Energiewende: Regierung legt Nationale Wasserstoffstrategie vor

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Die Bundesregierung hat das Potenzial von Wasserstoff als Energieträger erkannt und will ein Programm zur Förderung der Brennstoffzellentechnologie auf den Weg bringen. Das Programm Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) hätte schon im vergangenen Jahr vorgestellt werden sollen, nun berichten mehrere Medien von einem Entwurf, der sich aktuell in der Ressortabstimmung befinde. Die NWS soll den Rahmen der Bundesregierung umreissen für private Investitionen in die wirtschaftliche und nachhaltige Erzeugung, Transport und Nutzung von CO2-freiem Wasserstoff, heißt es.

Bei der Nationalen Wasserstoffstrategie müssen wir grün, global und groß denken“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) dem Handelsblatt. Man sei in den Beratungen „auf einem guten Weg“, ergänzte sie. „Die Strategie muss nun bald zum Abschluss kommen“, drängt die Ministerin, denn „die Nachfrage nach grünem Wasserstoff wird viel größer sein als vielfach angenommen“.

Das Ziel sei, Wasserstoff problemlos verfügbar und für jeden bezahlbar zu machen, damit er sich als Energieträger etablieren kann. Für geeignet hält die Bundesregierung die Bereiche Industrie und Verkehr, dort wo rein Batterie-elektrische Antriebe nicht eingesetzt werden können. „Insbesondere in der Luftfahrt, im Schwerlastverkehr und in der Seefahrt sind viele Routen und Anwendungen nicht direktelektrisch darstellbar“, heißt es in dem Entwurf.

Für die Bundesregierung komme dabei ausschließlich der Einsatz von CO2-freiem Wasserstoffs infrage, der auf Basis von erneuerbaren Energien hergestellt wird. Da dies nicht unmittelbar umgesetzt werden kann, hat die Regierung ein Zwischenziel formuliert: Bis 2030 sollen 20 Prozent des in Deutschland verbrauchten Wasserstoffes aus nachhaltigen Quellen wie Wind- und Solarkraft stammen.

Um Anwendungen im Bereich Wasserstoff zu fördern, sollen bis 2026 insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Fördergeldern zur Verfügung stehen. Für Reallabore der Energiewende, die den Technologie- und Innovationstransfer von der Forschung in die Anwendung beschleunigen, sollen interessierte Unternehmen und Initiativen bis zu 600 Millionen Euro bis zum Jahr 2025 erhalten. Bereits von 2006 bis 2016 waren gut 700 Millionen Euro in Entwicklungen in den Bereichen Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie geflossen.

Dem Entwurf sei zu entnehmen, dass die Bundesregierung auch den Kauf von Wasserstoffautos und -fahrzeugen massiv fördern will: 2,1 Milliarden Euro sollen für den Erwerb von Wasserstoffautos, 0,9 Milliarden Euro für den Kauf entsprechender Nutzfahrzeuge und 0,6 Milliarden Euro für Busse mit alternativen Antrieben bereitgestellt werden.

Die Bundesregierung sei sich darüber im Klaren, dass die für die Energiewende benötigte Menge an CO2-freiem Wasserstoff nicht allein in Deutschland produziert werden kann. Deshalb definieren die Autoren des Papiers Handlungsbedarf auch auf europäischer und internationaler Ebene.

Gemäß dem Motto „Shipping the sunshine“ könnte Wasserstoff in Regionen mit viel Wind, Sonne und Wasser produziert und von dort aus exportiert werden, um den Energiebedarf der Welt zu decken, beispielsweise in Nordafrika. Der Plan sieht vor, neue strategische Wasserstoff-Partnerschaften in Europa und der Welt aufzubauen. Mit einem „Potenzialatlas Grüner Wasserstoff“ etwa will das Forschungsministerium gemeinsam mit afrikanischen Partnern die Chancen von grünem Wasserstoff für eine nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents analysieren. Damit sollen auch neue Exportchancen und Absatzmärkte für innovative Technologieunternehmen aus Deutschland geschaffen werden.

