Ford und Geely prüfen mögliche Partnerschaft in Europa

Ford und Geely prüfen mögliche Partnerschaft in Europa
Copyright:

Ford

Maria Glaser
Maria Glaser
  —  Lesedauer 4 min

Die US-amerikanische Automarke Ford und der chinesische Automobilhersteller Geely führen Gespräche über eine mögliche Partnerschaft in den Bereichen Fertigung und Entwicklung von Technologien. Reuters zufolge gab es dazu Berichte mehrerer mit den Verhandlungen vertrauter Personen. Hintergrund der Gespräche ist der zunehmende Kostendruck in der globalen Automobilindustrie.

Im Zentrum der Diskussionen steht die potenzielle Nutzung europäischer Fabriken von Ford durch Geely. Als möglicher Produktionsstandort gilt insbesondere das Ford-Werk im spanischen Valencia. Dabei gehe es, so Reuters, um die Fertigung von Fahrzeugen für den europäischen Markt. Außerdem ist eine gemeinsame Entwicklung von Technologien im Gespräch, wie das automatisierte Fahren.

Die Verhandlungen seien bereits seit mehreren Monaten im Gange, so der kürzlich erschienene Bericht von Reuters. Zuletzt trafen sich in der vergangenen Woche Führungskräfte beider Unternehmen in den USA, bevor Ford nun eine Delegation nach China entsandte, um die Gespräche weiter zu vertiefen. Ob und in welchem Umfang es zu einer Vereinbarung kommt, ist derzeit offen. Auch ist unklar, ob eine mögliche Kooperation über Europa hinausreichen würde. Ford erklärte, man führe regelmäßig Gespräche mit verschiedenen Unternehmen, die nicht zwangsläufig zu konkreten Ergebnissen führen.

Politische Dimension der Zusammenarbeit

Eine Fertigung von Geely-Fahrzeugen in europäischen Ford-Werken könnte dem chinesischen Hersteller helfen, die von der Europäischen Union verhängten Zölle auf in China produzierte Elektroautos zu umgehen. Die EU hatte 2024 vorläufige Importzölle von bis zu 37,6 Prozent eingeführt und dies mit Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Subventionen begründet.

Auch mit Blick auf den US-Markt wäre eine engere Zusammenarbeit mit einem chinesischen Hersteller von politischer Bedeutung, denn dort sind chinesische Autohersteller aufgrund von Zöllen und Beschränkungen seit der Zeit der Biden-Regierung ausgeschlossen. US-Behörden verwiesen dabei auf nationale Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit Fahrzeugsoftware und Datenerfassung, weshalb die Verwendung von Kommunikationstechnologien und -diensten, unter anderem aus China, in vernetzten Fahrzeugen, die in den USA verkauft und genutzt werden, eingeschränkt wurde.

Zwar hat sich die Politik unter Trump in vielerlei Hinsicht geändert, jedoch bleiben diese Vorschriften in Kraft. Eine kommerzielle Kooperation, die chinesische Technologien in Fahrzeuge für den US-Markt einbinden würde, könne daher politisch geprüft werden, so Reuters. Trump zufolge seien chinesische Autohersteller in den USA willkommen, wenn Investitionen und Arbeitsplätze damit einhergingen.

Der Ford-CEO Jim Farley sieht in einem möglichen Joint Venture kein Problem für die USA und ihren Präsidenten Trump: „Solange es die richtigen Leitplanken gibt und wir richtig darüber nachdenken. Ich habe in der gesamten Regierung Offenheit dafür gefunden, weil ich glaube, dass sie wissen, dass es notwendig ist“, so Farley. Zuvor hat Ford in den USA viel Gegenwind dafür bekommen, Elektroauto-Akkus vom chinesischen Batteriehersteller CATL für ein Werk in Michigan zu lizenzieren.

Partnerschaften als Trend der Branche

Die Gespräche zwischen Geely und Ford fügen sich in einen breiteren Trend ein: Angesichts hoher Investitionen in Elektromobilität, Software und automatisierte Fahrfunktionen suchen immer mehr Automobilhersteller nach Partnerschaften, um Kosten zu senken. Mehrere chinesische Hersteller haben bereits Schritte unternommen, um Produktionskapazitäten in Europa aufzubauen. So werden Fahrzeuge von Leapmotor im Rahmen eines Joint Ventures in einem spanischen Stellantis-Werk gefertigt. Die chinesische Guangzhou Automobile Group und Xpeng bauen wiederum ein Elektromodell in einem Werk von Magna International in Österreich.

