Südafrika denkt über höhere Zölle auf Autos aus China und Indien nach

Südafrika denkt über höhere Zölle auf Autos aus China und Indien nach
Copyright:

Shutterstock / 2262097357

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 2 min

Südafrika erwägt angesichts stark wachsender Fahrzeugimporte aus China und Indien eine deutliche Anhebung seiner Importzölle. Ziel ist es, die heimische Automobilindustrie besser zu schützen und Arbeitsplätze im Land zu sichern, berichtet das Fachportal CnEVpost. Wie aus Regierungskreisen verlautet, könnten die Abgaben auf komplett importierte Fahrzeuge demnach von derzeit rund 25 Prozent auf bis zu 50 Prozent steigen – ein Wert, der im Rahmen der bei der Welthandelsorganisation hinterlegten Höchstgrenzen liegt.

Hintergrund der Überlegungen ist eine rasante Verschiebung der Marktanteile. Mehr als die Hälfte aller importierten Fahrzeuge in Südafrika stammt inzwischen aus China, weitere gut 20 Prozent kommen aus Indien. Auch die Zahl an Elektroautos wächst dabei. Besonders auffällig ist das Wachstum chinesischer Importe, die sich innerhalb weniger Jahre vervielfacht haben. Günstige Preise und eine immer breitere Modellpalette sorgen dafür, dass Fahrzeuge aus Fernost vor allem im Einstiegssegment stark gefragt sind – sehr zum Nachteil lokaler Hersteller und Zulieferer.

Das südafrikanische Handels- und Industrieministerium prüft dem Bericht zufolge nun, ob höhere Zölle ein geeignetes Mittel sind, um diesen Trend zu bremsen. Diskutiert werden nicht nur Aufschläge auf komplette Fahrzeuge, sondern auch moderate Erhöhungen auf bestimmte Fahrzeugkomponenten. Gleichzeitig betont die Regierung, dass man sich an internationale Handelsregeln halten und keine unzulässigen Protektionsmaßnahmen ergreifen wolle.

Chinesen wollen auch Produktion verlagern

Interessant ist dabei, dass der wachsende Einfluss chinesischer Hersteller nicht nur über Importe erfolgt. Marken wie Chery oder Great Wall Motors haben ihre Verkäufe in Südafrika zuletzt deutlich gesteigert und ihre Präsenz vor Ort ausgebaut. Chery plant zudem, Produktionskapazitäten des japanischen Herstellers Nissan in Rosslyn bei Pretoria zu übernehmen – ein Schritt, der als Signal für eine stärkere lokale Fertigung interpretiert werden kann.

Damit zeigt sich die Ambivalenz der aktuellen Debatte: Einerseits möchte Südafrika seine eigene Industrie vor reinen Importen schützen, andererseits sind ausländische Investitionen ausdrücklich erwünscht, wenn sie Wertschöpfung und Beschäftigung ins Land bringen. Die möglichen Zollerhöhungen sind daher Teil einer umfassenderen industriepolitischen Diskussion, die auch die Rolle neuer Antriebstechnologien und die Position Südafrikas im globalen Wandel der Automobilbranche einschließt. Konkrete Entscheidungen werden in den kommenden Monaten erwartet.

In der EU indes wurde nach einigen Monaten mit Strafzöllen auf chinesische Elektroautos eine neue Lösung gefunden. Chinesische Hersteller sollen künftig verpflichtet sein, gewisse Mindestpreise für ihre Fahrzeuge aufzurufen, um den Markt nicht mit Billigautos zu überschwemmen.

Quelle: CnEVpost – South Africa considers tariffs on vehicles from China and India

worthy pixel img
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in China Elektroauto

Chinas Automarkt bricht ein – inklusive Elektroautos

Chinas Automarkt bricht ein – inklusive Elektroautos

Daniel Krenzer  —  

Chinas Autoabsatz fällt im Januar deutlich – auch E-Autos und Hybride geraten zumindest vorübergehend gewaltig unter Druck.

Cupra Tavascan entgeht EU-Zusatzzoll für China

Cupra Tavascan entgeht EU-Zusatzzoll für China

Sebastian Henßler  —  

Brüssel nimmt den Cupra Tavascan von Zusatzzöllen aus. Grundlage ist eine Mindestpreisregelung, die VW Anhui vorgeschlagen hat.

Nio: Rentabilität als Jahresziel 2026

Nio: Rentabilität als Jahresziel 2026

Maria Glaser  —  

William Li, Gründer und CEO des chinesischen Autoherstellers, bekräftigte bei einer internen Ansprache, in diesem Jahr Rentabilität erreichen zu wollen.

Ghosn: Wie politische Inkonsequenz den E-Auto-Markt schwächt

Ghosn: Wie politische Inkonsequenz den E-Auto-Markt schwächt

Sebastian Henßler  —  

Fokus statt Technologieoffenheit: Carlos Ghosn erklärt, warum zu viele Antriebspfade Europas Autohersteller schwächen und China davon profitiert.

Carlos Ghosn im Exklusiv-Interview zur Auto-Zukunft Europas

Carlos Ghosn im Exklusiv-Interview zur Auto-Zukunft Europas

Sebastian Henßler  —  

Carlos Ghosn blickt nüchtern auf Europas Autoindustrie, kritisiert politische Inkonsequenz und erklärt, warum ohne klare Strategie Chancen verspielt werden.

Experten: Mindestpreisregelung der EU ist nur eine kurzfristige Lösung

Experten: Mindestpreisregelung der EU ist nur eine kurzfristige Lösung

Laura Horst  —  

Experten sehen in den EU-Preisuntergrenzen lediglich eine kurzfristige Maßnahme, um gegen das Preis-Dumping chinesischer Hersteller vorzugehen.

Chery verschiebt Produktionsstart in Spanien erneut

Chery verschiebt Produktionsstart in Spanien erneut

Sebastian Henßler  —  

Chery verschiebt den Start seiner Europa-Produktion erneut. Der tatsächliche Fertigungsbeginn im Werk rückt nun Richtung Ende 2026.