Autoexperte Friedrich plädiert für kleinere PKW mit besserem Klimavorteil

Autoexperte plädiert für kleinere PKW mit besserem Klimavorteil

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Axel Friedrich berät unter anderem Umweltverbände und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Zuvor war er beim Umweltbundesamt für den Bereich Verkehr zuständig. Der Autoexperte sagt in einem Interview mit Zeit Online, dass die Entwicklungen in der Automobilbranche bedenklich seien. Und daran ändern seiner Meinung nach auch Elektroautos nur wenig.

Denn Friedrich zufolge besteht das Problem darin, dass Autos immer größer und schwerer werden und deshalb auch mehr Rohstoffe und Ressourcen benötigen. Aktuelle Fahrzeugmodelle seien viel zu sehr „auf Leistung und hohe Beschleunigungswerte ausgelegt“, das sei „fatal. Denn höhere Leistung bedeutet breitere Reifen, stärkere Bremsen und die ganze Fahrzeugstruktur dafür. All das erhöht den Stromverbrauch“, laut Friedrich „ein totaler Irrweg“.

Auch die immer größeren Batterien in Elektroautos sieht Friedrich mit Sorge. Zwar sind derartige E-Autos mit besonders hohen Reichweiten immer noch klimaschonender als ein Benziner oder Diesel. Aber wenn die Batterien nicht CO2-neutral produziert werden, was vor allem bei Akkus aus chinesischer Herstellung der Fall ist, geht viel Potenzial zum Klimaschutz verloren. Friedrich plädiert deshalb „für eine Kennzeichnungspflicht, wie sauber die Batterie wirklich hergestellt wurde“.

Die noch nicht ausreichende Versorgung mit Ökostrom stehe ebenfalls dem Klimanutzen von E-Auto entgegen. „Man tut so, als könne man das Klima schützen und ein Auto mit 700 Newtonmeter Drehmoment haben – so viel Leistung hatten früher nur Lkw“, erklärt der Autoexperte. Aber „wer in vier Sekunden von null auf hundert beschleunigt, schützt sicher nicht das Klima“, sagt er.

Ein weiterer Punkt seien die Reifen der Autos, die wegen der immer schwereren Fahrzeuge ebenfalls robuster und größer ausfallen müssen. Friedrich hat laut eigener Aussage „mal analysiert, wie viel Urwald für den Kautschuk abgeholzt wird, der im Autoreifen steckt. Das ist fast so viel wie für Palmöl“, sagt er. „Reifen für die großen SUV kann ich nicht mehr hochheben“. Er selbst fahre einen Fiat 500 aus dem Jahr 1973 und könne die Reifen „einhändig“ wechseln.

„Elektroautos schonen die Umwelt und die Geldbörse“

Friedrich appelliert an die Politik, „endlich“ damit aufzuhören, „Größe zu belohnen. Wenn Volkswagen einen e-up! verkauft, darf VW damit rechnerisch die Emissionen eines Audi A8 ausgleichen, egal wie viel Kilometer die Autos zurücklegen“. Der Experte spricht sich dafür aus, dass die 95 Gramm für 100 Kilometer für jedes Fahrzeug als „absolute Obergrenze“ verbindlich gelten sollten. „Skandalös“ und „pervers“ findet Friedrich, dass auch die viel kritisierten Plug-in-Hybride als umweltfreundlich behandelt werden: „Die stoßen bisweilen 450 Gramm CO2 auf 100 Kilometer im realen Fahrbetrieb aus, aber offiziell viel weniger, weil so getan wird, als würde man ständig mit dem Elektromotor unterwegs sein“.

Friedrich argumentiert in dem Interview mit Einsparungen für die Verbraucher in seinem Plädoyer für kleinere Fahrzeuge: „Wären die Autos kleiner, könnten die Verbraucher kaufkraftbereinigt sogar noch sparen gegenüber den Siebzigerjahren“, sagt er. „Viele Leute, die jetzt jammern, fahren für ihre Zwecke ein viel zu großes Auto mit viel zu viel PS“. Und wer jetzt vor der Wahl stehe, sich einen Verbrenner oder ein E-Auto zu kaufen, solle sich für einen kompakten Stromer mit geringerer Reichweite entscheiden. „Das schont die Umwelt und die Geldbörse“.