Auch Ford hat kürzlich einen Vertrag über die Produktion von Elektroautos mit Renault geschlossen. Eine Zusammenarbeit mit Geely könnte für den US-Hersteller vor allem technologisch von Bedeutung sein. Ford-CEO Farley hat betont, dass sein Unternehmen den Wettbewerbsrückstand gegenüber China aufholen müsse. In einem Interview im letzten Jahr bezeichnete Farley Chinas weltweite Führungsposition bei Elektroautos und Fahrassistenzsystemen als demütigend. Grundsätzlich sind viele US- und europäische Hersteller im Bereich Elektromobilität und vernetzter Fahrzeuge gegenüber chinesischen Wettbewerbern ins Hintertreffen geraten. Eine Kooperation könnte dazu beitragen, Entwicklungszeiten zu verkürzen und Zugang zu fortschrittlichen Technologien zu erhalten.

Geely wiederum verfügt bereits über umfangreiche Erfahrung mit internationalen Partnerschaften. Der Konzern ist unter anderem mit Renault in Südkorea und Brasilien aktiv und nutzt dabei Fabriken und Vertriebsnetz des französischen Konzerns. Diese Strategie scheint sich auszuzahlen, denn die Verkäufe der Marke Renault außerhalb Europas stiegen 2025 um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während sie 2024 noch um 0,6 Prozent zurückgingen. Außerdem hält Geely Beteiligungen an Marken wie Volvo Cars oder Lotus und besitzt Zeekr sowie Lynk & Co. Geely steigerte seinen Absatz im Jahr 2025 deutlich um 39 Prozent auf mehr als 3 Millionen Fahrzeuge. Damit liegt der Konzern hinter BYD auf Platz 2 der größten Automobilhersteller Chinas.

Ob die Gespräche zwischen Ford und Geely zu einer konkreten Vereinbarung führen, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass der zunehmende Wettbewerbsdruck und die hohen Investitionen in neue Technologien die Bedeutung strategischer Allianzen in der Automobilindustrie weiter erhöhen.

Quelle: Reuters – Exclusive: Ford and Geely in talks for manufacturing, technology partnership, sources say

worthy pixel img
Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in China Elektroauto

IG Metall warnt vor schnellem Markteintritt chinesischer Lkw-Hersteller

IG Metall warnt vor schnellem Markteintritt chinesischer Lkw-Hersteller

Tobias Stahl  —  

Chinesische Lkw-Hersteller drängen schneller nach Europa als erwartet – nun warnt die IG Metall vor erheblichen Folgen für Arbeitsmarkt und Wertschöpfung.

BYD und MG: Erobern sie nun den deutschen Automarkt?

BYD und MG: Erobern sie nun den deutschen Automarkt?

Daniel Krenzer  —  

Chinesische Autohersteller wie MG und BYD bauen ihre Präsenz in Deutschland langsam aus und erhöhen den Wettbewerbsdruck im Markt für Elektroautos.

Volkswagen startet mit neuer Elektronikarchitektur für China

Volkswagen startet mit neuer Elektronikarchitektur für China

Tobias Stahl  —  

Volkswagen hat seine neue Elektronikarchitektur für den chinesischen Markt planmäßig fertiggestellt. Sie feiert ihre Premiere im VW ID.Unyx 07.

Südafrika denkt über höhere Zölle auf Autos aus China und Indien nach

Südafrika denkt über höhere Zölle auf Autos aus China und Indien nach

Daniel Krenzer  —  

Die Regierung prüft Berichten zufolge höhere Importzölle auf Fahrzeuge aus China und Indien.

Mehrere Audi-Händler in China schließen wegen Absatzrückgangs

Mehrere Audi-Händler in China schließen wegen Absatzrückgangs

Daniel Krenzer  —  

Audi schließt in China Händler wegen Absatzrückgangs. Neue Elektro-Modelle und Rabatte sollen die Krise abfedern.

Absatzkrise: Porsche schließt jede dritte Verkaufsstelle in China

Absatzkrise: Porsche schließt jede dritte Verkaufsstelle in China

Tobias Stahl  —  

Porsches China-Geschäft ist im vierten Jahr in Folge rückläufig – nun zieht der Hersteller Konsequenzen: Jeder dritte Showroom soll seine Türen schließen.