Niederländer entwickeln 3D-Festkörperbatterie

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Wiederaufladbare Batterien auf Lithiumbasis sind für zahlreiche Anwendungen immer gefragter, von tragbaren und implantierbaren Geräten bis hin zum Antrieb von Elektroautos oder für Stationärspeicher für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage bei erneuerbaren Energien. Batteriehersteller streben daher eine höhere Energiespeicherkapazität, eine längere Produktlebensdauer und kürzere Ladezeiten an. In diesem schnell wachsenden Markt sind kurze Produktionszeiten zu möglichst geringen Kosten entscheidend für den Erfolg.

Experten der niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (TNO) entwickeln am Forschungsinstitut Holst Center in Eindhoven einen revolutionären Batterietyp, der auf 3D-Technologie und Festkörperschichten basiert. Im Vergleich zu den derzeit verwendeten „flüssigen“ Lithiumbatterien sollen diese „3D-Festkörper-Dünnschichtbatterien“ leichter und sicherer sein. Sie sollen in kürzester Zeit aufgeladen sein und eine lange Produktlebensdauer aufweisen, teilt TNO mit. Ein Prototyp soll nun zeigen, dass diese vielversprechende Technologie funktioniert und für die Massenproduktion geeignet ist.

Die neuen Festkörperbatterien werden hergestellt, indem eine Struktur mit abstehenden Metallstiften mit ultradünnen Schichten aus Funktionsmaterial bedeckt wird, wodurch eine 3D-Struktur mit einer sehr großen Oberfläche und sehr kurzen Abständen zwischen beiden Batterieelektroden entsteht. Die Lithium-Ionen müssen nur eine kurze Strecke zurücklegen, was die Lade- und Entladezeiten beschleunigen soll. Der Vorteil des Festkörpers liege darin, dass keine oder nur eine geringe Brand- oder Explosionsgefahr besteht. Die ersten Anwendungen werden voraussichtlich in tragbaren Geräten integriert. Langfristig sollen auch größere Batterien für Fahrzeuge entwickelt werden.

„Unsere Forscher sind Pioniere auf dem Gebiet der 3D-Festkörperarchitektur. Durch die Anwendung der räumlichen Atomic Layer Deposition (sALD), einer von TNO in Zusammenarbeit mit Industriepartnern in Eindhoven entwickelten Technologie, können die Batterieschichten gleichmäßig auf einer 3D-Struktur abgeschieden werden. Dies führt zu einer neuen Batterietechnologie, die Sicherheit, Ladegeschwindigkeit und Lebensdauer von Batterien erheblich verbessern kann. Wir freuen uns, dass auch die Provinz, das Ministerium und TNO an diese wichtige Entwicklung für die Niederlande glauben und in eine Pilotlinie investieren. Damit können wir einen Prototyp bauen, der zeigt, dass diese vielversprechende Technologie für die Produktion von Batterien in großem Maßstab geeignet ist.“ Ton van Mol, Geschäftsführer des TNO Holst Center

Mit Hilfe staatlicher Zuschüsse soll nun eine Pilotlinie entwickelt werden um zu zeigen, dass die Technologie funktioniert. Die Provinz Nordbrabant leistet einen Beitrag von 1,5 Millionen Euro, das niederländische Ministerium für Wirtschaft und Klimapolitik steuert 3 Millionen Euro bei.

Quelle: TNO — Pressemitteilung vom 29.06.2020

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Uwe:

Ich denke, du irrst. Im Text heißt es, dass die Lithium-Ionen durch die neue Herstellungstechnologie kürzere Wege zurücklegen und das Ganze damit effizienter wird. Das klingt mir nicht nach einem Kondensator. ;-)

ChemieGuru:

Ja, das sind sogennante „Supercaps“, oder auf Deutsch „Superkondensatoren“… Aber bei der Energiedichte hinken sie konventionnelen Li-Batterien (LIB) hinterher… Das ist im Grunde genommen nichts neues…

Jürgen Sauter:

Im Prinzip richtig, aber: die Forschung besteht ja auch darin, aus den „paar Farad“ so viele zu machen, dass man mit einem Elektrofahrzeug hunderte Kilometer Reichweite hat.

Elektronik Versteher:

Ich kann mich jetzt zwar nicht mehr so genau an die Vorlesung in meinem Elektrotechnik Studium erinnern und bin auch kein Spezialist in Elektrochemie und Akkutechnologie. Was man uns da als Wunderakku verkaufen möchte, ist für mich nichts anderes als ein Elektrolyt Kondensator mit Flüssig-Dielektrikum. Sehr große Flächen, schnelle Lade- und Entladevorgänge, hohe Kapazität, nahezu unendlich viele „Ladezyklen“ zeichnen so ein Bauteil aus. Diese Passiven Elemente gibt es schon seit über 100 Jahren. Das muss niemand mehr neu erfunden. Nur leider wird daraus kein neuer Wunderakku, denn die Speicherfähigkeit solcher Bauteile beträgt bestenfalls ein paar Farad. Das reicht dafür, um einen Elektromotor Starthilfe zu geben!

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