Norwegen muss bis 2040 Milliarden in Netzausbau investieren oder das Ladeverhalten muss sich verändern!

Norwegen steht Netzausbau bevor

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Bekanntermaßen präsentiert sich Norwegen im internationalen Vergleich, neben China, in puncto E-Mobilität stets auf den vorderen Rängen. Und das nicht umsonst. Denn nicht erst seit kurzem setzt man in Norwegen voll auf E-Mobilität. Im Gegenteil, Norwegen gilt als Vorreiter in puncto Elektroautos beziehungsweise elektrifizierter Fahrzeuge im Alltag. Dies zeigt sich auch ganz deutlich an den Neuzulassungen im Mai 2019.

Für Norwegen bringt dies aber auch neue Herausforderungen mit sich. Zwar ist es wunderbar, dass insgesamt rund 220.000 der 2,7 Millionen norwegischen Autos elektrifiziert sind. Ziel ist es, bis 2040 eine weitgehend klimaneutrale Flotte auf den Straßen zu haben. Aber diese möchten auch geladen werden.

Laut einer Studie, die von der norwegischen Regulierungsbehörde in Auftrag gegeben wurde, könnte der vermehrte Einsatz von Strom zum Laden von Fahrzeugen dazu führen, dass die Bürger es zu spüren bekommen. Und zwar dort wo es richtig wehtut, an ihrer Geldbörse.

Die staatlich beauftragte Unternehmensberatung Poyry gibt zu verstehen, dass das norwegische Stromnetz angesichts der Fahr- und Ladegewohnheiten, wie sie heute sind, und der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen bis 2040 für rund 1,2 Milliarden Euro (11 Mrd. norwegische Kronen) überholt werden muss. In Deutschland müsse das Netz innerhalb der nächsten zehn Jahre überholt werden; auch wenn die Strommenge an sich eben nicht das Problem sei.

„Wenn nichts getan wird, scheint es sehr wahrscheinlich, dass man jeden Nachmittag bis Abend aufladen muss“, sagte Poyrys norwegischer Direktor Kjetil Ingeberg in einem Interview mit Reuters. „In diesem Fall werden die 1,2 Milliarden Euro als Netzkosten von allen Kunden getragen.“

Noch hat man es aber in der Hand. Denn Norwegens Fahrer könnten die Kosten niedrig halten, indem sie ihre Ladegewohnheiten ändern. Das Aufladen der E-Autos in der Nacht würde die neuen Netzkosten auf fast Null senken, während das Aufladen am Nachmittag und nur bei relativ leeren Batterien knapp über 400 Millionen Euro (4 Mrd. norwegische Kronen)an Investitionen erfordern würde.

Wenn die Fahrer weiterhin jeden Nachmittag ihre Fahrzeuge anschließen, verschiebt sich die durchschnittliche Spitzennachfragezeit von acht bis neun Uhr Vormittags auf fünf bis acht Uhr am Abend, wie die Studie ebenfalls zeigt. Poyry schätzt, dass es bis 2040 etwa 1,9 Millionen Elektroautos mit einem kombinierten Jahresstrombedarf von höchstens 5 Terawattstunden (TWh) in Norwegen geben wird.

Quelle: driving.ca – Norway needs $1.6-billion power grid upgrade to support EVs by 2040: study

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Sebastian hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere Alternative Antriebe werden betrachtet.

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Das Problem ist kein Problem! Intelligente Ladestationen könnten dies alleine regeln.

Klar, die intelligente Ladesäule weiß auch vorher, daß ich nachmittags nach Hause komme und abends noch Mal los will. So eine Glaskugel hätte ich auch gerne.

Das Laderverhalten ist mit ein bisschen Datenlage statistisch ausreichend genau antizipierbar, weil Du nicht alleine in der Welt lebst, sondern Millionen von Menschen im Durchschnitt pro Wochentag immer wieder ähnliche Abläufe haben. Da kommt es auf Dich als konkrete Einzelperson gar nicht an. Wenn Du mal nicht lädst, lädt eben der Nachbar. Und wenn ihr beide nicht ladet, dann eben die Kandidaten aus der Straße 2 Blöcke weiter. Lastspitzen gibt es seit Jahrzehnten mit Kochstrom zum Mittagessen und mit Abendstrom wenn alle Glotzen angehen und mit Industriestrom von 6 – 17Uhr und nachts wenn die Nachtspeicheröfen laden.

Eine dauerhafte Netzpflege und -anpassung ist sowieso notwendig. 1,2 Mrd. bezogen auf 12 Jahre sind da relativ wenig, auch wenn man den eigentlichen Strom von der Natur fast geschenkt bekommt. Zur Einordnung: Der Umsatz im Strommarkt in Deutschland betrug 2016 ca. 300 Mrd. Euro. Nun ist zwar Norwegen deutlich kleiner, aber wenn der Umsatz im Strommarkt proportional zur Bevölkerungszahl wie in D ist, müsste er auch dort jährlich ca. 19 Mrd. Euro umfassen. Die notwendige jährliche Investition (100 Mio.) beträgt also 0,5% des Umsatzes. Klingt halt nicht so dramatisch, wie eine in den Raum geworfene Zahl ohne Relation.

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