Autoexperte plädiert für kleinere PKW mit besserem Klimavorteil

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Axel Friedrich berät unter anderem Umweltverbände und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Zuvor war er beim Umweltbundesamt für den Bereich Verkehr zuständig. Der Autoexperte sagt in einem Interview mit Zeit Online, dass die Entwicklungen in der Automobilbranche bedenklich seien. Und daran ändern seiner Meinung nach auch Elektroautos nur wenig.

Denn Friedrich zufolge besteht das Problem darin, dass Autos immer größer und schwerer werden und deshalb auch mehr Rohstoffe und Ressourcen benötigen. Aktuelle Fahrzeugmodelle seien viel zu sehr „auf Leistung und hohe Beschleunigungswerte ausgelegt“, das sei „fatal. Denn höhere Leistung bedeutet breitere Reifen, stärkere Bremsen und die ganze Fahrzeugstruktur dafür. All das erhöht den Stromverbrauch“, laut Friedrich „ein totaler Irrweg“.

Auch die immer größeren Batterien in Elektroautos sieht Friedrich mit Sorge. Zwar sind derartige E-Autos mit besonders hohen Reichweiten immer noch klimaschonender als ein Benziner oder Diesel. Aber wenn die Batterien nicht CO2-neutral produziert werden, was vor allem bei Akkus aus chinesischer Herstellung der Fall ist, geht viel Potenzial zum Klimaschutz verloren. Friedrich plädiert deshalb „für eine Kennzeichnungspflicht, wie sauber die Batterie wirklich hergestellt wurde“.

Die noch nicht ausreichende Versorgung mit Ökostrom stehe ebenfalls dem Klimanutzen von E-Auto entgegen. „Man tut so, als könne man das Klima schützen und ein Auto mit 700 Newtonmeter Drehmoment haben – so viel Leistung hatten früher nur Lkw“, erklärt der Autoexperte. Aber „wer in vier Sekunden von null auf hundert beschleunigt, schützt sicher nicht das Klima“, sagt er.

Ein weiterer Punkt seien die Reifen der Autos, die wegen der immer schwereren Fahrzeuge ebenfalls robuster und größer ausfallen müssen. Friedrich hat laut eigener Aussage „mal analysiert, wie viel Urwald für den Kautschuk abgeholzt wird, der im Autoreifen steckt. Das ist fast so viel wie für Palmöl“, sagt er. „Reifen für die großen SUV kann ich nicht mehr hochheben“. Er selbst fahre einen Fiat 500 aus dem Jahr 1973 und könne die Reifen „einhändig“ wechseln.

„Elektroautos schonen die Umwelt und die Geldbörse“

Friedrich appelliert an die Politik, „endlich“ damit aufzuhören, „Größe zu belohnen. Wenn Volkswagen einen e-up! verkauft, darf VW damit rechnerisch die Emissionen eines Audi A8 ausgleichen, egal wie viel Kilometer die Autos zurücklegen“. Der Experte spricht sich dafür aus, dass die 95 Gramm für 100 Kilometer für jedes Fahrzeug als „absolute Obergrenze“ verbindlich gelten sollten. „Skandalös“ und „pervers“ findet Friedrich, dass auch die viel kritisierten Plug-in-Hybride als umweltfreundlich behandelt werden: „Die stoßen bisweilen 450 Gramm CO2 auf 100 Kilometer im realen Fahrbetrieb aus, aber offiziell viel weniger, weil so getan wird, als würde man ständig mit dem Elektromotor unterwegs sein“.

Friedrich argumentiert in dem Interview mit Einsparungen für die Verbraucher in seinem Plädoyer für kleinere Fahrzeuge: „Wären die Autos kleiner, könnten die Verbraucher kaufkraftbereinigt sogar noch sparen gegenüber den Siebzigerjahren“, sagt er. „Viele Leute, die jetzt jammern, fahren für ihre Zwecke ein viel zu großes Auto mit viel zu viel PS“. Und wer jetzt vor der Wahl stehe, sich einen Verbrenner oder ein E-Auto zu kaufen, solle sich für einen kompakten Stromer mit geringerer Reichweite entscheiden. „Das schont die Umwelt und die Geldbörse“.

Quelle: Zeit Online – „Man sollte sich auf Reichweiten von 300 Kilometern beschränken“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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