IG Metall warnt vor schnellem Markteintritt chinesischer Lkw-Hersteller

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Tobias Stahl
Tobias Stahl
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Der Markteintritt chinesischer Lkw-Hersteller in Europa schreitet schneller voran als erwartet – und könnte aus Sicht von Gewerkschaften erhebliche Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt haben. Davor warnt die IG Metall in Baden-Württemberg mit Blick auf eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI, beauftragt und finanziert im Rahmen des Transformationsnetzwerks CARS 2.0. Ohne entschlossene politische Gegenmaßnahmen drohe demnach ein Verlust von Wertschöpfung, industrieller Kompetenz und Beschäftigung, insbesondere im industriestarken Südwesten Deutschlands.

Die Fraunhofer-Studie zeigt, dass chinesische Nutzfahrzeughersteller ihren Eintritt in den europäischen Markt rund dreimal schneller vollziehen als bei früheren Expansionen, etwa in Südafrika. Hersteller wie SANY, Foton, FAW und neue Anbieter wie SuperPanther setzen inzwischen verstärkt auf Partnerschaften, eigene Produktionsstandorte und den schnellen Aufbau von Service- und Vertriebsnetzen in Europa.

„Im Lkw-Sektor darf uns nicht das passieren, was wir im Pkw-Bereich erleben“

„Die etablierten Hersteller aus China haben wertvolle Erfahrungen beim Markteintritt in internationalen Märkten – wie in Südafrika, oder im Bussegment in der EU – sammeln können“, sagt Studienautor Dr. Christian Lerch vom Fraunhofer ISI. „Beim Truck-Markt in der EU sehen wir ein vergleichbares Vorgehen wie in Südafrika – allerdings durchlaufen sie hier den Markteintrittszyklus deutlich schneller. Für den Aufbau vergleichbarer Wertschöpfungsstrukturen haben sie lediglich ein Drittel der Zeit benötigt. Die Bedrohung ist also groß und wächst mit jedem Tag.“

Die IG Metall in Baden-Württemberg warnt in ihrer Pressemitteilung allerdings weniger vor der Marktverschiebung an sich und mehr vor den möglichen Folgen für Beschäftigung und Standorte. Bezirksleiterin Barbara Resch warnt, dass ohne konkrete politische Maßnahmen zentrale Wertschöpfungsketten aus Deutschland abwandern könnten: „Bleiben politische Weichenstellungen aus, wandern Zukunftstechnologien wie Batterie- und Wasserstoffantriebe aus Baden-Württemberg ab. Das hätte gravierende Folgen: Zunächst verlieren die Zulieferer Wertschöpfung und Beschäftigung, später auch die Hersteller. Im Lkw-Sektor darf uns nicht das passieren, was wir im Pkw-Bereich erleben.“

Fraunhofer-Studie: Junge Lkw-Hersteller aus China greifen gezielt europäische Kernkompetenzen an

Besonders kritisch bewertet die Studie das Auftreten junger chinesischer Lkw-Start-ups. So habe das erst 2022 gegründete Unternehmen SuperPanther in kurzer Zeit ein europäisches Partnernetzwerk aufgebaut, das unter anderem Logistikunternehmen, Prüforganisationen und Zulieferer umfasst, darunter etwa DHL, TÜV Nord und Alltrucks. Mit Steyr Automotive hat SuperPanther einen Produktionsvertrag über 16.000 schwere Elektro-Lkw ab 2026.

Aus Sicht der IG Metall greifen Anbieter wie SuperPanther gezielt Kernkompetenzen der europäischen Nutzfahrzeugindustrie an. Die Kombination aus schnellen Produktionsanläufen, aggressiven Preisen und hoher Skalierung bedrohe klassische Wettbewerbsvorteile in Baden-Württemberg und dort insbesondere im Zulieferbereich für Antriebsstränge und elektrische Komponenten.

Qualitäts- statt Preiskampf: Betriebsräte fordern gemeinsame europäische Strategie

Betriebsräte großer Nutzfahrzeughersteller stellen sich hinter die Warnungen der IG Metall. Michael Brecht, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Daimler Truck, fordert einen gemeinsamen europäischen Ansatz. „Wenn unsere Industrie bei der Elektromobilität wettbewerbsfähig sein soll, brauchen wir einen europaweiten strategischen Industrieplan, der die Entwicklung und Produktion von Batteriezellen fördert und das Risiko für die Unternehmen minimiert“, so Brecht. „Außerdem müssen die Hersteller in die Lkw investieren. Wir können den Kostenwettbewerb nicht gewinnen, also müssen wir die besseren Fahrzeuge haben. Und schließlich brauchen wir eine EU-Förderung, von der auch bestehende Industrie-Cluster profitieren. Das ist wichtig für den Erhalt unserer Standorte und der Arbeitsplätze.“

Auch Wilfried Schmid, Konzernbetriebsratsvorsitzender bei Iveco Magirus, kritisiert den Mangel an politischen Leitlinien: „Wenn China bereit ist zu investieren, aber Europa nicht bereit ist zu bauen, beschleunigen wir den Abstieg unserer eigenen Industrie. Uns fehlt ein politischer Masterplan für Infrastruktur, Energiepreise und Technologieoffenheit. Ohne diesen Plan verlieren wir Wertschöpfung, mit dramatischen Folgen für die Kolleginnen und Kollegen. Wir müssen die Regeln neu definieren. Der Markt wird es richten und die freien marktwirtschaftlichen Ansätze, das ist aktuell der Weg in das Aus für die deutsche Industrie und in die Arbeitslosigkeit für unsere Kolleginnen und Kollegen. Wir haben es mit einem Gegner zu tun, der die Planwirtschaft perfekt beherrscht.“

Quelle: IG Metall – Pressemitteilung vom 27.01.2026

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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