Automessen ohne Zukunft? - Trotz Elektromobilität

Automessen ohne Zukunft? – Trotz Elektromobilität

Copyright Abbildung(en): IAA München

In der kommenden Woche findet in Michigan die Detroit Motorshow statt. Echte Neuheiten sucht man auf ihr vergeblich. Die internationalen Automessen sind längst in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht. Verstanden haben das längst nicht alle.

Vor zwei Wochen hutschte eine Nachricht über den Ticker, die keinen Autoexperten mehr überraschte. Der Genfer Salon im März 2023 fällt erneut aus – nachdem auch die vergangenen Veranstaltungen gestrichen worden waren. Vermisst hat die einst wichtigste jährliche Automesse Europas niemand ernsthaft – außer den Reise- / Organisationsagenturen und dem lokalen Hotelgewerbe, denen Millionen fehlen.

Der Genfer Salon 2020 war vor knapp zweieinhalb Jahren die erste bedeutende Automesse, die infolge der Corona-Pandemie unter die Räder kam und erst kurz vorher abgesagt wurde. Ihr Niedergang hatte freilich schon einige Jahre vorher begonnen. Die lokalen Probleme in Genf und der Schweizer Automobilwirtschaft waren dabei weit kleiner als der generelle Trend, dass Automessen in Zeiten von Internet, Mobilgeräten und aufwendigen Nachrichtenkaskaden der internationalen Marken keine Rolle mehr spielen.

Vor dem Genfer Salon hatte es bereits viele andere Automessen getroffen, die mittlerweile entweder abgesagt oder in der lokalen Bedeutungslosigkeit verschwunden sind. London, Bologna, Birmingham, Tokio, Chicago oder Turin – sie alle spielen keine wirkliche Rolle mehr. Einmal mehr versucht es im kommenden Monat die französische Hauptstadt Paris, die Autofans aus aller Welt in das üppig dimensionierte Messezentrum zu holen. Doch der Pariser Autosalon, im jährlichen Wechsel mit der deutschen IAA veranstaltet, hat seit vielen Jahren keinerlei internationale Bedeutung und ist allenfalls eine nationale Leistungsschau, die die Franzosen mit ihren Heimatmarken des Stellantis-Konzerns oder Renault nicht opfern wollen.

Was in Europa gilt, lässt sich auch für interkontinentale Veranstaltungen übertragen. Die US-Messen in Detroit, Chicago, New York oder Los Angeles haben ebenfalls nur noch nationalen Charakter. Die Events in Chicago und New York sind aus Vertriebssicht durchaus von Bedeutung, spielen ansonsten jedoch längst in der dritten Liga. Am eindrucksvollsten zeigt die Detroit Motorshow NAIAS (North American International Auto Show), dass das Gestern weit entfernt vom Heute ist. Einst zelebrierten gerade die europäischen Autohersteller in der Cobo Hall im Herzen von Detroit ein mehrtätiges Feuerwerk mit Neuheiten, Superstars und eindrucksvollen Shows – heute gibt für die Messe in der einstigen Autohauptstadt der Welt keiner mehr Millionen von US-Dollar aus.

Die Detroit Motorshow lag zum Jahresstart Anfang Januar wettermäßig ungünstig und lokal schwierig, doch terminlich perfekt. Hier wurde zurückgeschaut auf ein erfolgreiches Vorjahr, eine gab automobile Neuheiten und jede Menge guter Stimmung zum Jahresauftakt. Heute ist die Detroit Motorshow Mitte September eine Messe ohne Bedeutung, auch wenn es der darbenden Region im Nordosten der USA langsam wieder besser geht und die schwersten Jahrzehnte überwunden scheinen. Das Motto bei dem diesjährigen Event in der kommenden Woche: „The Future….. is designed in Detroit.“ Auf die lokalen Hersteller wie Ford, Jeep / Chrysler und General Motors mag das zutreffen – auf die Leistungsschau sicher nicht.

