Conti-Sparte Vitesco baut F&E-Zentrum in China, Spin-Off wegen Corona verschoben

Copyright Abbildung(en): Continental

Vitesco Technologies, die Antriebssparte des Automobilzulieferers Continental, wird in der chinesischen Stadt Tianjin ein Forschungs- und Entwicklungszentrum (F&E) errichten. Das Unternehmen unterzeichnete eine entsprechende Vereinbarung mit dem Verwaltungsausschuss des Wirtschaftsfördergebiets „Tianjin Economic-Technological Development Area“ (TEDA). Vitesco Technologies wird in dem neuen F&E-Zentrum, dessen Fertigstellung in 2021 geplant ist, Technologien für Hybrid- und Elektroantriebe erforschen, entwickeln und erproben, so Continental in einer aktuellen Mitteilung.

Der neue Komplex hat eine Bruttogrundfläche von 9000 Quadratmetern. Er wird neben einem Bürogebäude ein Testlabor umfassen, in dem die neuen Antriebstechnologien mit einem breiten Spektrum an Testeinrichtungen validiert und erprobt werden können. Tianjin ist für Vitesco Technologies schon heute einer der wichtigsten Standorte in China. Das Unternehmen betreibt hier ein Werk, dessen hochautomatisierte Produktionslinien es ermöglichen, große Volumen mit hohen Qualitätsstandards zu fertigen. Im Oktober 2019 startete hier die Serienproduktion des vollintegrierten elektrischen Achsantriebs für die Autohersteller PSA und Hyundai. Im Laufe der nächsten Monate werden mit der Vitesco Technologie ausgerüstete Elektrofahrzeuge weiterer Hersteller folgen. Dieses kompakte, leichte und leistungsstarke Antriebssystem trage dazu bei, die E-Mobilität erschwinglicher und damit massentauglicher zu machen.

„Die Strategie unseres Unternehmens ist klar auf elektrifizierte Antriebe ausgerichtet. Dank langer Erfahrung und vieler Pionierleistungen auf diesem Gebiet verfügen wir hier über ein breites, hochattraktives Produktportfolio. Mit dem neuen Zentrum in Tianjin bauen wir unsere Entwicklungskapazitäten im asiatisch-pazifischen Raum, dem Markt mit dem größten erwarteten Marktwachstum, weiter aus“. — Thomas Stierle, Leiter der Business Unit Electrification Technology bei Vitesco Technologies

Die F&E-Disziplinen des neuen Zentrums umfassen die Bereiche System, Software, Elektronik, Mechanik, Mechatronik und Tests. Gleichzeitig ist die Integration aller F&E unterstützenden Funktionen in Planung. Vitesco Technologies bietet eine Bandbreite an Elektrifizierungslösungen für alle Kundenanforderungen an. Dabei reicht das Portfolio von 48-Volt-Mildhybrid-Technologien über Schlüsselkomponenten für Hybrid – und reine batterieelektrische Antriebe, wie Leistungselektronik, elektrische Antriebe, Batteriemanagementsysteme oder Ladelösungen.

„Das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum in Tianjin ist ein weiterer Meilenstein für Vitesco Technologies. Es wird uns helfen, im weltweit größten Automobilmarkt noch engere Verbindungen zu den lokalen Kunden zu knüpfen und sie bei der Entwicklung von Fahrzeugen mit elektrifizierten Antrieben optimal zu unterstützen.“ — Yanfei Cao, Asien-Leiter des Geschäftsbereichs Electrification Technology

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie und der damit verbundenen anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten hat der Continental-Vorstand allerdings beschlossen, den geplanten Spin-Off samt Börsennotierung der Antriebssparte Vitesco Technologies in diesem Jahr nicht mehr durchzuführen und diesen Schritt erst dann zu vollziehen, sobald sich das Marktumfeld dafür spürbar verbessert und gefestigt hat.