Quelle: Handelsblatt — „Nationale Wasserstoffstrategie“: 31 Maßnahmen, die Deutschland zum Vorreiter machen sollen // Spiegel — Altmaier will “globale Vorreiterrolle” bei CO2-freiem Wasserstoff // BMBF — Nationale Wasserstoffstrategie

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19 Antworten

  1. 20% aus regenerativen Energie????? Haben die den Schuß nicht gehört???? Wasserstoff MUß aus 100% regenerativer Energie sein sonst ist er extrems Ineffizient und Klimaschädlich. Für die Wasserstoff Erzeugung braucht man Strom. Warum diesen nicht direkt Verbrauchen sondern verlustreich in Wasserstoff speichern????
    ….ich sag doch… Inkompetenz weit und breit auf den Entscheiderebenen ….

  2. Man braucht zur Herstellung viel Sonnenenergie. Wo steht dieses zur Verfügung? Genau, dort wo die Asylanten nach Europa starten, in Afrika. Wasserstoff wäre dort dann Arbeitgeber…. Transportieren in die Welt stellt technisch auch nichts im Weg. Die Lösung wäre so einfach.

    1. Das hört sich einfach an. Ich hätte da aber gerne ein paar Zahlen dazu. Fakt ist, dass jede Transformation von Energie mit Verlusten einhergeht. Da würde mich schon interessieren, wie viel von einer erzeugtem KWh in Afrika letztendlich in Deutschland ankommt. Vermutlich nicht mal mehr ein zehntel bis es im Tank des Verkehrsmittels ist, das sich dann in Deutschland bewegt. Das bedeutet, dass entsprechend mehr Solarpanele in Afrika aufgestellt werden müssen als dies in Deutschland der Fall wäre. Wir haben hier aber noch ein riesiges Potenzial an ungenutzten Hausdächern. Würde man es den kleinen Hausbesitzern leichter machen könnten wir unseren Wasserstoff in Deutschland selbst produzieren und hätten deutlich weniger Umwandlungs- und Transportverluste. Nicht falsch verstehen, ich will auch, dass man in Südafrika was unternimmt um damit es Ihnen besser geht und die Migration in die nördlichen Industrieländer damit unattraktiver wird, aber Wasserstoff aus Solarstrom aus Südafrika importieren ist eine Milchmädchenrechnung die aufs Klima bezogen nicht aufgehen kann.

      1. Eine kurze Antwort: Ja es kann funktionieren. Schauen Sie. Die USA pusht Ihr Fracking Gas. Da benötigt man ca. 1kwh um 2 kWh aus dem Boden zu ziehen. Dabei ist es noch eine riesen Umweltsauerei und trotzdem wird es gemacht. Wasserstoff Elektrolyse hat einen Wirkungsgrad von bis zu 80%. Natürlich gibt es durch die Transportkette weitere Verluste, aber das ist bei allen Energieträgern der Fall.

        1. “Natürlich gibt es durch die Transportkette weitere Verluste, aber das ist bei allen Energieträgern der Fall.”
          und deswegen sind viele dezentrale Lösungen mit lokaler Zwischenspeicherung (s. https://www.elektroauto-news.net/2020/jenabatteries-basf-entwickeln-redox-flow-stromspeichertechnologie/) und direkter Verwendung auch viel interessanter.
          Ganz nebenbei würde man sich damit auch unabhängiger von weltpolitischen Ereignissen machen.

      2. Es gibt einfach folgendes Problem: Schon bei der heutigen Menge an Solar- und Windstrom gibt es Zeiten, wo man zu viel Energie hat. Wenn wir die Photovoltaik in den nächsten Jahren auf ein Mehrfaches von heute hochfahren, wird sehr viel Energie zur falschen Zeit anfallen. Diese Energie muss man irgendwie speichern. Jede Speicherung hat einen gewissen Anteil an Verlust. Für eine längerfristige Speicherung zum Ausgleich von jahreszeitlichen Schwankungen gibt es nicht viele überzeugende Lösungen.
        Eine Variante besteht nun darin, das letzte Drittel der notwendigen Solarpanel nicht hier, sondern in der afrikanischen Wüste aufzustellen – wo sie fast das Doppelte einbringen und auch keine wertvolle Fläche besetzen -, den dort nicht sofort benötigten Strom in Wasserstoff umzuwandeln und ihn hierhin zu transportieren. Das ist ein möglicher Teil einer Lösung des Problems und es sieht danach aus, dass man das tun wird. Ist das jetzt so blöd?

