Automobilindustrie: Subventioniert um sich nicht zu ändern

Automobilindustrie: Subventioniert um sich nicht zu ändern

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In diesem Artikel geht es um ein fragwürdiges Geschäft, über das ich jahrelang bewusst nicht geschrieben habe, ein Geschäft, das Menschen, Familien und Freunde so lange polarisiert, bis sie es nicht mehr sind. In diesem Artikel geht es um Politik und ihre Auswirkungen auf den Wandel einer großen globalen Industrie, auf der die Welt im letzten Jahrhundert ihren Reichtum aufgebaut hat.

Jede Nation dieser Welt wird mit Recht ihr Bestes tun, um ihre Industrie zum Wohle des Landes und seiner Bevölkerung zu schützen. Politiker werden gewählt, um sicherzustellen, dass es der Industrie und den Arbeitsplätzen gut geht, um Einkommen zu stabilisieren und Risiken zu verringern. Es ist absolut nichts Falsches an diesem Schutz, aber leider kann die Politik, indem sie versucht, ihre Industrie nach besten Kräften zu unterstützen, diese, ohne es überhaupt zu bemerken, zerstören. Das ist schon mehrfach geschehen, und es besteht ein großes Risiko, dass es heute in den größten Automobilproduktionsländern wie Deutschland, Japan und den USA wieder geschieht.

Deutschland näher am Abgrund als bisher angenommen

Da ich in Deutschland lebe, nehme ich die deutsche Automobilindustrie und Politik als Beispiel, aber ähnliche Prozesse finden natürlich auch in den anderen Ländern in verschiedenen Varianten statt. Ich glaube, dass in Deutschland seit einiger Zeit eine nicht beabsichtigte Zerstörung der wichtigsten Industrie stattfindet, getrieben von dem Glauben, etwas Gutes zu tun, während man in Wirklichkeit etwas Schlechtes tut, und dieser Artikel möchte Licht auf die tödliche Kombination von Protektionismus und dessen Endergebnis, den Untergang eines Industriezweigs, werfen.

Manche mögen das, was ich beschreibe, eine Verschwörung nennen, aber ich mag diese Theorien nicht, die oft auf einer Menge wilder, unbewiesener Spekulationen beruhen, die eine klare Definition von gut und böse haben, wie in einem gut gezeichneten Comic, den wir als 10-Jährige gelesen haben. Viele teilen die Welt und ihre Akteure und Politiker in zwei konträre Pole und tun so, als ob sie eine verwirrende Welt mit vielen Grautönen in eine Ordnung von Schwarz und Weiß sortieren könnten, die in Wirklichkeit nicht existiert und nie existiert hat. Sie schaffen eine verlockende und oberflächliche Ordnung, die Entscheidungen und Handlungen augenscheinlich leichter macht, aber sie lösen nie die wirklichen Herausforderungen und Probleme dieser Welt, und deshalb sind solche Theorien eher kontraproduktiv als hilfreich. Die reale Welt in der wir leben ist eine Mischung aus Grautönen, in der Schwarz oder Weiß eher ein Konzept ist als wirklich zu existieren.

In vielen meiner Artikel habe ich die deutsche Automobilindustrie in Frage gestellt, herausgefordert und vielleicht auch angegriffen, mit manchmal harten Worten, dass Naheliegendes nicht verstanden wird, dass Manager arrogant und gierig sind und riskieren sich selbst dadurch auf eine signifikante Weise zu minimieren, aber heute werde ich erklären, warum das, was die Führungskräfte der deutschen Automobilindustrie für ihre Freunde halten, in Wahrheit eine Art von Feinden sind. Ich werde versuchen zu erläutern, warum das ganze Chaos, das wir durch einen ständigen Strom von Gewinnwarnungen und Entlassungsmitteilungen wahrnehmen, weitgehend ein Nebeneffekt der Regierungen ist, die versuchen, in Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern etwas Gutes zu tun und dabei unbeabsichtigt etwas Schlechtes erreichen.

„Für Kinder ist nicht alles, was diese verlangen, gut für sie, ganz egal, wie sehr Kinder es auch versuchen ihre Eltern zu beeinflussen werden diese doch in Ihrem besten Interesse handeln und oftmals nein sagen. Gute Eltern wissen, dass es in vielen Fällen gegen ihre Verantwortung und Liebe und damit gegen die körperliche und geistige Gesundheit ihrer Kinder verstoßen würde, wenn sie alles tun würden, worum Ihr Kind sie bittet.“

Industrien sind wie Kinder, die jeden Tag nach den leckeren Süßigkeiten fragen und es vermeiden, die Hausaufgaben zu machen und Sport zu treiben, aber anstelle von guten Eltern verhalten sich unsere Regierungen wie Eltern, die davon ausgehen, dass ihre Kinder besser wissen, was gut für sie ist als sie selbst. Anstatt eine Industrie zu erziehen, zu pflegen und ihr beim Wachstum zu helfen, geben sie ihnen viele Süßigkeiten und wundern sich, dass die Zähne sehr bald ausgefallen sind und sie nicht mehr richtig essen können und ihre Gesundheit und ihr Wachstum gefährdet ist.