Quelle: Zeit Online – „Man sollte sich auf Reichweiten von 300 Kilometern beschränken“

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erst einmal brauchen wir EU Weit Tempo 100, außerorts. Dann eine Besteuerung nach Gewicht ( das geht meist mit Verbrauch und Schädigung der Fahrbahnen zusammen).
Hätten unsere Politiker und Fahrzeughersteller nur einen Ansatz von Verstand und Verantwortung für die Zukunft dann gäbe es keine Pendlerpauschale, kein Kindergeld oder sonstige irrsinnige Subventionen. Da aber alles der Umsatzsteigerung und der Produktion neuer Verbraucher untergeordnet ist braucht man auf „vernünftig kleine Fahrzeuge“ nicht zu hoffen.
In 50, vielleicht 100 Jahren wird man wohl mit Schrecken an diesen Akku Irrsinn zurückdenken, wenn Putins Feldzug nicht zuvor alles beendet hat.

Auf Basis meiner eigenen Erfahrungen kann ich dem Artikel. zumindest in Teilen, nicht zustimmen. Wir fahren einen Opel Corsa-e und ein Tesla Model 3 SR+. Verbrauchstechnisch ist der Opel nur in der Stadt leicht im Vorteil, Überland und v.a. auf der Autobahn verbraucht der Tesla deutlich weniger. Und das obwohl der Tesla mehr als doppelt so viel Leistung hat. Hauptgrund ist meiner Ansicht nach der schlechte cw-Wert von kleinen Autos. Eine Limousinen- oder Coupe-Form ist halt nun einmal windschlüpfriger als die Steilheckform eines Kleinwagens.

Gleichzeitig spielt die maximale Leistung des Elektroautos eine viel geringere Rolle für den Verbrauch als bei einem Verbrenner, da der Elektromotor generell einen deutlich besseren Wirkungsgrad besitzt, egal wie viel Leistung abgerufen wird.

An sich bräuchte ich weder die Leistung des Opel und die des Tesla schon gleich dreimal nicht. Aber es gibt keine kleineren Motorisierungen! Einen Elektromotor mit viel Leistung zu bauen ist nun einmal viel einfacher und kostengünstiger als bei einem Verbrenner. Beispiel Opel / PSA: Die bauen ihren 100kW-Motor einfach in jedes Elektroauto ein, vom kleinen Corsa bis zum großen Zafira. Der Zafira (konnte ihn schon Probefahren) ist damit meiner Ansicht nach ausreichend motorisiert, der Corsa eigentlich übermotorisiert. Aber es wird wohl kostentechnisch keinen Sinn machen extra für den Corsa einen kleineren Motor zu entwickeln. Bzw. auf den Kaufpreis hätte das wahrscheinlich kaum Auswirkungen und die meisten Kunden würden dann doch wieder zur stärkeren Motorisierung greifen.

Und was oft vergessen wird, ein starker Elektromotor kann auch mit einer höheren Leistung rekuperieren. Beispiel Dacia Spring: die Rekuperationsleistung des 33kw-Motörchens reicht selbst beim normalen Halten an einer Ampel oder beim Bergabfahren oft nicht aus, um den Wagen abzubremsen. Ergo kommt die mechanische Bremse zum Einsatz, was zu einem höheren Bremsverschleiß und indirekt auch höherem Verbrauch führt.

Das in vielen Fällen auch ein kleineres Auto mit weniger Leistung reichen würde stimmt wohl. Aber alles mit Maß und Ziel. Und man kann auch nicht einfach alle Regeln, die in der Verbrennerwelt gelten, (Stichwort Leistung, Wirkungsgrad, Luftwiderstand) 1:1 auf die Elektroautowelt übertragen.

