BMW trimmt Komponentenfertigung auf E-Mobilität

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Michael Neißendorfer
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Das BMW Group Werk Landshut baut seine Produktionskapazitäten aus, gezielt für den bevorstehenden Hochlauf der Elektromobilität, und erweitert die Fertigung für das Zentralgehäuse der elektrischen Antriebs-Einheit der Neuen Klasse. Die BMW Group investiert dafür weitere 200 Millionen Euro. Damit floss seit 2020 rund eine Milliarde Euro in den deutschen Werksstandort, so der Autohersteller in einer aktuellen Mitteilung.

Etwa 500 Millionen Euro davon entfielen bislang auf den Ausbau für die Elektromobilität, bei der der Autohersteller Jahr für Jahr neue Rekord-Verkaufszahlen vermeldet. Die jährliche Produktionskapazität für die Aluminium-Gehäuse der fünften und sechsten Generation steigt um rund 30 Prozent. Als größter Standort der Komponentenfertigung des Unternehmens bringt das Werk seine Expertise damit auch in die neue Fahrzeuggeneration ein. Mit der Produktion der Zentralgehäuse der sechsten Antriebs-Generation für die Neue Klasse vollzieht der niederbayerische Standort einen weiteren Schritt in der Transformation zur Elektromobilität.

Aktuell entsteht eine vollständig neue Produktionshalle, die sich auf drei Ebenen erstreckt. Auf zwei Fertigungslinien wird künftig auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern im neuartigen Injector Casting-Verfahren produziert. Das Injector Casting soll optimale mechanische Eigenschaften des Gussteils garantieren. Zudem ermögliche es eine reduzierte Taktzeit und im Zuge dessen eine deutliche Verringerung des Energieverbrauchs sowie geringere CO2-Emissionen aufgrund einer geringeren Gießtemperatur. Das Verfahren zeichne sich zudem durch einen verringerten Ressourcenverbrauch aus, da weniger Kreislaufmaterial erforderlich sei.

Im Januar dieses Jahres erwarb die BMW Group direkt angrenzend an das Werk Landshut ein etwa 30.000 Quadratmeter großes Grundstück, das für weitere künftige Produktionsumfänge vorgesehen ist. Der strategische Kauf stelle einen bedeutenden Reaktionsbaustein für das Werk dar. Eine finale Belegung der Flächen soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

Bei der sukzessiven Transformation setze der Standort auf eine möglichst breit angelegte Qualifikationsoffensive, wie der Hersteller mitteilt. Um den künftigen technologischen Anforderungen gerecht zu werden, fokussiere sich das Werk dabei vorrangig auf Kompetenzen in den Bereichen Robotik, Qualitäts- und Prozessmanagement, Analyse von Elektrik- und Elektronikumfängen, Instandhaltung und Logistik.

Ich bin davon überzeugt, dass es gezielt eingesetzte Qualifizierungsbausteine benötigt, um auf die sich verändernden Kompetenzbedarfe in unserer Industrie zu reagieren und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, sagt Anna Sponsel, Leiterin des Personalwesens im BMW Group Werk Landshut. Einer dieser Bausteine ist demnach eine zwölfmonatige Umschulung im Bereich Elektrik und Elektronik zum Industrieelektriker, die das Unternehmen eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anbietet sowie externen Bewerberinnen und Bewerbern, die in ein Beschäftigungsverhältnis mit der BMW Group eintreten.

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Seit 2023 setze das Werk Landshut außerdem mit einem eigenen Dualen Studium für den Bereich Qualitätsmanagement neue Maßstäbe in der Ausbildung. Jährlich können 17 duale Studentinnen und Studenten ihr Studium im Werk Landshut aufnehmen und im Rahmen dessen nationale und internationale Arbeitseinsätze absolvieren.

Im vergangenen Jahr verzeichnete das Werk Landshut mehr als 250 neue Einstellungen und zählt aktuell rund 3700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Jahr 2024 werde BMW, laut eigener Aussage der größte Arbeitgeber der Region, eine dreistellige Zahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neu einstellen und fokussiere sich dabei vor allem auf Zeitarbeitskräfte, die bereits am Standort tätig sind.

Produktionsvolumen im vergangenen Jahr

Neben der Fertigung von Komponenten für die vollelektrischen Modelle des Unternehmens zeichne den niederbayerischen Standort eine hohe Produktionsflexibilität aus. Das Werk Landshut fertigt nachfrageorientiert weiterhin Gelenkwellen, Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Motoren für die Verbrenner-Fahrzeuge im Produktportfolio.

Im Jahr 2023 fertigte das BMW Group Werk Landshut insgesamt rund 3,6 Millionen Gusskomponenten, 430.000 Kunststoff-Komponenten für das Exterieur, mehr als 300.000 CFK-Bauteile, 286.000 Cockpits, 1,4 Millionen Gelenkwellen, und 20.000 Sondermotoren. Cockpits für den 5er, 6er, 7er und den E-SUV iX sowie Instrumententafeln in Basis-, Kunstleder-, Leder-, Microfaser- und Textilausstattung stammen aus Landshut ebenso wie Strukturbauteile, Dächer und Frontklappen aus CFK, Handschuhkästen sowie Stoßfänger, Spoiler und Blenden.

Zu der hauseigenen Komponentenfertigung der BMW Group zählen neben dem Werk Landshut die Standorte Dingolfing, Wackersdorf, München, Leipzig, Berlin sowie Shenyang (China). Sie beliefern die Technologie-Cluster des Unternehmens „Digital“, „Antrieb“, „Fahren“, „Exterieur und Interieur“ sowie „Hochvoltspeicher und Laden“ mit Komponenten. In einem engen Schulterschluss zwischen den Ressorts Einkauf, Entwicklung und Produktion sichere das Unternehmen so den Technologietransfer von Produkt-, Entwicklungs- und Fertigungs-Innovationen ab.

Quelle: BMW – Pressemitteilung vom 19.04.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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