Vergleich zum Bankgewerbe liegt nahe

Wir haben dies im Bankgewerbe gesehen, wo das Mantra „too big to fail“ oder „systemisches Risiko“, ein Entwurf und ein Freibrief dafür war, dass sie alles tun konnten ohne die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen zu müssen. Am Ende brachte es die Welt in eine schwere Finanzkrise, die nur durch die Rettung der Banken mit Hunderten von Milliarden Euro in einem international koordinierten Akt gelöst werden konnte, um einen globalen Zusammenbruch und eine Depression wie im Jahr 1929 zu vermeiden. Wenn man groß genug ist, kann einem als Bank nicht mehr viel passieren, und genau dasselbe gilt für die Automobilindustrie. Solange Sie für ein systemisches Risiko plädieren können, geht es Ihnen gut. Diese Bedrohung ist in Deutschland, wo angeblich jeder 8. Mitarbeiter, sei es direkt oder indirekt, in der Automobilbranche tätig ist, sehr effektiv.

Wenn Politiker bei Wahlen zu einem großen Teil daran gemessen werden, wie erfolgreich sie bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze und der Erhaltung der alten Arbeitsplätze sind, ist es eine „Win-Win-Situation“ für beide, Politiker und Manager, wenn sie zusammenarbeiten. Politiker werden Wahlen gewinnen, wenn die von ihnen durchgesetzten Rahmenbedingungen wie z.B. Vorschriften und Gesetze, Arbeitsplätze für Unternehmen schaffen. Um zu kooperieren und zusammenzuarbeiten muss man sich gegenseitig verstehen.

In Deutschland wächst allerdings der Anteil der Politiker, die noch nie in der Industrie gearbeitet haben oder außerhalb des Beamtentums tätig waren, erheblich, so dass sie kaum noch verstehen können, was ein Unternehmen, die Industrie und die Wirtschaft wirklich ausmacht. Ohne dieses Verständnis werden Politiker aufgefordert, die Wirtschaft und ihre Unternehmen mit Regeln und Vorschriften zu unterstützen, was ein Grund dafür ist, dass die meisten Gesetze und Vorschriften heute nicht mehr von der Regierung, sondern von der Industrie und ihren Lobbygruppen geschrieben werden. Das ist eine erstaunliche Tatsache, da es, um der früheren Analogie zu folgen, dazu führt, dass Kinder die Regeln für sich selbst schreiben. Wir alle wissen, wohin dies führen könnte, und die Automobilindustrie hat es geschafft, den Politikern effektiv zu diktieren, was sie wollen, insbesondere wenn wir über batterieelektrische Fahrzeuge und den Verbrennungsmotor sprechen.

Dies passiert in vielen anderen Branchen in vergleichbarer Weise und die Luftfahrtindustrie ist mit dem Unternehmen Boeing und deren Softwareentwicklung die zu mehreren tragischen Abstürzen geführt hat dafür ein weiteres gutes Bespiel. Während dort Menschenleben verloren gehen sind es in der Autoindustrie Arbeitsplätze.

„Wir befinden uns in Zeiten, in denen ein gut durchdachtes Gleichgewicht zur Erhaltung der Gesundheit der Industrie und der Arbeitsplätze versagt. Solche Zeiten werden oft als Abschwung oder Rezession bezeichnet. Dieser Artikel ist keine Vorhersage, dass es zu einer Rezession kommen wird, die Rezession in der Automobilindustrie findet bereits heute statt.“

Automobilindustrie ist in einer Rezession angekommen und muss reagieren

Die Liste der Unternehmen, die im deutschen Automobilgeschäft bei Tier-1- und Tier-2-Zulieferern Insolvenzen, Entlassungen und Gewinnwarnungen ankündigen, wird immer länger und gewinnt an Tempo, während viele bereits jetzt entweder Kurzarbeit einleiten, ihre Mitarbeiter um Gehaltskürzungen bitten oder sie gleich ganz entlassen.