        1. Leider ist es nicht nur das letzte Drittel das fehlt.
          Würden wir in Deutschland alle Möglichkeiten ausschöpfen bzw. mal anfangen alle verfügbaren Dächer mit Solar zu bestücken und die Gemeinden an den Gewinnen von Windanalgen zu beteiligen um deren Akzeptanz zu bekommen, müsste man in Verbindung mit Langspeichern wie Redox-Flow “https://www.elektroauto-news.net/2020/jenabatteries-basf-entwickeln-redox-flow-stromspeichertechnologie/” nicht Energie um die halbe Welt transportieren.

          1. Was wäre daran so schlimm, wenn wir Energie um die halbe Welt transportieren? Globalisierung heißt Arbeitsteilung. Damit verkauft jedes Land das, was es am Besten kann. Deutschland verkauft Maschinen, südlichere Länder mit viel Solareinstrahlung günstige Energie. Eine Win-Win-Situation.

  3. Alles schön und gut. Die zur Zeit verfügbare Technologie zum Wassercracken hat einen Wirkungsgrad von ca. 30%. Es gibt zwar Laborlösungen, die über 60% Wirkungsgrad versprechen, aber ob die wirtschaftlich angewendet werden können, steht in den Sternen. Jetzt muss nur noch einer den Windkraft- und Solarparkbetreibern verklickern, dass sie auf 70% ihrer Vergütung wegen des Speicherverlusts verzichten müssen. Die nächste Pleitewelle steht vor der Tür.

    1. Es ist ganz einfach,selbst ein Wirkungsgrad von nur 30% ist gut,denn die Sonne und der Wind schickt keine Rechnung. Der Transport mit Schiffen ,auch kein Problem,die fahren auch mit Wasserstoff! Wo ist das Problem? Nur unsere Batterie Fans haben anscheinend ein Problem damit,vergessen aber die Umweltbelastung der Herstellung und den verbrauchen von begrenzt verfügbarem Silizium und Kobald(nicht zu verwechseln mit Kobold)den die Grünen brauchen. Dazu kommen die langen Ladezeiten die niemand haben will. Das E-Auto ist ein Tod gebohrenes Merkel Kind.

      1. So ganz unrecht haben Sie natürlich nicht. Aber wir machen uns dann auch wieder abhängig. Bauen wir stattdessen Solar- u. Windenergieerzeugung in Deutschland aus, könnten wir den Strom sehr effizient direkt in Akkus speichern und mit den BEVs verfahren. Überschüssig erzeugter Strom kann auch in Deutschland zur Wasserstoffgewinnung genutzt werden. In Summe bräucht man so weniger Energie und damit Ressource und nebenbei bleiben wir vom Ausland unabhängig.

  4. Ich habe auch gerade meine Strategie „Millionär bis 2030“. Bis 2025 habe ich eine kompakte Wasserstoffproduktionsmaschine auf Basis heißer Luft entwickelt. Die ist derzeit eine unbegrenzt zur Verfügung stehende Ressource. Auf jeden Fall stehen mir da Millionen Fördergeldet zu, Dich mich mit Sicherheit zum Millionär machen, indem ich einfach nicht alle Fördermittel in das Projekt stecke. Auf geht‘s!

  5. “Bei der Nationalen Wasserstoffstrategie müssen wir grün, global und groß denken“
    Vielleicht sollte man nicht gleich zu den Sternen greifen, und mal die Elektromobilität zum Laufen bringen, z.B. einen gültigen Antrag bei der EU einreichen…

  6. Also es gibt Berichte von Experten, die besagen, dass in Deutschland massenhaft Erneuerbare abgeregelt werden, weil die Stromleitung gerade verstopft ist. Das sind jährlich ein paar TWh. Lange hat man sich nicht darum gekümmert, dass daraus wenigstens H2 entsteht. Das ändert sich aber allmählich.

