AIWAYS gilt als Anbieter von individuellen Mobilitätslösungen mit Sitz in Shanghai. Und dennoch schafft es das Unternehmen bereits 2020, drei Jahre nach der offiziellen Gründung, seinen ersten Stromer nach Europa zu bringen. Mit dem rein elektrischen Aiways U5 ist das Unternehmen Mitte August des vergangenen Jahres in Deutschland in den Vorverkauf gestartet. Die Auslieferungen sind teilweise bereits gestartet; sollen aber vor allem 2021 Fahrt aufnehmen.

Selbst konnte ich ein paar Tage Platz im Stromer von Aiways nehmen und berichte in dieser Podcast-Folge über meine Erfahrungen, Eindrücke und Fakten rund um den U5. Hierzu habe ich mir Anika Wild, Head of PR Europe bei Aiways, geschnappt, um mir noch mehr über die aufstrebende Marke, das veränderte Modelljahr 2021 des Stromers und künftige Entwicklung erzählen zu lassen. Der Aiways U5 wird für einen ausführlichen Testbericht zurückkehren. Dann hoffentlich auch mit Sonnenschein und ohne Regen und Schnee, um entsprechende Fotos des E-SUV aufbereiten zu können. Daher nachfolgend nur ein kurzer Einblick, eure Fragen in den Kommentaren beantworte ich aber natürlich gerne.

Aiways U5 ein markanter Blickfang im Alltag

Bevor wir uns den inneren Werten des Elektroautos von Aiways widmen, beziehungsweise auf die technischen Daten des Stromers im Detail eingehen, möchte ich ein paar Worte zu dessen Design verlieren. Da dieses alles andere als gewöhnlich ist. Schlagworte wie markant, eingängig und auffällig passen da ganz gut. So ist mir direkt beim ersten Treffen mit dem E-Auto aufgefallen, dass dieser real noch eine Spur größer daherkommt, als es die Fotos vermitteln. Kurz zu den Fakten des Auberginefarbenen U5, mit cremeweißer Innenausstattung. Dieser bringt es auf eine Länge von 4.680 mm, eine Breite von 1.865 mm sowie eine Höhe von 1.700mm. Der Radstand wird vom Hersteller mit 2.800 mm angegeben. Hinsichtlich seines Kofferraumvolumens wartet der Stromer mit 432 Liter sowie einem maximalen Ladevolumen von 1.555 Liter auf.

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Das Exterieur des Stromers wird von Aiways selbst als „harmonisch, dynamisch und selbstbewusst beschrieben“, kann man so definitiv unterschreiben. Es fällt durchaus auf, dass der U5 mit typischer SUV-Linienführung daherkommt. Wobei gerade diese Linien starke Akzente setzen und dementsprechend ausgeprägt sind, ebenfalls versteht sich der Hersteller auf Rundungen und gefühlt ineinander übergehende Flächen. Die Front selbst kommt geschlossen daher und setzt auf ein scharf, konturiertes Design. Was seinerseits zu einem Luftwiderstandswert von 0,29 führt.

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Auffällig sind neben der Front des Fahrzeugs die kurzen Überhänge an der Front und am Heck. Bedingt hierdurch blickt der Stromer auf einen entsprechend langen Radstand, der im Innenraum zu viel Platz für Fahrer und Mitfahrer führt. Bevor wir uns diesem widmen sei noch erwähnt, dass der U5 auf der MAS-Plattform (More Adaptable Structure) aufbaut, welche die Ausrüstung verschiedener Antriebsstränge mit unterschiedlichen Batteriekapazitäten und Allradantrieb ermöglicht. Doch dazu später mehr. 

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Weniger ist mehr im Inneren des Aiways U5

Wie im vorherigen Abschnitt bereits erwähnt trägt der Aufbau des E-Autos dazu bei, dass sich hinter dem kompakten, mittelgroßen Äußeren ein geräumiger Innenraum verbirgt. Auf den ersten Blick wirkt dieser äußerst clean, minimalistisch und somit auf das Wesentliche reduziert. Aiways setzt beim Design auf organische Formen, angenehme Materialien sowie warme Farben, welche ein Wohlgefühl vermitteln sollen.