Wenn Politik und Industrie gut zusammenarbeiten würden, wäre die deutsche Automobilindustrie, die das Rückgrat unserer Nation ist, die stärkste der Welt mit den besten Produkten weltweit, aber jeder, der das behauptet, ist entweder voller Illusionen oder schlecht informiert. Die Realität ist, dass man, wenn man seinem Kind alles gibt, was es will, seine Fähigkeiten zum Erfolg im Leben einschränkt, und die deutsche Regierung hat genau das getan.

Die deutsche Autoindustrie hat gute Arbeit geleistet, um die Politiker dazu zu bewegen, Anreize zu geben, die Industrie für Verbrennungsmotoren am Laufen zu halten, und es ist nichts Falsches an diesem Interesse. Letztendlich wollen Sie die Arbeitsplätze und die Wirtschaft schützen, weil Sie dafür gewählt wurden, aber wenn die Gesetze, Vorschriften und der Rahmen, den die Politiker definiert haben, tatsächlich gegen das Wohl der Wirtschaft und der Arbeitsplätze ist, würden Sie erwarten, dass die Wähler und die Lobbygruppen der Industrie dagegen argumentieren würden, aber in der Realität tun sie es nicht.

Die Autoindustrie ist langsam in ihrem Innovationstempo, sie ist wie ein Kind, das nur so viel tut, wie von ihm verlangt um die genannten Wünsche erfüllt zu bekommen. Ein Jahrhundert lang hat das Arrangement gut funktioniert. Wenn der Verkauf von Verbrennungsmotoren gut läuft, ist der Innovationsdruck gering, und wenn der Druck hoch ist, steigt die Innovationsrate. Dieses System ist sinnvoll, solange der Innovationszyklus in seinem Tempo konstant bleibt, aber was wir heute sehen, ist ein dramatisch beschleunigtes Innovationstempo das alles verändert.

Bei den von Tesla kontinuierlich implementierten Verbesserungen der Batterietechnologie würde man erwarten, dass die etablierten Autohersteller ihre Innovationsanstrengungen verstärken, aber in Wirklichkeit haben sie es nicht getan und tun es auch heute noch nicht ausreichend. Wenn sie es tun würden, hätten wir von einem „Batterietag“ erfahren, so wie wir es von Tesla hören, um bei dem Termin im April stolz den nächsten Durchbruch der Technologie mit sinkenden Kosten und steigender Energiedichte zu präsentieren, aber wir haben nicht von einem solchen Tag in Deutschland gehört, oder?

Aktionäre vor Innovation

Stattdessen fließt das meiste Kapital der etablierten Autohersteller in die Absicherung der Gewinne und nicht in Forschung und Entwicklung, denn das ist es, was die Wähler der Manager, die Aktionäre, dazu bringen wird, wieder für sie in der nächsten Hauptversammlung zu stimmen. Ein Aktionär ist nur an hohen Gewinnen und Renditen in einer bestimmten Zeit interessiert und in den meisten Fällen nicht an langfristiger Nachhaltigkeit. Aus diesem Grund wird ein Manager eines Autoherstellers dazu veranlasst, dafür zu sorgen, dass die Gewinne kurzfristig weiter fließen, und das tun sie, indem sie den Politikern drohen, Arbeiter zu entlassen, es sei denn, sie erhalten Subventionen, die ihre Gewinnminderung oder ihre Verluste reduzieren wenn der Verkauf der alten Technologie nicht mehr so gut läuft wie bisher.

Durch den Erhalt von Subventionen nimmt der Druck zur Innovation ab, da die nächsten Profite sicher sind und die Dringlichkeit für die Organisation zur Veränderung sinkt. Die durch die staatliche Förderung erworbene Zeit, welche die Aktionäre kurzfristig zufrieden stellt und welche die etablierten Autohersteller mit Anreizen gekauft haben ist schnell vergangen, während die versprochene Innovation, die erforderlich ist, um die Nachfrage mit großartigen Produkten zu unterstützen und die verfügbare Lieferkapazität zu steigern noch stärker als zuvor zurückbleibt. Die Bedrohung, Menschen entlassen zu müssen, ist jetzt realer als zuvor, da das Thema durch Tesla als Innovationsvorreiter immer mehr an Bedeutung gewinnt und der Kostendruck stärker wird.