Der Experte wird die Leute nicht erziehen können. Dazu muss man nicht Experte sein, um festzustellen, dass man damals mit einem Trabbi oder VW Käfer fuhr und heute mit einem SUV. Wenn man sich mal anschaut, welche Privathaushalte hierzulande die V-Klasse oder den VW T6 fahren, wird man feststellen, es sind im absoluten Ausnahmefall kinderreiche Familien.

Ebenso gerieren sich hier stolz die Tesla Fahrer mit der Beschleunigung ihrer Plastikkarren. Weil das Auto sonst nichts kann. Da hat der Experte recht, das ist völlig sinnlos und die Autos sind nicht effizient genug. Hat Mercedes mit der Fahrt des EQXX eindrucksvoll gezeigt. Ebenso sind die Akkus bei Tesla „dreckig“ hergestellt.

Die Besitzer dieser T6 oder Tesla sind also offenkundig Menschen, denen die Umwelt total egal ist. Aber frag die mal, die fühlen sich alle als Ökos. Und fliegen dann in den Urlaub.

Eigentlich brauchen wir in Zukunft viel mehr BEVs mit großer Batterie, um die Stromüberschüsse aus unseren Solaranlagen tagsüber aufzunehmen, um sie nächtens abzugeben.
Autarkie bedeutet viel Speicher, böse sind nur Verbrenner.
Wer heutzutage noch mit Öl oder Gas heizt, sollte kein Mitspracherecht bei Autos besitzen, da dessen Verbrauch dagegen kaum ins Gewicht fällt.

Meine volle Zustimmung – es genügt nicht den großen Benzin- oder Dieselmotor im SUV gegen einen E-Motor und große Akkupacks im E-SUV zu tauschen, es muss kräftig beim Gewicht abgespeckt werden.

Autos für 1-2 Personen, evtl. 1-2 Kinder auf der Rückbank müssen keine 2 Tonnen wiegen und auch keine 700 oder 1.000 km am Stück fahren können – das ist pure Resourcen- und Energieverschwendung, die wir schnellstens beenden sollten, dann reicht auch in der EU der verfügbare Platz für PV- und Windkraftanlagen bei der Energiewende – ohne Importe von H2, E-Fuels oder fossiler Energien.

Für die E-Autos der Zukunft sollten bis zu 1.000 kg vollkommen ausreichen und für viele Kurzstreckenfahrer, Handwerker und Lieferdienste im Stadtbereich genügen auch überdachte Pedelecs von etwa 70 kg (CityQ-Pedelec 68 kg, 2 Personen oder 1 Erachsener und 2 Kinder) bis 325 kg (ONO-Lasten-Pedelec).

Für weite Strecken gibt es die Bahn und für schwere und/oder große Gegenstände, gibt es E-Fahrzeuge zur Miete oder einen Auftrag an eine Spedition – die Menschheit hat nur 1 Erde für Resourcen und Klima.

Volle Zustimmung zum Artikel. Jeder soll fahren was er will, aber die Förderung von teuren, umweltschädlichen Luxus Artikel für Wohlhabende muss aufhören.

wer so ein tonnenschweres Auto in die Welt setzen möchte, Bitteschön. Aber ohne staatliche Förderung

Seit Anfang Dezember 2021 fahre ich den kleinen Dacia Spring mit elektrischem Antrieb. Mit seinen bloss 1000 Kilogramm Gewicht, schmalen Reifen und einer Leistung von 45 PS ist er eine sehr Lösung für umweltfreundliches Fahren. Jetzt bei mittleren Frühlingstemperaturen liegt der Verbrauch über Land bei bloss noch 11 kW. mit einer Reichweite um die 200 Kilometer. Für den Alltagsgebrauch in der Schweiz mit 125 Kilometern Höchstgeschwindigkeit auf den Autobahnen absolut genügend. Ich bin wirklich zufrieden mit dem Auto, kann es nur weiterempfehlen.

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