Dacia Spring 65: Ganz einfach elektrisch – eine Testfahrt

Dacia Spring 65: Ganz einfach elektrisch – eine Testfahrt
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Wolfgang Plank

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Der Grundgedanke von Renaults Billig-Tochter ist ganz einfach – und zwar im Wortsinn: Sollen doch die anderen nach was auch immer streben – bei Dacia zählt allein der Preis. Eine Strategie, die ganz offensichtlich verfängt. Drei der vier angebotenen Modelle finden sich hierzulande in den Top 20 der meistverkauften Autos, der Privatkundenanteil liegt bei rekordverdächtigen 78 Prozent. Und der neue Markenauftritt zeigt: Mit dieser Philosophie soll künftig noch weit mehr gehen – oder besser: fahren

Selbstverständlich blieben sich die Rumänen auch bei ihrem ersten E-Auto treu, das schon zwei Jahre lang unterwegs ist und bereits einige Zeit vorher als Dongfeng-Derivat durch China stromerte. Nach Abzug aller Zuschüsse kostet der Spring Essential Electric 45 unterm Strich gerade mal 15.573 Euro. Das ist eine echte Ansage an die schöne neue Akku-Welt, in der ganz leicht auch sechsstellige Summen aufgerufen werden. Ganz einfach elektrisch fahren – besser kann man den Anspruch von Dacia nicht beschreiben.

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Für gerade mal 1800 Euro mehr gibt es nun sogar den Spring 65. Die Bezeichnung „Extreme Electric“ mag sich angesichts der Fahrleistungen ein wenig kühn anhören, allerdings ist die stärkere Version aus dem Stand auf Tempo 50 mit 3,9 Sekunden ein Drittel flotter als das Basismodell. Um im Stadtverkehr schnell die eine oder andere Lücke zu nutzen, ist das ein wertvoller Zugewinn.

Wunderdinge indes darf man von dem 3,73 Meter kleinen Gefährt auch in der Top-Ausführung nicht erwarten. Der immerhin halbwegs konturierte Fahrersitz ist nur in der Länge verstellbar, das Lenkrad gar nicht; zum Parken muss man wegen fehlender P-Sperre die Handbremse bemühen, und Umschäumtes sucht man im Interieur vergebens – andererseits: Für einen elektrischen City-Flitzer taugt Zwerg Phase mehr als Dicke.

Zumal er irgendwie knuffig daherkommt. Mit dicken Bäckchen, viel Luft in den beplankten Radkästen und sogar kupferfarbenem Zierrat ähnelt er entfernt einem zu heiß gewaschenen Duster. Der Anschluss für den Stecker verbirgt sich nicht verschämt unter seitlicher Klappe, sondern prangt mittig in der Front. Seht her, vermittelt der Dacia Spring 65: Ich bin stolz ein E-Auto zu sein. Apropos: Für 800 Euro Aufpreis gibt’s den Neuen auch mit CCS-Anschluss für DC-Schnelllader

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Herzstück des Dacia Spring 65 ist ein E-Motörchen mit 48 kW (65 PS), das aus einer 27-kWh-Batterie unter den Rücksitzen gespeist wird. Reicht nach WLTP für 220 Kilometer, im reinen Stadtverkehr sollen sogar 305 möglich sein. Utopisch erscheinen die Werte nicht, bei Testfahrten unter wenig sommerlichen Bedingungen blieb der Verbrauch bei knapp unter 14 kWh/100 Kilometer. Der nicht allzu üppige Radius gehört halt auch zur Philosophie. Kleinere Stromspeicher bedeuten weniger Rohstoffe, geringeres Gewicht, niedrigeren Verbrauch. Am Ende ist es der Spagat zwischen Sparen und Spanne. Und so weit der Akku trägt, fahren die allermeisten pro Tag schließlich nicht mal annähernd.

Dass es Dacias neuester Stromer dank geänderter Übersetzung nun in 13,7 Sekunden auf Tempo 100 schafft, ist dennoch ein eher theoretischer Wert. Auch, dass maximal 125 drin sind – wobei mit sehr viel Anlauf sogar die 130 auf dem Display erscheint. Denn wie stets gilt Buch eins der Batterie-Bibel: Dynamik und Distanz gehen nicht zusammen. Wichtiger ist da eher der Eco-Modus, der Vortrieb und Komfort zugunsten der Reichweite begrenzt.

So oder so ist der Saft irgendwann alle. Mit Gleichstrom (30 kW) lassen sich 80 Prozent Kapazität innerhalb von 56 Minuten in die Zellen pressen. An einer Wallbox dauert die volle Ladung achteinhalb Stunden, an der normalen Steckdose gut einen halben Tag. Kleines Manko: Für die Schuko-Variante muss man erst noch ein Kabel zum Preis von 300 Euro ordern.

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Platz hat’s trotz aller Kürze auskömmlich. Sogar hinten, wo man zu zweit erhobenen Hauptes sitzen kann, allerdings nicht allzu lange Beine haben sollte. Das Gepäckabteil über dem (erfreulicherweise vollwertigen) Reserverad fasst 290 Liter, mit umgeklappter Rücklehne packt der Spring immerhin 1,1 Kubikmeter weg. Volle Ladung ist aber ja auch nicht die Kernkompetenz eines City-Hüpfers.

Das Fahrwerk des Fronttrieblers ist überaus einfach gestrickt, kommt aber – zumindest auf trockener Fahrbahn – gut klar, weil es wegen der nur 186 Kilo schweren Batterie auch bloß gut eine Tonne zu bewältigen hat. Bei feuchtem Geläuf indes – oder gar bei abgeschaltetem ESP – schiebt der Spring 65 schon bei moderater Bogenfahrt massiv Richtung Außenrand. Abhilfe auf die Schnelle könnten da schon bessere Reifen bringen. Auch billig stößt halt irgendwann an Grenzen – oder wie Oma gerne warnte: Jeder Sparer hat seinen Zehrer.

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Die Lenkung hat Dacia – ebenso wie die Stoßdämpfer – zwar schon nachgebessert, allerdings dürfte sie gerne noch deutlich mehr von dem Gefühl vermitteln, dass Volant und Vorderräder miteinander zu tun haben. Dafür ist der Wendekreis mit 9,50 Metern erfreulich klein.

Klimaanlage, elektrische Fensterheber, DAB-Radio und USB-Anschluss waren schon beim kleinen Spring an Bord, beim „Extreme Electric 65“ kommen Park-Sensoren, Rückfahrkamera und ein Multimedia-System samt Navi und Sieben-Zoll-Display dazu. Serienmäßig ist das gute Gefühl, sich nicht um den Akku sorgen zu müssen. Für acht Jahre (bis 120.000 Kilometer) garantiert Dacia 70 Prozent der Kapazität. Da gibt sich der Zwerg ganz wie ein Großer.

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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