    Vor einigen Jahren rechnete jemand vor, dass allein der ungenutzte Überschussstrom aus deutscher erneuerbarer Produktion ausreichen würde um bei der heutigen Technologie 800.000 H2-Autos ein Jahr lang zu betreiben. Und diese Rechnung bezieht sich allein auf bereits vorhandenen Überschussstrom & herkömmliche Elektrolyse-Verfahren. Nicht berücksichtigt werden dabei etwa Verfahren, die aus Abwasser mit geringerem Aufwand größere Mengen H2 herstellen & dabei zugleich das Abwasser reinigen, oder sonstige Verfahren, die in Entwicklung oder Erprobung sind oder sich auf dem Markt noch nicht allgemein durchgesetzt haben.

    Hätte man frühzeitig das Konzept gehabt, nicht genutzte Erneuerbare vor Ort oder an Knotenpunkten in H2 umzusetzen, gäbe es keinen schmutzigen H2 mehr an deutschen Tankstellen. Die Autoindustrie könnte gar nicht so schnell so viele H2-Autos produzieren, um diese Menge zu nutzen. Stattdessen haben wir an deutschen Tankstellen überwiegend H2 aus Erdgas & diejenigen Windmüller, die schon H2 produzieren, speisen in Ermangelung vernünftiger Vertriebswege oft ins Erdgasnetz ein oder überlegen die Produktion künstlicher Treibstoffe aus H2 & CO2. Eine nationale H2-Strategie wäre für mich daher, zuerst einmal die vorhandenen Ressourcen gescheid zu nutzen, zu vergüten & auszubauen.

  7. Nachtrag : Man ist natürlich inzwischen auf diese Überkapazitãten aufmerksam geworden & es gibt eine Reihe von Begehrlichkeiten & diverse Nutzungspfade:

    Es gibt zum Beispiel eine PtH-Strategie (power to heat). So entsteht in Rostock ein Kraftwerk, das aus Überschussstrom Fernwärme generiert. Es entsteht aber meines Wissens auch an einem wichtigen Knotenpunkt der größte Elektrolyseur der Republik. Das heißt, sowohl Wärme als auch H2 sind aktuell ein Thema.

    Es gibt die Idee, dass Überschussstrom in Wärme-Speicher-Kraftwerken zu speichern. Eine entsprechende Anlage entsteht meines Wissens derzeit in Hamburg. Es gibt die Tendenz, mit H2 Biogas Erdgas-Auto-tauglich zu machen. Soweit ich weiß, passiert das gerade in einem Pilotprojekt in Berlin. Es gibt den Versuch, aus H2 & CO2 Methan (CH4 = “Erdgas”) oder gar Benzin & Diesel herzustellen. Eine bzw mehrere solche Anlagen finden sich bei Audi. Es gibt die Vorstellung, H2 als lokalen Energiespeicher zu verwenden & so Rechenzentren mit Erneuerbaren, Elektrolyseuren und Brennstoffzellen-Kraftwerken autark zu machen – siehe auf Englisch beworbene Produktlinie von Daimler.

    Aber auch Batterien haben ihre Nutzer. Es gibt bereits heute große Batterie-Speicher, meines Wissens vor allem auf dem Betriebsgelände von Konzernen aus der Automobilbranche. Und es gibt das Konzept des virtuellen Kraftwerks aus Kleinspeichern von Autos, Solaranlagen & modernen Elektroheizungen. Zu letzterem läuft ein Modell-Projet in München. Das heißt, die Wirklichkeit ist schon heute vielschichtiger als unsere politischen Diskussionen. Wenn man also die Erneuerbaren mutig ausbaut & parallel die verschiedenen Nutzungspfade für Überschussstrom erschließt, ist schon viel gewonnen.

  8. Ich finde es gut wenn viel grüner Wasserstoff importiert wird. Denn es wird einem ganz anderen große Problem damit entgegengewirkt: Dem deutschen Exportüberschuss. Ich glaube auch nicht das wir uns von einem Anbieter / einer Region abhängig machen werden denn es wird sehr viele über die ganze Welt verteilte Anbieter von grünem Wasserstoff geben. Der Transport ist flexibler als der Transport von Strom über Stromleitungen.

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