Elektroautos als Stromlieferant: Eon und Nissan testen V2G in Großbritannien

Elektroautos als Stromlieferant: Eon und Nissan testen V2G in Großbritannien
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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 2 min

Das Energieunternehmen Eon und Nissan haben in Großbritannien im Rahmen eines Pilotprojekts 20 V2G-Ladestationen (Vehicle-to-Grid) aufgebaut. Mit diesen wollen die beiden Unternehmen zeigen, wie elektrische Transporter und Elektroautos eine Rolle bei der Unterstützung des Stromnetzes spielen und zudem eine rentable und nachhaltige Lösung für Geschäftsflotten bieten können.

Die Installation am European Technical Center von Nissan in Cranfield gut 100 Kilometer nördlich von London ist die erste in einer von Innovate UK kofinanzierten groß angelegten V2G-Studie. Das Projekt wird erproben und demonstrieren, wie das Speichern und Teilen von Strom in den Batterien von Flottenfahrzeugen zusätzliche Einnahmen für die teilnehmenden Unternehmen generieren und das Stromnetz entlasten kann. Nach der Validierung der Technologie am Nissan-Standort in Cranfield rekrutiert das Projekt nun weitere Teilnehmer für weitere Tests und plant den Einsatz von V2G-Ladegeräten für Unternehmen in ganz Großbritannien.

„Nachdem wir die Fähigkeiten der Technologie mit diesen 20 Installationen unter Beweis gestellt haben, sind wir der Markteinführung einen Schritt näher gekommen. Hier geht es darum, die bidirektionalen Ladefunktionen eines Fahrzeugs zu kommerzialisieren, mit klaren Vorteilen für Unternehmen, die entweder bereits über eine Flotte von Elektrofahrzeugen verfügen oder bereit sind, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen.“ Luke Ellis, V2G-Programmmanager bei Eon UK

Dank der V2G-Technologie kann Strom aus Elektroauto-Akkus in beide Richtungen fließen, sodass die in der Batterie gespeicherte Energie bei hohem Strombedarf wieder an das Stromnetz zurückgespeist werden kann. Fahrzeuge werden im Gegenzug dann aufgeladen, wenn die Nachfrage geringer oder die Erzeugung erneuerbarer Energien hoch ist, wodurch die Abhängigkeit von der Erzeugung fossiler Brennstoffe verringert wird und V2G eine Rolle bei der Reduzierung der CO2-Emissionen spielen kann.

Die Technologie kann auch Kapazitäten in den Stromnetzen freisetzen, die den Strom im ganzen Land verteilen. In Zusammenarbeit mit UK Power Networks werden in der Studie Möglichkeiten für Kunden untersucht, mit diesem Service Einnahmen zu erzielen. In Deutschland läuft schon länger ein ähnliches Pilotprojekt, ebenfalls mit Nissan: Ein Leaf, der mit seinem Akku über V2G netzdienstliche Dienste erbringt, erzielt damit einen Erlös von gut 1000 Euro im Jahr

Die V2G-Technologie bringt umfassendere Umweltvorteile für die gesamte Gesellschaft mit sich. Sie könne sogar als „CO2-negativ“ angesehen werden, so Luke Ellis, V2G-Programmmanager bei Eon UK, da sie die Notwendigkeit der Stromerzeugung über fossile Brennstoffe in Zeiten des Spitzenstrombedarfs verringern oder sogar komplett verhindern kann.

Quelle: Nissan UK – Pressemitteilung vom 06.08.2020

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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