„Deshalb wird die Automobilindustrie die Politiker erneut auffordern, weitere Subventionen zu leisten. Die Industrie ist in einem Teufelskreis gefangen, indem sie mehr verlangt und weniger liefert und die Politik weil sie mehr fordert aber weniger erhält. Die Kluft zwischen den Erwartungen beider Seiten wird immer grösser.“

Ein gutes und aktuelles Beispiel hierfür sind nicht nur die zusätzlichen Subventionen, sondern auch die jüngsten Verzögerungen bei der aktuellen deutschen Elektroautoprämie, die angekündigt wurde, um als stattliche Förderung von zusätzlichen 50% von 4.000 auf 6.000 Euro für reine Elektroautos mit einem Basispreis unter 60 Tausend Euro, Ende 2019 implementiert zu werden. Zusätzlichen 2.000 € beim Kauf eines Elektroautos sind für die meisten Menschen eine Menge Geld. Die Erhöhung der Förderung ging Ende 2019 durch alle Medien wurde aber deutlich verspätet in Brüssel beantragt. Die Argumentation des deutschen Verkehrsministers, man wolle die Einbeziehung „alternativer Fahrzeuge“ prüfen klingt äußerst fragwürdig und zweifelhaft. Während Brüssel behauptete der Antrag wäre nicht eingegangen sagte das Verkehrsministerium es wäre eingereicht worden. In der Zwischenzeit wurden die Prämie im Februar 2020 mit Monaten Verspätung genehmigt. Alle Käufer die bereits in 2019 ein Elektroauto erwerben wollten hielten den Kauf aus nachvollziehbaren Gründen und zum Vorteil der deutschen Hersteller wie ich gleich näher erläutern werde, zurück.

Deutsche Automobilhersteller profitieren vom verzögerten Umweltbonus

All dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem folgende Ankündigungen gemacht wurden:

Attraktive Elektroautos die nicht von deutschen Herstellern stammen wie zum Beispiel von Unternehmen wie Renault, Hyundai oder Tesla tragen ein hohes Risiko einen Nachfrageabfalls zu bekommen, wenn Subventionen wie eine Karotte vor das Gesicht gehalten, aber dann verzögert werden, während die deutschen Hersteller nicht liefern können oder wollen. Die Verzögerung der Subventionen schadet ihrer Nachfrage und ihrem Absatz deutlich stärker als deutschen Herstellern, die mehr Zeit haben möchten, um ihre Lieferkette besser zu organisieren, an den Produktionskapazitäten zu arbeiten und sich um ein ausreichendes Produkt-Angebot zu entwickeln.

Die beiden erstgenannten, Renault und Hyundai, haben nach Einreichung zahlreicher Beschwerden bei der deutschen Regierung zwischenzeitlich angekündigt, die Käufer in gleichem Umfang und darüber hinaus so zu entschädigen, als ob die Anreize umgesetzt worden wären. Tesla hat wahrscheinlich auch aus Gründen der hohen Nachfrage in Europa dagegen überhaupt keine vergleichbaren Maßnahmen angekündigt.

All dies kann natürlich reiner Zufall sein und nichts miteinander zu tun haben, aber die Verzögerungen sind ein willkommenes Geschenk für jeden deutschen Hersteller, der entweder Probleme mit dem Angebot, der Produktion oder der Nachfrage hat, weil es ihm Zeit gibt, sich anzupassen, die Gewinne zu erhalten und die Fähigkeit der Konkurrenz, Marktanteile wegzunehmen einschränkt.

„Wenn man aufmerksam zuhört dann vernimmt man nicht eine einzige Beschwerde der deutschen Automobilindustrie über die Verzögerung der Bafa Prämie, und das ist gelinde gesagt sehr verdächtig. In der Politik sollte man nicht nur auf das Gesagte, sondern auch auf das nicht Gesagte hören, wenn man besser verstehen will, was gerade geschieht. Dasselbe gilt für die Industrie.“

Zu glauben, dies sei eine Verschwörungstheorie, ist eine faire Behauptung, aber das Ergebnis ist, unabhängig davon, ob diese Behauptung richtig ist oder nicht, für die deutschen Hersteller von Vorteil. Obwohl es sicherlich nicht in allen Fällen zutrifft, war es in der Vergangenheit ein guter Rat, „dem Geld zu folgen“, wenn man verstehen will, warum das, was passiert, passiert ist.