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Durch die starke Reduktion auf das Wesentliche und den Verzicht auf übermäßig viel Knöpfe, Schalter, usw… fallen vor allem die Anzeigen im Fahrzeug auf. Wie auf den Fotos zu sehen wartet das große Armaturenbrett mit einem klaren, waagerechten Design und modernen Digitalanzeigen auf. Mittig platziert ist der 12,3-Zoll-Bildschirm vorzufinden, welche an ein Tablet erinnert. Dieser kann sowohl von Fahrer- und Beifahrerseite aus bedient werden. Über den Bildschirm lassen sich verschiedene Fahrzeugfunktionen einstellen, als auch den Zugang zum Infotainmentsystem finden. Ebenso kann man über diesen beispielsweise das Rekuperationsverhalten des Aiways U5 in drei Stufen einstellen – entsprechende Taster hierfür fehlen am Lenkrad.

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Zur Bedienung/ Ansprechverhalten des Bildschirms sei gesagt, dass dies doch gefühlt eher träge startet, nachdem man das Fahrzeug gestartet hat. Es dauert einige Zeit bis das System hochfährt. Gestartet wird der Stromer übrigens nur durch den Tritt auf die Bremse. Ein Startknopf muss nicht gedrückt werden. Smartphone (Android/ iOS) können mit dem Aiways U5 ohne Probleme verbunden werden; sinnvoll da dieser unter anderem die Navigation über das Smartphone ermöglicht. Zudem wird das eigene Angebot an Software somit ermöglicht. Denn ebenso wie das Interieur stellt sich Aiways hier noch schmal auf. Auswertungsmöglichkeiten über Energieverbrauch, zurückgewonnene Rekuperations-Energie, usw… sucht man vergeblich. Auch bei Bluetooth-Wiedergabe, welche von Verkehrsmeldungen unterbrochen wird, muss man immer wieder händisch die Wiedergabe starten. Bei einer kurzen Fahrt kein Problem, bei längeren Fahrten durchaus nervig.

Standard- und Premium-Modell verfügen über die gleiche Motor- und Batterieleistung, sowie über das gleiche, großzügige Raumangebot. Unterschiede finden sich beispielsweise in der Innenausstattung, dem Panorama-Sonnendach oder dem Fußsensor zum Öffnen des Kofferraums.

Die Sitze des Aiways U5 sind äußerst bequem, kommen aber ohne Sitzkühlung/ -heizung daher. Auch auf die Lenkradheizung hat man verzichtet. Kleinigkeiten, welche man nicht zwingend braucht, aber aus meiner Sicht zum „Premiumfaktor“ eines Fahrzeugs beitragen. Unterschieden wird bei Aiways eben zwischen dem Standard- und Premium-Modell, wobei es hier nur „kleine“ Anpassungen gibt. Zudem wurde ein Technic-Modell in Aussicht gestellt, aber noch nicht näher vonseiten des Herstellers kommuniziert und ist Stand 01/2021 nicht im Online-Konfigurator vorzufinden.

Leistungsstarker Elektro-SUV mit überzeugender Reichweite

Aiways setzt mit dem U5, eigener Aussage nach, neue Maßstäbe in Bezug auf Effizienz, Reichweite und Leistung bei seinem E-SUV. Bleiben wir direkt beim Thema Reichweite, hier bringt es der Stromer, nach WLTP-Zyklus auf eine Reichweite von über 384 km (MJ 2020). Welche so im Alltag natürlich nur unter idealen Bedingungen erreicht werden kann. Davon kann ich ein Lied singen, da ich den Stromer selbst von und zurück nach München überführt habe. Immerhin eine Strecke von rund 360 km (ein Weg). Mit rund 356 km Restreichweite bei 93% Akku-Stand wäre es rein theoretisch auch möglich gewesen in einem Zug den Weg zurückzulegen. In der Realität eben nicht.

