VW-Chef Diess über Zellproduktion: „Wir stehen noch ganz am Anfang der Entwicklung“

VW-Chef Diess über Zellproduktion: „Wir stehen noch ganz am Anfang der Entwicklung“

Copyright Abbildung(en): Volkswagen AG

Volkswagen-Chef Herbert Diess erklärte in einem Interview mit der WirtschaftsWoche, warum deutsche Unternehmen schleunigst in die Produktion von Batteriezellen einsteigen sollten. Bislang überlässt die heimische Industrie diesen für die Elektromobilität als essenziell geltenden und finanziell lohnenswerten Schritt zum größten Teil Unternehmen aus den USA und China. Tesla etwa will in seiner Giga Berlin eine der weltweit größten Zellfabriken aufbauen, Chinas Batterieriese CATL baut derzeit in Thüringen eine Produktionsstätte auf.

Warum die deutsche Industrie aber noch zögert, sei „eine gute Frage“ so Diess. Der VW-Chef habe „mit allen in Deutschland geredet, aber sie haben abgewunken“, sagte er. Immerhin baue VW zusammen mit dem schwedischen Unternehmen Northvolt in Salzgitter eine Batteriefabrik in Deutschland auf. Generell seien es vor allem die Autohersteller, die „wenig helfen an dieser Stelle“, da Batterien „typischerweise Zuliefererprodukte“ seien.

Diess habe auch „mit großen deutschen Zulieferern gesprochen“, und viele seien der Ansicht, „es sei zu spät für einen Einstieg“. Diess sagt, er sei „vom Gegenteil überzeugt. Wir stehen noch ganz am Anfang der Entwicklung“, sagt er. Wenn etwa der Green Deal der EU so komme, „wie es sich abzeichnet, dann decken die bislang angekündigten Batteriefabriken in Europa nur etwa fünf bis zehn Prozent des Bedarfs“. Europa brauche also etwa „40 große Batteriefabriken“, um den Bedarf decken zu können.

Für die großen deutschen Zulieferer und Anlagenbauer sei es „eine lösbare Aufgabe“, eine Zellproduktion aufzubauen. „Da geht es um Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Chemie“ und das seien „alles Dinge, die deutsche Unternehmen beherrschen“. Stattdessen, wie Diess kritisiert, „diskutieren wir lieber über synthetische Kraftstoffe.“

„Er hat es aber dann doch gemacht“

Andere Unternehmen seien weitaus mutiger. Und fahren nun die ersten Erfolge ein. Mit CATL etwa führe Diess bereits seit gut zehn Jahren Gespräche über Elektroauto-Akkus. Damals produzierten die Chinesen hauptsächlich noch Batterien für Smartphones und der damalige CATL-Chef habe „zunächst abgewunken“, Akkus für E-Autos zu produzieren, „weil er meinte, so große Batterien könne er nicht bauen“, so Diess. „Er hat es aber dann doch gemacht“. Heute sei CATL, wie der VW-Chef erklärt, „nicht nur der größte, sondern auch der innovativste Batteriehersteller der Welt“.

Diess sei „immer davon ausgegangen, dass bei den Batterien in wenigen Jahren eine Industrie entstehen wird, die so viel Umsatz hat, wie die Zulieferer in Summe haben“. Auch die Befürchtung niedriger Margen habe sich „nicht bewahrheitet“. Die operative Marge von CATL liege „im zweistelligen Bereich“.

Quelle: WirtschaftsWoche – „Wenn der Green Deal kommt, brauchen wir 40 große Batteriefabriken in Europa“

Über den Autor

Michael ist freier Autor und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Wo er recht hat, hat er recht. Bloß die Chinesen und Amerikaner stellen nicht nur seit heute Batterien für Autos her, sondern bereits seit Jahren für den gesamten Kommunikations- und Unterhaltungsmarkt. Ein Wirtschaftssektor, den Deutschland hochnäsig verschenkt hat und heute in keinster Form mehr bedient. Zudem wurden unsere Batteriehersteller durch unsere Politik und unsere profitorientierten Automobilhersteller regelrecht zerstört.

[…] Ein Wirtschaftssektor, den Deutschland hochnäsig verschenkt hat …

Genau! Ich erinnere, dass z.B. Mercedes in den 2010er-Jahren eine aus Steuermitteln Millionen-finanzierte Pouch-Zellen-Fertigung für die sichere Nutzung in Autos gestartet hatte, um diese dann – natürlich nach Ablauf der Förderung – schnell wieder zu „beerdigen“!

Schon im Vorjahr hat Daimler nach Angaben des Tagesspiegels (08.04.2019, 13:18 Uhr Batteriezellenproduktion in Deutschland) „… für 20 Milliarden Euro Zellen [bei den asiatischen Herstellern] bestellt.“

Das muss ja deprimierend sein wenn man als Chef des Weltweit größten Automobil Konzerns überall anklopft und keine will einem Batterien bauen und liefern.

Müsste es jetzt nicht eigentlich genug Zulieferer geben, die ihren Markt für Verbrennerteile in Zukunft schwinden sehen? Und bei den nötigen Prozessen hat er recht. Maschinenbau ist Deutschland führend. Chemie können wir auch. Siehe Bayer, BASF usw. Es ist ja nun auch so, dass weltweit die Batterie Forschung auf Hochtouren läuft und ein Wettlauf um das nächste große Ding, den nächsten „Wunderakku“ herrscht.
VW bzw. Audi hat dieses Jahr schon die Erfahrung mit Lieferproblemen bei Akkus gemacht (für etron) und musste Anfang des Jahres mehrmals die Produktion in Belgien trotz voller Auftragsbücher anhalten. Das wird nicht besser werden wenn immer mehr E-Autos kommen. VW ist da bei ihren Plänen schon ganz gut beraten eine eigene Produktion aufzubauen. Geht halt auch nicht von heute auf morgen.

Endlich mal wieder unternehmerischer Weitblick und Mut (na ja ein bisschen) zu unternehmerischen Risiko bei VW. In dem Punkt spät, aber vermutlich nicht zu spät. Besser spät als nie.
Interessant, dass Herr Dies, wie im Beitrag steht „seit gut 10 Jahren“ Gespräche geführt hat – und das scheint mir das Hauptproblem (der deutschen Wirtschaft) bezüglich Innovationen: Viele Jahre Reden, Abwägen und Zögern und dann erst Handeln … da kommt man oft zu spät.

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