Die Autohersteller haben – nicht erst durch die anhaltende Corona-Pandemie – andere Formate, Tech-Messen wie die CES oder South by Southwest und eigene Veranstaltungen längst für sich entdeckt. Auf einer Automesse muss man sich mit den lokalen Gegebenheiten arrangieren, lokale Kräfte beauftragen, sich vor Ort mit Gewerkschaften arrangieren und so kamen für einen Großevent schnell zweistellige Millionenbeträge zusammen. Diese gibt man nach wie vor aus – jedoch verteilt auf mehrere eigene Events, bei den man sich die Aufmerksamkeit nicht mit anderen Marken und Neuheiten teilen muss. Zudem kann man die eigene oftmals monatelang andauernde Nachrichtenkaskade fein selbst orchestrieren und auf Marktstart und lokale Gegebenheiten abstimmen.

Dass die Automessen nicht komplett tot sein müssen, zeigen Veranstaltungen, bei denen das Auto eher im Hintergrund agiert oder völlig anders in Szene gesetzt wird. Zur wichtigsten Automesse der Welt ist in den vergangenen zehn Jahren längst die Monterey Auto Week geworden, die jeweils in der dritten Augustwoche in Monterey und der Luxusenklave von Pebble Beach stattfindet. Ein ehemaliger Luxusevent, der nach wie vor ein solcher ist, in seiner Vielfalt und Bandbreite jedoch auch die breite Masse mit ihren Fans anspricht und auch medial weltweit zu spielen ist. Denn die eigentlichen Messebesucher sind unabhängig von ihrer genauen Zahl ein unwichtiger Nebenaspekt, da es in erster Linie um die Reichweite in Nachrichtenportalen, Magazinen, bei Youtube oder im TV geht. Hier lassen sich gigantische Medienwellen mit der frohen Botschaft spielen und der Event wird – trotz der grandiosen Lokalität am kalifornischen Pazifik nur zum idealen Rahmen. Auf der anderen Seite des Pazifiks spielen Automessen nach wie vor eine größere Rolle. Japan, Südkorea und speziell die Events in China sind durch die Pandemie zwar mittlerweile nationale Veranstaltungen geworden, haben jedoch durchaus Potenzial in begrenztem Maße auch international zurückzukommen.

Bleibt die Frage, wohin es mit den kommenden Messen in Europa geht. Die erste IAA in München im Herbst 2021 war ein grandioser Erfolg – jedoch nur in der Innenstadt. Hier im „Open Space“ wurde die Internationale Autoausstellung – von Frankfurt nach München gewandert – trotz Corona zu einem wahren Volksfest, weil das Wetter prächtig war, die Proteste im Rahmen blieben und eine ganze Millionenmetropole feiern konnte. Auf der Messe in Riem herrschte dagegen tagelang tote Hose. Bleibt abzuwarten, wie es in knapp zwei Wochen in Hannover auf der Nutzfahrzeug IAA wird. Die Nachfrage nach der sogenannten IAA Transportation 2022 ist im Vorfeld größer denn je. Das Nutzfahrzeuggeschäft erlebt trotz schwieriger werdenden Rahmenbedingungen eine ungebrochen große Nachfrage. Die Themen sind mit alternativen Antrieben, Elektro und autonomen Fahren ganz ähnlich zum PKW-Geschäft.


Über den Autor: Stefan Grundhoff; press-inform

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Die Pandemie hat den Messen den Rest gegeben. Aber brauchen tat man sie schon vorher nicht mehr. Hersteller zeigen präsent, was sie zeigen wollen, auf mehreren eigenen, kleineren Events und im aktuellen Look&Feel, also mit Influencern und nicht nur Fachjournalisten. So ist es exklusiv und billiger, dafür steigt die Reichweite.

Wenn ich das so lese keimt in mir der Verdacht, dass hier eine der wichtigsten Ursachen vergessen wurden.

Nicht die sog. virtuelle Werbeinvasion der Autohersteller ist Schuld dass die Messen an Publikum verloren haben.

Im Zeitalter des Klimawandels und generell der Probleme mit der Umwelt, hat das Automobil viel von seinem einstigen Glanz verloren.

Die Menschen haben heute ganz andere Sorgen als den nächsten Protzhobel der Firma XY zu bestaunen.

Das ist ziemlich sicher der wahre Grund für den Niedergang der Automobil Messen.

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