Darüber hinaus hat der Vorstand beschlossen, die Vorbereitung des Antriebsgeschäfts für den vorgesehenen, späteren Spin-Off plangemäß fortzusetzen. Über die Gestaltung der Übergangsphase bis zu diesem Zeitpunkt wollen der Continental-Vorstand und die Geschäftsführung von Vitesco Technologies in den kommenden Wochen gemeinsam beraten. Ziel sei dabei, Vitesco Technologies mit Blick auf seine künftige Eigenständigkeit weiter zu stärken und zu helfen, die Zeit und die Chancen bis zum Tag der organisatorischen Unabhängigkeit erfolgreich zu nutzen. Auf diese Weise will Continental sicherstellen, den für später vorgesehenen Spin-Off mit der dann kürzest möglichen Vorbereitungszeit und mit hoher Flexibilität in Reaktion auf sich ändernde Marktbedingungen durchzuführen.

Der vorgesehene, spätere Spin-Off bedarf gleichermaßen der Zustimmung von Aufsichtsrat und Hauptversammlung. Diese Beschlüsse sind in diesem Jahr nicht mehr erforderlich und werden daher von Continental vorerst nicht angestrebt. Ihre diesjährige Hauptversammlung hat Continental als virtuelle Veranstaltung für den 14. Juli 2020 neu terminiert.

Saubere Antriebe sind ohne Zweifel das wertschaffende Geschäft der Zukunft. Wir sind daher fester denn je davon überzeugt: Vitesco Technologies verfügt über aussichtsreiche, profitable Wachstumsaussichten“, so der Continental-Vorstandsvorsitzende Dr. Elmar Degenhart. Für deren Erschließung sei jedoch „ein hoher Grad an unternehmerischer Flexibilität und damit Eigenständigkeit auf dem hoch-dynamischen Antriebsmarkt erforderlich. Die Auswirkungen der Coronavirus-Krise haben zwar den Markt vorübergehend angehalten, aber die Grundlagen künftigen Marktwachstums nicht verändert.“ Daher verfolge Continental seine Spin-Off-Pläne konsequent weiter. Sie seien „zweifelsfrei der richtige Weg, den Continental und Vitesco Technologies gemeinsam und entschlossen zu Ende gehen werden, sobald sich das Marktumfeld spürbar verbessert und gefestigt hat und sich als berechenbarer erweist als zurzeit“, begründete der Continental-Chef die Entscheidung.

„Die aktuelle COVID-19-Pandemie trübt vorübergehend die Marktaussichten, nicht jedoch unsere hohe Motivation für die Eigenständigkeit. Wir schaffen jetzt die organisatorischen und prozessualen Voraussetzungen dafür, dass Continental und Vitesco Technologies bei passendem Marktumfeld jederzeit in der Lage sind, den Spin-Off inklusive Börsennotierung kurzfristig durchzuführen. Die entscheidenden Vorbereitungen dafür werden bis zum Jahresende vollzogen sein. Dann kommt es nur noch auf das passende Timing im Marktumfeld an. Bis dahin werden wir die Umsetzung unserer auf Elektrifizierung fokussierten Strategie noch unter dem Dach der Continental-Gruppe weiter konsequent vorantreiben.“ — Andreas Wolf, CEO von Vitesco Technologies

Quelle: Continental — Pressemitteilungen vom 21. und 30.04.2020

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Eine Antwort

  1. Das Continental als zweitgrößter Automobilzulieferer nicht in der Lage ist, eigenständig Antriebe zu entwickeln, ist kein gutes Beispiel für den Standort Deutschland. Firmen wie Volabo, deren Antrieb auf 8 Patenten und 45 Patenanwendungen läuft, werden dabei geflissentlich übersehen.
    Unser Wissen weiterhin wie mit der Giesskanne zu verteilen, ohne eine Wertschöpfung für unseren Standort zu erzielen, halte ich für höchst problematisch, wenn nicht langfristig sogar gefährlich. Partnerschaften ja, aber mit Augenmass.

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