Tesla stärkt gedankliche Präsenz von E-Autos in Deutschland

Elektroautos sind, seit der Standort der Tesla Fabrik hier in Deutschland bekannt gegeben wurde, mehr und mehr im Bewusstsein der deutschen Verbraucher präsent, und Menschen, die ein Fahrzeug suchen, werden das Unternehmen und seine Produkte heute mehr als am gestrigen Tag in Betracht ziehen, weil die Fabrik Arbeitsplätze schafft, häufiger mit positiven Artikeln in den Medien präsent ist, die Kursentwicklung der Aktie das Vertrauen der Investoren verdeutlicht und schließlich auch bald ein Produkt Made in Germany mit deutschen Mitarbeitern ist. Wenn die Menschen erst einmal ihren Lebensunterhalt bei Tesla Brandenburg oder Berlin, wie der CEO Elon Musk es lieber nennt, verdienen, ihre Steuern hier in Deutschland zahlen und verstehen, dass die meisten der in den Medien über Tesla diskutierten Arbeitsbedingungen und deren Bezahlung einfach nur falsch sind, wird sich die Stimmung weiter zum Gunsten von Tesla verschieben.

Verzögerungen von Subventionen sind ein geringes Problem also warum schreibe ich überhaupt darüber? Meine Antwort: was wie ein kleines Problem aussieht, ist in Wirklichkeit ein großes Problem. Nicht nur, weil die Nachfrage der Verbraucher nach den dringend benötigten emissionsfreien Fahrzeugen auf unseren Straßen negativ beeinflusst werden könnte, sondern weil die Folge dieser politisch motivierten Maßnahme ein reduzierter Druck auf die Industrie ist innovativer zu werden. Anstatt das Innovationstempo zu unterstützen, werden die Anreize dafür beseitigt.

Die Verzögerungen sind eine Erleichterung für die Industrie, aber nicht, weil sie dadurch mehr Energie für diese aufwenden können sondern sich stattdessen tatsächlich weniger auf Innovationen konzentrieren. Die Autohersteller werden ihre Fähigkeit, kurzfristig Gewinne zu erzielen, optimieren weil sie für kurzfristige Gewinne belohnt werden. Kurzfristige Gewinne sind etwas Schönes und es gibt nichts wirklich Negatives an ihnen, es sei denn, man bezahlt sie mit seiner eigenen Zukunft.

Da Subventionen ein kleineres Thema sind und diese nur vorübergehend verzögert wurden, möchte ich darauf hinweisen, dass die politisch motivierten Maßnahmen zur Verringerung des Innovationsdrucks auf die Automobilindustrie viele sind. Es handelt sich um ein systematisches Problem, dass sich in vielerlei Hinsicht darstellt.

Hybridfahrzeuge: Keine Lösung des Problems

Ein gutes Beispiel hierfür sind die Hybrid-Fahrzeuge, die 75% eines reinen Elektroautos ausmachen und welche die Autohersteller dazu veranlassen, Verbrenner-Motoren weiter zu entwickeln und zu produzieren, während die Batterie selbst, wie diverse Studien eindrücklich gezeigt haben, nur recht selten, wenn überhaupt verwendet werden. Das erhöhte Gewicht durch die Batterie führt zu einem höheren Verbrauch an Kraftstoff.

Mit anderen Worten, 2019 wurden hohe stattliche Subventionen in Höhe von 3.000 Euro für ein Auto gezahlt, das nicht weniger, sondern mehr klimaschädliche Schadstoffe ausstößt, weil es neben anderen Effekten einfach schwerer ist. Während die UK die Subventionen aufgrund dieser Tatsache ersatzlos gestrichen haben werden diese in Deutschland im Jahr 2020 um weitere 50% erhöht. Subventionen für Hybride sind nicht konform mit der Reduzierung von Treibhausgasen denn sie fördern diese. Das dies heute noch und entgegen aller Studien und wissenschaftlicher Nachweise bestand hat, zeigt das die Klimaziele und damit unsere Umwelt für die deutsche Bundesregierung nur sekundär eine Bedeutung hat.

Unabhängig davon ob ein Besitzer jemals im Leben des Fahrzeugs die Batterie nutzt, erhält er €4500 auf den Kaufpreis während er genauso wie bei seinem vorherigen Verbrenner die Umwelt verschmutzt und den Klimazielen der Bundesregierung entgegenwirkt. Wie blanker Hohn wirkt es wenn diese Fahrzeuge auch noch ein „E“ für Elektro auf dem Nummernschild haben jedoch die Umwelt stärker verschmutzen als ein normaler Verbrenner. Wie kann es sein das Studien von der Regierung in London als Anlass genommen werden diese Hybride in Zukunft vollständig zu verbieten, während Deutschland diese stattdessen stärker fördert?

