nur zustimmen. Grade in ländlichen Gebieten, insbesondere in Teilen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns gibt es so gut wie keine Ladeinfrastruktur. Selbst in einigen Ballungszentren ist die Versorgung noch nicht ausgereift. In meiner Heimatstadt Witten (NRW) gibt es beispielsweise nur einen 50 kW Schnelllader bei Kaufland und sonst nur Typ2, aber auch nicht in allen Stadtteilen. Wer hier keine private Lademöglichkeit, oder eine Typ2 Säule vor der Haustür hat, kann die Elektromobilität aktuell vergessen.
Es muss sich noch einiges an unserer Infrastruktur ändern, damit auch Menschen mit geringerem Einkommen auf Elektroautos umsteigen können, die sich das passende Wohneigentum nicht leisten können. Was bringt mir ein toller elektrischer Kleinwagen (z.B. der e-up) für 15.000€ nach Förderung, wenn ich den weder in der Nähe meiner Mietwohnung, noch in der Nähe meiner Arbeitsstätte laden kann?
Die Euronics Säulen habe ich sowieso bereits abgeschrieben. Es ist übrigens Aiways, die den neuen SUV U5 bei Euronics verkaufen wollen. Wahrscheinlich werden die Säulen mit dem Verkaufsstart des U5 in Deutschland permanent durch Vorführfahrzeuge von Euronics blockiert sein. So wie bei uns in Witten beim Mercedes Autohaus. Die haben 4 Innogy Typ2 Ladepunkte und meistens stehen irgendwelche PHEV Vorführwagen davor. Man hat keine Chance dort zu laden, obwohl man den Strom sogar bezahlen würde, weil Innogy nunmal nicht kostenfrei ist.

Richtig, Byton mit Aiways verwechselt, ist aber egal 😉 eine Liga.
Wir haben hier einen recht großen Opel Händler.
Der hat eine gute Werkstatt und nie einen Ampera verkauft.
Jetzt hat er den optisch schönen E-Corsa auf dem Hof.
Der ist zwar lächerlich teuer aber angesehen habe ich ihn mir trotzdem.
Der Händler hat das aber total ignoriert. Klar, denn mit jedem e-auto verliert er einen Werkstatt Kunden und ohne Verbrenner Service kann er nicht leben.
Darum baut er auch keine Ladesäulen auf seine großen Gelände um den E-CORSA leichter zu verkaufen.
Mir hat er gleich zum Astra Diesel oder Grandland Hybrid geraten …
Die Elektro Mobilität bekommt man in Deutschland so nicht ans laufen.

Ja, Ihr habt Recht. Die E-Autos sind für die Werkstätten ein Problem und die meisten Autofahrer bilden sich ein, dass sie nicht Alltagstauglich sind. Es wird noch viele Jahre dauern, bis genug Ladestellen vorhanden sind an denen man im unmittelbaren Wohnumfeld über Nacht günstig laden kann. Mit Abzockerpreisen wie bei Ionity kann man Niemanden überzeugen. Und es wird auch noch viele Jahre dauern, bis die Leute begreifen, dass 300 bis 500 km Reichweite ausreichen, auch um in den Urlaub zu fahren.

Wenn Ihr Arbeitgeber sensibilisiert wäre den Klimawandel erst zu nehmen, dann hätte er schon längst Lademöglichkeiten in der Firma bereitgestellt. Er hätte schon längst seine Mitarbeiter zusammen genommen und hätte erklärt, unsere Firma schreitet voran in Sachen Nachhaltigkeit und will ein Leuchtturm sein. Leider fehlen ihm die Visionen dazu. Das Ganze beginnt in den Köpfen der Leute. Warten auf Godo bringt das Klima nicht dazu eine Pause einzuschalten.

Ich wohne auch auf dem Lande in der Nähe einer Kleinstadt von 4000 Leuten. Vor 9 Jahren gab es nicht einen Elektoautofahrer und nich 1 Ladestation. Nichts desto Trotz habe ich mir ein Elektroauto gekauft und mich halt selber um eine Ladestation, gegen alle Wiederstände in der Eigentümergemeinschaft, gekümmert. Heute gibt es in der Gegen schon 2 Dutzend Elektroautos und es werden immer mehr. Und siehe da, schon baut der Hobby Markt 3 Ladestationen in der Tiefgarage. Schon beginnen andere Elektroautofahrer bei ihren Häusern Ladepunkte zu bauen usw. usf. So gächst das. Gemeindehäuser und Gemeindegebäude beginnen selbstständig Ladestationen zu bauen.

Jemand muss beginnen und nochmals, der „Kopf muss es zulassen“, dass der Klimawandel geschieht, jetzt und heute.
Es hilft nichts, nochmals 10 Jahre zu debatieren und zu jammen, dass niemand für etwas für mich getan hat. 2030 werde ich schon 20 Jahre rein elektrisch unterwegs gewesen zu sein und hoffentlich noch ein viele Millionen mit mir.

Dein Vermieter kann sich nicht mehr lange gegen einen Stromanschluss in der Garage sträuben. Das „Gesetz zur Förderung von Barrierefreiheit und Elektromobilität im Miet- und Wohnungseigentumsrecht“ wird noch diesen Sommer verabschiedet und verpflichtet ihn dazu einen Anschluss zuzulassen.
Leider wirst Du die Montage inklusive Zuleitung von Deinem Stromanschluss selbst zahlen müssen.

Das ist doch genau der Punkt. Ich werde doch nicht auf meine Kosten eine gut 50 Meter entfernte Mietgarage elektrifizierten. Darum braucht es für die 53 % der Bevölkerung die in Miete leben ausreichend öffentliche Ladesäulen.

Es fehlt vor allem an Elektrofahrzeugen. Es wird noch einige Zeit dauern, bis VW vom Kleinstwagen bis in die Mittelklasse ausreichend BEV liefern kann. Bei den meisten anderen Anbietern dauert es noch länger.

so ist das nun mal mit den manchen Menschen…

du wirst nicht schaffen jemandem zu erklären dass es Dumm ist was er tut wenn sein Job oder gar seine Lebenssinn davon abhängt es nicht zu verstehen.

Ich predige seit Jahren schon Stopp mit diesem blinden Aktionismus.
Es wurden Ladesäulen „en mass“ aufgestellt mit lächerlicher Ladeleistung.
Jeder E-Mobilist fährt diese ja nur an wenn es ein Auswärtiger im Notfall ist oder Einheimischer wenn sie viel Zeit haben.

Bei uns im Ort gibt es eine Ladesäule, da geht mein Akku leer wenn ich nur mein Handyladekabel anstecke um mein Handy zu laden im Auto xD
Alles leider unterdimensioniert…..

Ba-Wü macht es ja vor wie Flächendeckende Ladesäulen Verordnung geht

Vielleicht bekommen wir von Jolt Energy ja doch noch öffentliche Fördermittel und können unser Vorhaben verwirklichen! Wir freuen uns aber auch über jeden weiteren privaten Investor.

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