Warum dauert es so lange, bis der VW ID.3 ausgeliefert wird?

VW AG erklärt warum der ID.3 acht Monate nach Produktion ausgeliefert wird

Copyright Abbildung(en): Volkswagen AG

Am Anfang der Woche haben wir mitgeteilt, dass Volkswagen gerade mit der Produktion des ersten ID.3 im Werk Zwickau in Deutschland begonnen hat. Allerdings steht immer noch die Aussage im Raum, dass die Auslieferungen erst Mitte 2020 beginnen. Vorher sollen keine Serienfahrzeuge ausgeliefert werden. Die Frage warum es so lange dauert, bis der VW ID.3 ausgeliefert wird erscheint daher berechtigt. Wir versuchen uns an einer Antwort.

In der Regel erfolgt der sogenannten Produktionsstart eines Fahrzeugs – auch SOP genannt – zwei Monate vor der eigentlichen Auslieferung. In dieser Zeit werden meist genügend Autos produziert, um die Händler zu beliefern und zu vermeiden, dass die Kunden frustriert sind, weil sie versuchen, etwas zu kaufen, das nicht ohne weiteres verfügbar ist. KIA und Hyundai sind hierfür derzeit ein prägendes Beispiel dafür. Mit dem ID.3 hat VW nun gut acht Monate vor dem eigentlichen Liefertermin begonnen.

Umrüstung von Verbrenner auf E-Auto sowie Testphase verzögern Auslieferung

Begründet wird vonseiten Thomas Ulbrich, Volkswagen Markenvorstand für E-Mobilität, damit, dass man eine bestehende “Verbrenner”-Fabrik auf E-Autos umrüsten muss. Parallel zum eigentlichen Fertigungsprozess. “Die Umstellung verlief sehr gut. Aber natürlich ist es sehr komplex, das können wir sagen. Die Anlage besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil wurde zu 100 Prozent auf E-Mobilität umgestellt. Andererseits produzieren wir noch bis Mitte nächsten Jahres Autos mit Verbrennungsmotor, die dann aber eingestellt werden”, so Ulbrich über den aktuellen Stand.

Für Zwickau steht fest, dass die komplette Umstellung auf E-Mobilität erfolgt, wenn die Verbrenner in Zwickau ausgelaufen sind. Derzeit wird von einer vollständigen Umstellung Ende 2020 ausgegangen. Die aufwendige Umstellung der Produktionslinie ist allerdings nicht der alleinige Grund für die Verzögerung bei der Auslieferung. Dies gab Andreas Groß, Sprecher E-Mobilität, Volkswagen Konzern, gegenüber InsideEVs zu verstehen.

“Da es sich um ein völlig neues Modell mit einem völlig neuen Produktionsprozess und völlig neuen Verfahren, einschließlich der Lieferkette, handelt, hat die Sicherung unserer Qualitätsstandards oberste Priorität. Deshalb werden die ersten produzierten Fahrzeuge im Rahmen eines Qualitätssicherungsprogramms an die Volkswagen-Mitarbeiter übergeben und unter Alltagsbedingungen getestet. Unsere Mitarbeiter geben uns ein wichtiges Feedback über die Leistung der ID.3, bevor sie an unsere Kunden ausgeliefert wird.”

Die ersten produzierten VW ID.3 gehen somit nicht auf Halde und warten auf ihre Auslieferung im zweiten Quartal 2020, sondern werden auf Herz und Nieren in Alltagssituationen geprüft. Des Weiteren kann man davon ausgehen, dass ein Teil der Fahrzeuge – nach ersten Überprüfungen – an die Händler ausgeliefert werden, für Probefahrten.

VW rechnet nicht mit Batterieengpässen beim VW ID.3

In unserer Podcast-Folge “VW macht sich für E-Mobilität stark – eine Momentaufnahme” sind wir darauf eingegangen, welche Hebel derzeit in Bewegung gesetzt werden, um die E-Mobilität spürbar voranzubringen. Nicht nur bei VW selbst, sondern auch bei den dazugehörigen Tochter-Unternehmen. Kurz darauf übte VW weiteren Druck auf seine Batteriezellen-Lieferanten aus. All dies, um die Auslieferung des VW ID.3 und fortfolgende MEB-Modelle sicher zustellen.