Ausnahmeregelung bei CO2-Grenzwerten

Eine weitere Maßnahme ist die Senkung der CO2 Ziele im Jahr 2015, als die Lobby Gruppen der Autoindustrie mit den Regulierungsbehörden der EU in Brüssel die Regelungen neu verhandelten, um Ausnahmeregelungen wie den, dass 5% der am stärksten verschmutzenden Fahrzeuge von der Bußgeldliste genommen werden können, einführten. Diese ermöglicht es ihnen heute, mehr schwere und beliebte SUVs mit der höchsten Profit Marge zu verkaufen um dadurch den Schaden von Strafzahlungen der restlichen verkauften Verbrenner welche die Ziele nicht einhalten zu egalisieren. Die 5% Regelung ist, weil durch sie mehr SUVs verkauft werden als vorher, doppelt kontraproduktiv.

Man findet sie auch in nicht umgesetzten Regularien von Fahrzeugen auf deutschen Straßen die mit dem zum Teil 8-fachem z.B. Audi A8, der erlaubten Stickstoff (NOx)-Emissionen unterwegs sind, die sie aufgrund des Gesetzes haben dürften. Das Kraftfahrtbundesamt drückt seit Jahren in der Sache „beide Augen zu“ und deshalb ist es ja auch nicht verwunderlich, wenn die Hersteller keinen Drang zu Veränderungen und Verbesserung verspüren.

Die Bußgelder für das nicht Erreichen von CO2 Zielen, die 2020 eingeführt wurden, gleichzeitig gesteigerte Subventionen beim Kauf eines E-Autos im Jahr 2019 laut anzukündigen aber dann ins Jahr 2020 zu verzögern hat viele Käufer veranlasste, ihren Kauf im Jahr 2019 zurückzuhalten und dann im Jahr 2020 auszuführen. Wer profitiert Ihrer Meinung nach am meisten, wenn ein Elektroauto nicht 2019, sondern 2020 verkauft wird?

Deutsche Automobilindustrie als Profiteure der CO2-Grenzwert-Verschiebung

Die deutschen Autohersteller sind es denn jedes verkaufte Elektroauto ist im Jahr 2020 viel wertvoller für sie als 2019, da es die an die EU-Regulierungsbehörden zu zahlenden Strafen erst ab 2020 verringert. Politik und Industrie haben gut zusammengearbeitet, ungeachtet der zusätzlichen CO2 Emissionen den ihr Handeln verursacht hat und weiter verursacht. Klimaziele spielten dabei keine Rolle, sondern nur die Profite der Autoindustrie.

Ich könnte mit vielen weiteren Beispielen fort fahren die alle gemeinsam haben, dass sie den persönlichen Interessen der Politiker und Industriemanagern zugutekommen welche die Welt mit einer stärker verschmutzen Umwelt und Deutschland mit einem geringeren Innovationstempo der Automobilindustrie zurücklässt. Mehr Zeit für Innovationen zu benötigen, ist genau das, was die Manager den Politikern mitteilen, aber die letzten 10 Jahre haben bewiesen, dass Innovation langsamer geht, wenn man den Druck reduziert, und nicht schneller.

„Druck zu reduzieren ist genau das, was die Politiker überall tun, und sie fragen sich immer noch, warum die Autohersteller im Vergleich zu Tesla bei der Innovation im Rückstand sind?!“

Das Innovationstempo steigt wie eine S-Kurve, bei der sich der Vorreiter schneller von den Verfolgern entfernt als zu Beginn des Innovationszyklus. Dieser exponentielle Vorteil ist sehr schwer aufzuholen. Der Startbereich, in dem die Innovation langsamer vorankommt, muss von allen nachfolgenden Autoherstellern ob sie es wollen oder auch nicht durchlebt werden, und wegen dieses Effekts steigt der Nachteil exponentiell an, wenn man die Innovation verzögert, indem man sicherstellt, dass man mit veralteten Produkten sei es durch Subventionen oder anderen Maßnahmen kurzfristige Gewinne erzielt.

Eine andere Möglichkeit, diesen Effekt zu beschreiben, ist, dass der kurzfristige Gewinn, den Sie mit dem Verkauf eines veralteten am Ende seines Lebenszyklus befindlichen Produkts erzielen, nur ein Bruchteil des Gewinns ist, den Sie erzielen würden, wenn Sie alle Ihre Vermögenswerte und Energie in den Versuch investieren Forschung und Entwicklung der neuen Produkte zu beschleunigen. Das Problem ist, dass die Manager keinen Anreiz haben, aufzuholen, sondern einen, heute und jetzt Gewinne zu erzielen. Dies wiederholt sich seit Jahrzehnten, wird aber mit den komprimierten Innovationszyklen und steigenden S-Kurven der aktuellen Innovationen, wie wir sie vor allem in den letzten 10 Jahren erleben, deutlich verschärft und prekär.

