„Elektroautos mit Batterien eindeutig beste Lösung für Klimaschutz“

„Elektroautos mit Batterien eindeutig beste Lösung für Klimaschutz“
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Volker Quaschning ist Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Zugleich ist er Mitinitiator der Scientists for Future, die sich für einen wirksamen Klimaschutz einsetzen. In einem von VW veröffentlichten Interview spricht er über die Gefahren der Erderwärmung – und erklärt, wie ein nachhaltiger Autoverkehr aus seiner Sicht funktionieren kann.

Quaschning wollte, dass das Gespräch telefonisch stattfindet – wegen der besseren CO2-Bilanz. „Für wirksamen Klimaschutz braucht es einerseits staatliche Vorgaben – aber andererseits müssen wir auch unser Verhalten ändern“, so der Forscher. Das betreffe zum Beispiel die Urlaubsbuchung, den Fleischkonsum oder eben auch „vermeidbare Fahrten zu beruflichen Terminen. Im Fall dieses Interviews ist es ja so, dass wir mit einem Telefongespräch das gleiche Ergebnis erreichen können wie mit einem persönlichen Treffen. Wir vermeiden also CO2-Emissionen ohne irgendeinen Nachteil in Kauf nehmen zu müssen.“

Die Einsparungen kämen jeweils „auf den Einzelfall an“. Bei einem früheren Interview habe die Hin- und Rückfahrt zwischen Frankfurt und Berlin rund 50 Kilogramm CO2 verursacht – „wenn man mit dem Zug unterwegs ist. Mit dem Auto ist es erheblich mehr.“

Als Mitglied der Scientists for Future mahnt Quaschning immer wieder zur Eile, die Klimaziele von Paris zu erreichen: „Wenn wir die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen wollen, dann müssen wir sofort handeln“, sagt der Forscher. Schon heute liege die globale Durchschnittstemperatur um 1 Grad über der vorindustriellen Zeit. „Und der Anstieg setzt sich fort. Um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, müssen wir in Deutschland in spätestens 20 Jahren klimaneutral sein. Das bedeutet: Wir dürfen kein Öl, keine Kohle, kein Erdgas mehr verbrennen.“

Volker Quaschning / Volkswagen

Die Erderwärmung sei ein schleichender Prozess mit vielen Unwägbarkeiten. Jeder Anstieg verschlechtere die Lebensbedingungen auf der Erde. „Im schlimmsten Szenario steigt die weltweite Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um vier bis fünf Grad. Das entspricht der Veränderung seit der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren. Damals lag Berlin unter einer 200 Meter dicken Eisschicht“. Das verdeutliche die Dramatik des Themas.

Die Folgen einer ungebremsten Erderwärmung wäre die Unbewohnbarkeit großer Gebiete der Erde, „weil es dort unerträglich heiß wäre. Gleichzeitig würde der Meeresspiegel deutlich steigen. Bis zu 70 Meter sind langfristig möglich, bis zu 2 Meter in diesem Jahrhundert. Insgesamt wären damit die Lebensräume von mehreren Milliarden Menschen verloren“, so Quaschning.

„Man stelle sich vor, eine solche Zahl von Menschen müsste innerhalb eines Jahrhunderts umgesiedelt werden“, sagt er über die Probleme, die damit einhergehen. „In Deutschland haben wir gerade erlebt, dass schon eine Million Flüchtlinge gesellschaftliche Verwerfungen auslösen können“. Die Situation würde zusätzlich verschärft werden „durch Probleme in der globalen Nahrungs- und Trinkwasserversorgung“.

„Wir haben die Technik und die finanziellen Möglichkeiten, um die Klimaziele zu erreichen“

Wichtig sei deshalb, sofort gegenzusteuern: „Wir haben die Technik und die finanziellen Möglichkeiten, um die Klimaziele zu erreichen. Wir müssen es nur angehen und sofort handeln. Unser Wille entscheidet.“ Ein wichtiger Hebel sei klimafreundliche Mobilität. „In Ländern wie Deutschland müssen wir die Zahl der Autos pro Kopf mindestens halbieren“, sagt der Wissenschaftler. „Würden wir unser heutiges System auf alle Länder übertragen, dann wären weltweit mehr als vier Milliarden Autos in Betrieb. Das ist nicht zu verkraften.“

Klar werde es auch in einer klimafreundlichen Welt noch Autos geben. Diese müssen aber „komplett emissionsfrei unterwegs sein. Das kann nur mit alternativen Antrieben gelingen“, sagt Quaschning. Mit herkömmlichen Dieselfahrzeugen oder Benzinern sei Klimaneutralität „in keinem Fall erreichbar.“ Auch die Diskussion über Biokraftstoffe aus Pflanzen habe „von Anfang an in die Sackgasse geführt. Schon mit einem einfachen Dreisatz lässt sich ausrechnen, dass die verfügbaren Anbauflächen nicht ausreichen.“

Es bleiben „nur zwei Wege, die für eine nachhaltige Mobilität grundsätzlich in Frage kommen: Elektroantriebe mit Batterien oder Wasserstoff. Meine Einschätzung: Im Pkw-Bereich sind Elektroautos mit Batterien eindeutig die beste Lösung für den Klimaschutz“, da E-Autos die eingesetzte Energie deutlich effizienter nutzen als Wasserstoff-Fahrzeuge. Für den Betrieb eines Wasserstoffautos brauche es zwei- bis dreimal so viele Solaranlagen oder Windräder wie für den Betrieb eines E-Autos. Der Wasserstoffantrieb komme vor allem dort in Frage, wo sehr lange tägliche Fahrtstrecken unvermeidbar sind, wie etwa im Bahn- oder Güterfernverkehr.

„Mit Kaufprämien allein wird der Umstieg nicht schnell genug gelingen“

Damit die E-Mobilität schnell ein Erfolg wird sei „ein klarer Plan“ notwendig, „zum Beispiel nach dem Vorbild Norwegens. In Oslo gibt es eine hohe Citymaut für Autos mit Verbrennungsmotoren. Das ist zwar ein drastischer Schritt. Aber mit Kaufprämien allein wird der Umstieg nicht schnell genug gelingen.“

Deutschland brauche außerdem „ein massives Ausbauprogramm für Ladesäulen im öffentlichen Raum“, weil Autofahrer ohne eigenen Stellplatz sonst nur mit Schwierigkeiten umsteigen können. „Für die brauchen wir wesentlich mehr Ladepunkte. Gleichzeitig würde ich mir von den Autoherstellern wünschen, dass sie den Wechsel zur E-Mobilität noch radikaler angehen. Die Welt wird bald elektrisch fahren – egal, was wir in Deutschland tun. Darauf sollten sich die Unternehmen auch im eigenen Interesse einstellen.“

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 02.12.2019

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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