Bentley will Elektroauto „je früher, desto besser“

Bentley will Elektroauto „je früher, desto besser“
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Michael Neißendorfer
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Seit ziemlich genau einem Jahr hält Adrian Hallmark den Vorsitz der Geschäftsführung von Bentley inne. In einem Interview mit auto motor und sport sprach er unter anderem darüber, wie der Hersteller großer und schwerer Luxuskarossen nachhaltig werden will. „Wir haben bestimmte Trends zu spät erkannt“, gibt Hallmark zu: „Vor allem die Elektrifizierung spielt dabei eine sehr große Rolle, weit mehr als ursprünglich geplant.“

Auch Bentley müsse zukünftige Einfahrtsbeschränkungen in Großstädten und die Emissionsvorgaben in China und den USA stärker berücksichtigen, als es bislang der Fall war, sagt Hallmark. Zwar sei er für den Moment „sehr zufrieden mit der Marke“, doch seine Aufgabe sei es „schließlich auch in Zukunft ihren Erfolg sicherzustellen“. Immerhin könne Bentley auf die wichtigsten Technologien aus dem Mutterkonzern Volkswagen zurückgreifen, „aber wir müssen sie eben doch ‚Bentley-fizieren‘, sozusagen.“

Jeder Antrieb, egal ob hybrid oder rein elektrisch, müsse zur Marke Bentley und den Erwartungen der Kunden passen. Einen rein elektrisch angetriebenen Bentley möchte Hallmark möglichst schnell auf die Räder stellen, „und zwar je früher, desto besser“. Die Frage sei nur, wann die Energiedichte der Batterien den Bedürfnissen der Luxusmarke entspricht.

Entscheidend für Bentley sei es auch, „ständig Innovationen zu bieten. Das ist für einen Hersteller von Luxus-Fahrzeugen der bessere Weg als mit Nachdruck die Produktion zu erhöhen. […] Profitabilität, der richtige Rhythmus bei Neuerscheinungen und die schnellstmögliche Elektrifizierung, das ist unsere Mission.“

Die benötigte Menge an Batterien für Bentley-Elektroautos habe sich der Hersteller über seinen Mutterkonzern VW bereits gesichert. Der VW-Konzern sei „sehr gut aufgestellt, was die Planungen für den zukünftigen Antriebsmix betrifft“. Hohe Batteriekosten erwartet Hallmark nicht, „da für das, was jetzt kommt, die Preise ohnehin schon vor längerer Zeit festgelegt“ worden seien. „Und später steigen die Stückzahlen, da wird neu verhandelt“, sagt er selbstbewusst und geht von niedrigeren Preise für die Stromspeicher aus: „Die Batterien werden sicher nicht teurer als sie es heute sind. Die Industrialisierung der Produktion schreitet ja auch voran. Allein die Tatsache, dass man in China nur dann bestimmte Vorteile eingeräumt bekommt, wenn man Batterien aus chinesischer Produktion nutzt, wird den Wettbewerb vorantreiben.“

Rein elektrische Langstreckenrennen wären „fantastisch“

Allerdings glaubt der Bentley-Chef nicht, dass es Elektroautos zum Preis eines Verbrenners geben wird. „Um heute etwa die gleiche Leistungsfähigkeit eines Zweiliter-Benziners zu erreichen, müssen sie sechsmal so viel in die Batterien investieren“, wirft er ein.

Das autonome Fahren sei für Bentley eher uninteressant, wie eine Umfrage unter 200 Kunden der Marke ergeben habe: „Mehr als 90 Prozent haben keinerlei Interesse am autonomen Fahren“, so Hallmark in dem Interview. „Der Hauptgrund, wenn ich so viel Geld für ein Fahrzeug wie einen Bentley ausgebe, ist doch, dass ich ihn fahren möchte!“ Das treffe für die „36-jährige Self-Made-Millionärin aus China“ ebenso zu wie für den 58-jährigen Unternehmer aus München.

In Sachen Motorsport überrascht Hallmark mit der Aussage, er wünsche sich „rein elektrische Langstreckenrennen, am liebsten 24 Stunden. Das wäre fantastisch.“ Damit die Autos während eines dieser Rennens nicht ewig lange nachladen müssen, seien für Wettbewerbe dieser Art Batteriewechsel innerhalb eines Boxenstopps eine spannende Option.

Quelle: auto motor und sport – Das sind die Zukunftspläne von Bentley

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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