Innovation ist nicht der eine ehrfurchtgebietende und magische Verbesserungsschritt, der alles auf einmal erreicht, und wenn man ihn geschafft hat, ist alles perfekt. Stattdessen ist sie oft aus einer verrückten Idee oder einem Zufall geboren, deren Wirkung am Anfang oft überbewertet wird, aber für eine Massenutzung in der Regel nicht funktionsfähig ist. Es folgen ihr eine Reihe von ständigen Verbesserungen, die zudem führt, was später manchmal auch als Disruption einer Industrie bezeichnet wird. Dieses Muster wiederholt sich bei allen technologischen Durchbrüchen und wir sehen dieses Muster heute sowohl bei der Batterietechnologie für Fahrzeuge als auch beim autonomen Fahren.

„Je weiter man in dieser Innovation fortgeschritten ist, desto innovativer wird man und damit steigt der Vorsprung vor den Nachfolgern.“

Ein Beispiel zum Innovationsfortschritt

Die meisten Menschen, insbesondere in den USA, werden Ihnen sagen, wenn Sie fragen, wer das Telefon erfunden hat: „Es war Alexander Graham Bell“, der berühmte Erfinder, der die ersten Worte „Mr. Watson, kommen Sie her, ich brauche Sie“ übertragen hat. Die Wahrheit ist, dass er derjenige war, der wichtige Verbesserungen an einem bestehenden Gerät vorgenommen hat und es sehr erfolgreich vermarktete, aber die wahre Erfindung wurde vermutlich eher von dem Deutschen Philipp Reiss vollzogen, der etwa 10 Jahre vor Bell die allerersten Wörter „ein Pferd frisst keinen Gurkensalat“ übertrug, aber Herr Reiss hat nie ein Patent angemeldet. Der dritte Erfinder des Telefons schließlich ist Antonio Meucci, der ebenfalls lange vor Bell ein sprechendes Gerät erfand, aber nicht das Geld hatte, um ein Patent anzumelden, sondern die Konstruktionszeichnungen stattdessen an den Western Union Telegraph schickte, wo sie angeblich verloren gingen und die Firma später „ganz zufällig“ mit Bell zusammenarbeitete, als er das Gerät verbesserte und patentierte.

„Erfindung ist ein Prozess und kein Ereignis, und am Ende des Tages hatten Reis, Meucci und Bell alle ihren ganzen wichtigen elementaren Anteil an der Entwicklung eines Produktes die etwas begann, das wir heute in der Hand halten, wie es Captain Kirk im Raumschiff Enterprise tat. Es spielt keine Rolle, wer zuerst etwas getan hat oder wer ein Patent angemeldet hat, aber das Endergebnis das spielt eine Rolle.“

Die harte Arbeit ist nicht der eine Schritt zur Veränderung, sondern die langfristige Weiterentwicklung eines Produkts, das Sie in Massenproduktion herstellen können, das technologisch ausgereift ist und das Sie auf den Markt bringen und verkaufen können. All das klingt irgendwie langweilig, aber das ist nun mal so mit einer Erfindung. Der „Heureka“ Moment mag schön sein wird aber häufig kurz danach durch „Moment mal“ enttäuscht.

Wenn man an all die „Durchbrüche“ denkt, von denen man zum Beispiel bei Feststoffbatterien gehört hat, dann ist es genau das wovon ich hier spreche. Der wirkliche Durchbruch erfolgt in der Regel erst lange nach dem ersten Durchbruch, und deshalb hört man in 99% aller Fälle nie wieder etwas von ihnen denn die meisten schaffen es gar nicht bis zur Kommerzialisierung. Sei es der 3-D Drucker, Feststoffbatterien oder ein Seil aus einem kohlenstoffbasierten Kabel das einen Lift ins All ermöglicht, sie alle brauchen viel Zeit und Geld um wirtschaftlich und technisch umsetzbar zu werden.

Ein einmalig produziertes Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von 800 km, ist heute schon machbar, aber wenn man ein solches Fahrzeug, das man zu vernünftigen Kosten in großen Stückzahlen in Massenproduktion benötigt nicht herstellen kann, dann ist es zwar eine beindruckende Erfindung aber eine die nie den breiten Markt erreicht.

Dasselbe gilt für den Cyber-Truck von Tesla, bei dem, wenn man Elon Musk aufmerksam zuhört, die harte Nuss nicht darin besteht, den Prototyp zu entwickeln und zu zeigen, sondern die Produktionstechnologie zu erstellen, um ihn für die Massen verfügbar zu machen. Das Exo-Skelett des Fahrzeugs mag zwar wie die wahre Innovation aussehen, aber die Produktionstechnologie ist „die harte Nuss die es noch zu knacken gilt“.

