Wie zwei Start-ups am Recycling von E-Auto-Akkus arbeiten

Wie zwei Start-ups am Recycling von E-Auto-Akkus arbeiten
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

In jedem Smartphone und Tablet, in etlichen anderen Haushaltsgeräten und immer mehr auch in Pkw sind Lithium-Ionen-Batterien zu finden. Bei E-Autos zeigt sich mit den Akkus ein entscheidender Vorteil gegenüber der Verbrenner-Technologie: Während der unserem Planeten mühsam abgerungene fossile Treibstoff für immer verloren ist, nachdem er die Brennkammer eines Verbrenners passiert hat, können die Materialen aus E-Auto-Akkus nach deren Lebensdauer wieder recycelt werden, mit einer Recyclingquote von deutlich mehr als 90 Prozent. Schon jetzt sind Unternehmen und Wissenschaftler auf der Suche nach Wegen, um möglichst viel der kostbaren Materialien aus alten Batterien wiederverwenden zu können.

Ein Unterfangen, das nicht nur nachhaltig, sondern auch finanziell äußerst attraktiv ist. Schließlich sind die Rohstoffe für E-Auto-Akkus heiß begehrt – und teuer. Der Markt für das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien soll nach Schätzungen von Statista bis 2030 einen jährlichen Wert von 18 Milliarden US-Dollar betragen, etwa 14,8 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag dieser Wert noch bei 1,5 Milliarden US-Dollar, etwa 1,2 Milliarden Euro. Mehrere Unternehmen sehen hier eine Gelegenheit, die fragile und problematische Lieferkette von heute durch ein „kreisförmiges“ System zu ersetzen, bei dem die nächste Generation von Batterien aus den Materialien der letzten Generation besteht – die vielzitierte Kreislaufwirtschaft.

Eines dieser Unternehmen ist das Start-up Redwood Materials aus den USA, gegründet vom einstigen Tesla-Mitgründer JB Straubel. Während der 16 Jahre, die bei Tesla arbeitete, erkannte Straubel, dass es noch keinen Plan gab, die Autos am Ende ihrer Lebensdauer wiederzuverwerten. Und im Gegensatz zu einem ausgedienten Telefon kann eine gut eine halbe Tonne schwere Autobatterie nicht irgendwo in einer Ramschschublade rumliegen. Die meisten Elektroautos sind derzeit zwar noch in ihren besten Jahren. Aber der Markt fürs Batterierecycling wird stark anziehen, wenn die ersten Elektroautos in den kommenden gut fünf Jahren in den Ruhestand gehen.

Seit dem Start im Jahr 2017 bereitet sich Redwood Materials auf diese Rückläufer-Welle vor. Die beiden Einrichtungen des Start-ups in Carson City verwerten derzeit alle Abfälle und defekten Batterien, die aus der nahe gelegenen Tesla Gigafactory stammen, welche der E-Auto-Pionier gemeinsam mit Panasonic betreibt. Allein der Schrott von Panasonic liefert jährlich etwa ein Gigawatt an Material. Gut ein Dutzend weiterer Partner liefert in ähnlichem Umfang zu, was insgesamt gut 20.000 Tonnen Material pro Jahr entspricht. Vor Kurzem hat Redwood Materials auch eine Partnerschaft mit dem Versandriesen Amazon geschlossen, um Batterien des Einzelhandelsgiganten zu entsorgen.

Redwood Materials schafft es mit seinen Verfahren, gut 95 bis 98 Prozent der Rohstoffe Nickel, Kobalt, Aluminium und Graphit wiederzugewinnen. Bei Lithium liegt die Quote zwar niedriger, aber immerhin bei mehr als 80 Prozent. Ein Großteil dieser Materialien werde wieder an Panasonic verkauft, um neue Batterien für Tesla herzustellen.

Auch das Unternehmen Li-Cycle hat sich ganz dem Recycling von Batterien verschrieben und arbeitet seit 2016 daran. Aktuell habe das Start-up eine Recycling-Quote von gut 90 bis 95 Prozent, auch beim eher schwer zu extrahierenden Lithium. Das Unternehmen verfügt derzeit über zwei Standorte, einer in Ontario (Kanada) und einer in Rochester (New York), an denen jedes Jahr insgesamt 10.000 Tonnen Lithium-Ionen-Batterien verwertet werden können.

Ab Ende 2022 will Li-Cycle bereits 65.000 Tonnen Batterien verwerten. Bei seiner Strategie setzt das Unternehmen auf ein „Hub and Spoke“-System. Der Transport von Batterien gilt als gefährlich. Li-Cycle will dies umgehen, indem es mehrere Spokes aufbauen will, wo ausgediente Batterien zunächst in ihre Einzelteile zerlegt und geschreddert werden. Diese können dann wesentlich sicherer transportiert werden, als komplette Akkus. In zentralen Hubs schließlich sollen die geschredderten Materialen weiterverarbeitet und ihre einzelnen Bestandteile sortiert werden. Wie Redwood Materials hofft das Unternehmen, so schnell wie möglich zu expandieren. Und kann es kaum erwarten, bis mehr alte Batterien zu haben sind.

Quelle: CNBC – Amazon, Panasonic, and recycling start-ups prepare for battery wave tsunami

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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