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Denn trotz gut gefülltem 63 kWh-Akku war Nachladen notwendig; zwei Mal. Gestartet mit der erwähnten 356 km Restreichweite, bei 93 % Akku-Kapazität bin ich nach gut 160 km Fahrt mit um die 86 km Restreichweite, bei 22 % an der ersten Ladestation angekommen. Zuzuschreiben ist dieser Verbrauch sicherlich dem Wetter, als auch der Reisegeschwindigkeit, da ich den Großteil meiner Strecke auf der Autobahn unterwegs war. Dort im Schnitt mit Geschwindigkeiten zwischen 110- 130 km/h. Trägt natürlich seinen Teil dazu bei, dass die Reichweite spürbar mit jedem Kilometer abnimmt. Und dennoch soll der U5 mit seinem neuartigen Batteriekonzept mit Sandwichbauweise möglich sein, eine reale Reichweite von nahezu 300 km bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zu erreichen.

An der ersten Ladestation (DC-Lader 50 kW) habe ich dann auch maximal eine halbe Stunde Energie geladen, um ein weiteres Stück zurückzulegen. War nicht gerade der schönste Fleck Erde, um den eigenen Stromer mit Energie zu versorgen. Daher hieß es nur Akku ein wenig aufladen, um weitere Kilometer zurückzulegen, um dann an einem HPC-Lader die rein theoretische maximal Ladegeschwindigkeit von 90 kW des Stromers zu nutzen. Angefahren mit 15% Restkapazität war der Akku nach gut 40 Minuten bei über 80% angelangt. Was sich somit mit den Angaben von Aiways deckt: „Die Batterie des U5 kann an einer Gleichstromladestation in nur 27 Minuten von 30 % auf 80 % ihrer Kapazität aufgeladen werden.“ Die durchschnittliche Ladegeschwindigkeit soll sich bei um die 70 kW einpendeln; Spitze bei den erwähnten 90 kW.

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„Mit einer Wechselstromladestation (6,6 kW, Typ 2) kann das Fahrzeug in weniger als 8 Stunden über Nacht von 20 % auf 100 % seiner Kapazität aufgeladen werden“, so die Aussage von Aiways. Selbst konnte ich hierzu keine Erfahrung sammeln, da der Stromer bei mir noch einmal unter der Woche am DC-Lader vollgeladen wurde, bevor er wieder zurück nach München überführt wurde. Zum Verbrauch kann aufgrund fehlender Anzeigen keine Aussage getroffen werden; lässt sich aber festhalten, dass Aiways diesen mit 16,6 kWh/100 km angibt.

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Kommen wir zum Antrieb des E-SUV, welcher aus dem Lithium-Ionen-Akku gespeist wird. Hier setzt das Unternehmen auf einen Elektromotor der eine Spitzenleistung von 140 kW und 315 Nm Drehmoment bei maximal 16.000 U/min entwickelt. Eigener Aussage nach liegt die Höchstdrehzahl etwa 25 % über den durchschnittlichen Werten aktueller Elektrofahrzeuge. Dies ermöglicht einen kleineren und leichteren Motor mit einer im Vergleich zu ähnlichen Fahrzeugen in diesem Segment 10 % höheren Leistungsdichte (181 Wh/kg).

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Zudem sei das E-Drive-System mit das kompakteste System, welches derzeit bei einem E-Autohersteller zum Einsatz kommt. Dies ermöglicht es Aiways auch auf lange Sicht das System in Fahrzeugen der Segmente A, B und C unterzubringen. Das Elektroantriebssystem des U5 wird bei Frontantrieb im vorderen Bereich des Fahrzeugs montiert, es gibt aber auch die Möglichkeit, den E-Drive für Heckantrieb oder Allradantrieb zu konfigurieren. Eventuell wartet hier in Zukunft noch eine weitere Version des U5 auf uns!?

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Die Fahrmodi, drei an der Zahl: Eco, Normal und Sport, können über einen Taster am Lenkrad ausgewählt werden und regeln die Ansprache des E-Autos entsprechend. Bei Eco eher gemäßigt, bei Sport spritzig und mit mehr Vortrieb. Im Rahmen meines einwöchigen Tests war ich gut 90% der Zeit im Eco-Modus unterwegs und muss sagen, dass ich mich nicht sonderlich eingeschränkt gefühlt habe.