Politik stoppt Fortschritt durch Subventionen

Es klingt wie ein Widerspruch, aber Politik und Gesetzgeber können Innovationen leicht stoppen, indem sie versuchen, sie zu unterstützen und das insbesondere dann, wenn sie auf die Forderungen der Industrie hören. Manager in der Industrie sind an Gewinnen und Marktanteilen interessiert, ziehen es aber vor, Innovationen zu vermeiden, bis sie dazu gezwungen werden.

Bei einer Disruption wie die, in der wir uns gerade befinden und in welcher der Wechsel von Verbrenner zum Elektrofahrzeug viel schneller geht, als alle dachten, schrumpft die Reaktionszeit zwischen dem Moment, in dem man gezwungen ist, etwas zu tun, und dem Moment, in dem man angeblich wieder Gewinn macht, mit jedem Tag Verzögerung exponentiell, und das ist ein unterschätztes Problem der deutschen Automobilindustrie.

Das Exponentielle dieser schrumpfenden Zeit ist der letzte Nagel im Sarg von Unternehmen, die glauben, dass sie einen Kampf von heute mit Waffen aus der Vergangenheit gewinnen können.

„Der Niedergang der globalen etablierten Automobilindustrie wird nicht durch die Unfähigkeit zur technologischen Innovation verursacht, sondern durch die schlecht durchdachte Kombination und Regularien von Interessen zwischen Politikern und Managern, die beide einen Anreiz haben, etwas zu tun, das im Endergebnis das Innovationstempo verringert und CO2 Emissionen erhöht.“

Der Schlüssel zum Erfolg für die deutsche Automobilindustrie liegt deshalb in der Überwindung bisheriger Anreizsysteme mit denen im aktuellen Status ein erfolgreicher Wandel zu Herstellern der weltweit besten Elektroautos nicht möglich ist. Der Unterschied zu vergangenen Krisen liegt in der nicht vorhandenen Zeit der Unternehmen sich neuen Gegebenheiten schnell genug anzupassen.

In der Natur verschwinden Arten die eine schnelle Veränderung der Umwelt erleben und sich nicht rechtzeitig anpassen können und in der Automobilindustrie ist das nicht anders.

 


Dieser Artikel ist im Februar 2020 auf der US Webseite www.cleantechnica.com erschienen und wurde in der heutigen deutschen Version mit aktuellen Zahlen, Inhalten und Informationen angepasst.

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Na also, doch PHEV! Sagt ich s doch. Auch nach so langer Brühe, Autofirmen keine Angst, es braucht weiterhin das Auto. Der OEV ist in Europa auch schon weit elektifiziert. Ein„ weg vom Auto„ hat trotzdem nicht stattgefunden, dies ändert sich auch mit dem E Auto nicht, und hat mit Selbststeuererung und anderem Umstieg auf elektronische Ausführung gar nichts zu tun. Produktion ist einfach preisgünstiger als es rein mechanisch zu machen. Ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung lebt heute weltweit noch nicht im Stadtbereich. Vor allem wenn noch Gepäck mit soll und der Zielort auch nicht im Bereich der öffentlichen liegt, kommt auch beim kleinen Mann nur ein Auto in Frage.( Fahrgemeinschaften mit GPS selbstgesteuert hintereinander her) Die Antriebsart wird sich auch künftig nicht gross ändern, zumindest wenn man in der Entwickung 10 Jahre zurück schaut. Das Modell S kostet immer noch fast gleich viel und die Batterien sind nur wenig leichter,kleiner und zwar etwas besser geworden.

Hm als Naturwissenschaftlernen kann ich Ihnen leider nicht zustimmen, aber wahrscheinlich hab ich nicht die „richtige“ Naturwissenschaft gelernt.

Als Chemiker krieg ich bei synthetischen Kraftstoffen lachkrämpfe….viel Spaß beim Energieverschwenden.

CNG wird steuerlich massiv gefördert. Bin selbst 5 Jahre rund 30000 km im Jahr auf Erdgas gefahren, vor 9 Jahren. Warum es sich nicht durchgesetzt hat? – Tankstellen? Nicht so vollgastauglich? – ich kenn tatsächlich Ing die behaupten ihr Diesel würde bei 160 weniger verbrauchen als bei 120 weswegen Sie unbedingt 160 fahren müssen. Natürlich hat deren Diesel auch einen Wirkungsgrad von 45% und 3000 bar im Zylinder…..

Natürlich fahr ich mitlerweile BEV.

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