Diese scheint auch gesichert zu sein und wird nicht zu einer Produktionsverzögerung führen, so VW: “Die Batterieversorgung des ID.3 ist gesichert und hat nichts mit dem Startvorgang zu tun. Wie geplant beginnt die Produktion des ID.3 nun mit einer flachen Hochlaufkurve, die im nächsten Jahr mit näher rückender Markteinführung deutlich steiler werden wird.”

Hochlaufkurve führt bis Ende 2020 bis zu 1.500 E-Autos am Tag

Bis zum nächsten Frühjahr rechnet das Unternehmen damit, im Dreischichtbetrieb zu arbeiten und 800 Fahrzeuge pro Tag zu fertigen. Das würde etwas weniger als 270 Autos pro Schicht ausmachen, was auf den erwarteten Hochlauf für die derzeit stattfindende Einzelschicht hinweist. Bis April ist geplant, dass die 800 ID.3 pro Tag erreicht werden. Bis Ende 2020 – mit Umstellung des Werks komplett auf E-Mobilität – werden dann 1.500 E-Autos pro Schicht angepeilt.

Stand heute wurden über 30.000 VW ID.3 1st reserviert und werden wohl auch als erstes vom Band laufen. Des Weiteren stehen weitere 5.000 Reservierungen für die Serienversiond es ID.3 im Raum. Mit 800 Einheiten pro Tag ab April und 20 Arbeitstagen könnte Volkswagen 16.000 ID.3 pro Monat produzieren. Von April bis Juni hätte das Unternehmen 48.000 E-Autos produziert, mehr als genug für die aktuell 35.000 bereits eingegangenen Aufträge und einige mehr.

Quelle: InsideEVs – Why Will The VW ID.3 Take So Long To Reach The Market?

Newsletter abonnieren

Montag, Mittwoch und Freitag die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.

Dir gefällt dieser Beitrag? Teilen auf

Diese News könnten dich auch interessieren:

2 Antworten

  1. Es bleibt unterm Strich, dass es von VW 2020 noch keinen Volksstromer geben wird. Die Basisversion des ID3 wird nicht vor 2021 ausgeliefert. Bleibt zu hoffen, dass bis dahin die Batteriepreise weiter fallen.

  2. Diese Erklärungen versteh ich nicht:
    Wieso müssen Elektroautos nach dem Serienstart weiter getestet werden?
    Bisher (bei “Verbrennern”) wurde die Serie gestartet, wenn alle Erprobungen nach diversen Vorgaben und Normen (Crashtest, Zuverlässigkeit, Verbrauch, Fahrverhalten, Alltagtests usw.) erfolgreich verlaufen sind und gegebenenfalls erforderliche Änderungen in die Konstruktion und Fertigung eingeflossen sind.
    Diese Tests müssten doch beim e-Auto auch vor dem Serienstart erfolgt, d.h. abgeschlossen sein?!? Was, wenn die “Mitarbeiter” jetzt erst unter “Alltagsbedingungen” Probleme feststellen? Bis die Konstruktion und Fertigung diese lösen kann, müsste die Produktion ja dann wieder stehen, will man keinen “Schrott” produzieren…

    Das der Hochlauf neuer Fertigungslinien mehr Zeit braucht und vorübergehend geringeren Produktionsausstoß bedeutet, als wenn man “nur” einen Modellwechsel auf einer bestehenden Fertigungslinie vornimmt, will ich gern glauben.

    Fazit: Diese Erklärungen sind nicht geeignet, das Vertrauen zu VW’s “Elektroautokompetenz” bei den Kunden zu steigern und der Glaube an bald erhältliche Elektroautos schwindet.
    Mal sehen, was ich eher erlebe: Starts auf dem Berliner Flughafen oder einen verkäuflichen ID.3 beim Händler …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).