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Aiways U5: Welcher darf es sein? Das kostet er!

Beim für einen Autohersteller eher ungewöhnlichen Partner, dem Elektrofachmarkt Euronics, startete zum 14. August 2020 der Vorverkauf des chinesischen Elektro-SUV Aiways U5 in Deutschland. Das 150 kW (204 PS) starke und mit einem 63-kWh großen Batteriepaket ausgestatteten Elektroauto ist in zwei Ausstattungsvarianten erhältlich: Standard für 38.990 Euro und Premium für 41.990 Euro. Käufer beider Varianten profitieren von den 9.480 Euro Kaufpreiszuschuss des Bundes. Die eingangs erwähnte Technic-Variante des U5 wurde bisher nicht eingepreist, beziehungsweise näher detailliert.

Wir freuen uns sehr, den U5 auf den europäischen Markt zu bringen. Obwohl die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigt, gibt es in Europa gegenwärtig noch immer lediglich eine sehr kleine Auswahl an emissionslosen Mittelklasse-SUVs. Angesichts der Änderungen in der Gesetzgebung und der verbesserten öffentlichen Wahrnehmung ist jetzt der ideale Zeitpunkt, um AIWAYS nach Europa zu bringen und den U5 dort zu etablieren.

Alexander Klose, stellvertretender Vorstandsvorsitzender für das Auslandsgeschäft bei AIWAYS

Ein kleines Fazit nach rund 801 km mit dem Aiways U5

Okay, erwischt. Waren natürlich nicht genau 801 km. So genau habe ich auch gar nicht auf den Tacho-Stand geachtet. Da die meisten Kilometer eh über die Transferfahrten (Autobahn) von und zurück nach München aufgelaufen sind. Und dennoch lässt sich ein kleines Fazit zum E-SUV ziehen. Überzeugt hat mich sein Design, sowohl Exterieur, als auch Interieur sowie die generelle Verarbeitung des Stromers. Auch Reichweite und Antrieb sind mehr als alltagstauglich. Unter guten Wetterbedingungen und „normaler“ Fahrweise dürften auch realistisch gut um die 350 km mit einer Akku-Ladung zu erreichen sein.

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Ein wenig schade, gerade im Winter, ist die Tatsache, dass das E-Auto auf Sitz- und Lenkradheizung verzichtet. Lässt sich im Nachgang nicht so einfach nachrüsten. Nachjustieren kann man aber sicherlich ohne großen Aufwand in puncto Software – Startgeschwindigkeit der Anzeigen sowie Menüführung, -umfang und Gestaltung. Punkte, die mit ein wenig mehr Blick nach links und rechts schadet hierbei sicherlich nicht. Dann kann Aiways in einem der nächsten Software-Updates sicher noch mehr punkten. Ein kleines, aber feines Detail wäre beispielsweise die Möglichkeit die beiden „seitlichen Fahrerdisplays“, welche um die Fahreranzeige angeordnet sind, mit selbst ausgewählten Inhalten zu bespielen: Musik, Energieverbrauch, Navi,…

Alles in allem aber ein Elektro-SUV welcher sich sehen lassen kann. Spätestens, wenn wir diesen im Modelljahr 2021 genauer unter die Lupe nehmen können, werde ich auf weitere Details und Entwicklungen am E-SUV eingehen. Zuvor gibt uns nun allerdings Anika Wild, Head of PR Europe bei Aiways, einen tieferen Einblick auf Aiways und deren U5. Viel Spaß mit der Podcast-Folge.

Gerne kannst du mir auch Fragen zur E-Mobilität per Mail zukommen lassen, welche dich im Alltag beschäftigen. Die Antwort darauf könnte auch für andere Hörer des Podcasts von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für die bereits erwähnten Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung, beim Podcast-Anbieter deiner Wahl, freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

Disclaimer

Der Aiways U5 wurde mir für diesen Testbericht kostenfrei, für den Zeitraum von einer Woche, von Aiways zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine hier geschriebene ehrliche Meinung.

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