VW-Chef Diess über Zellproduktion: „Wir stehen noch ganz am Anfang der Entwicklung“

VW-Chef Diess über Zellproduktion: „Wir stehen noch ganz am Anfang der Entwicklung“
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Volkswagen AG

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Volkswagen-Chef Herbert Diess erklärte in einem Interview mit der WirtschaftsWoche, warum deutsche Unternehmen schleunigst in die Produktion von Batteriezellen einsteigen sollten. Bislang überlässt die heimische Industrie diesen für die Elektromobilität als essenziell geltenden und finanziell lohnenswerten Schritt zum größten Teil Unternehmen aus den USA und China. Tesla etwa will in seiner Giga Berlin eine der weltweit größten Zellfabriken aufbauen, Chinas Batterieriese CATL baut derzeit in Thüringen eine Produktionsstätte auf.

Warum die deutsche Industrie aber noch zögert, sei „eine gute Frage“ so Diess. Der VW-Chef habe „mit allen in Deutschland geredet, aber sie haben abgewunken“, sagte er. Immerhin baue VW zusammen mit dem schwedischen Unternehmen Northvolt in Salzgitter eine Batteriefabrik in Deutschland auf. Generell seien es vor allem die Autohersteller, die „wenig helfen an dieser Stelle“, da Batterien „typischerweise Zuliefererprodukte“ seien.

Diess habe auch „mit großen deutschen Zulieferern gesprochen“, und viele seien der Ansicht, „es sei zu spät für einen Einstieg“. Diess sagt, er sei „vom Gegenteil überzeugt. Wir stehen noch ganz am Anfang der Entwicklung“, sagt er. Wenn etwa der Green Deal der EU so komme, „wie es sich abzeichnet, dann decken die bislang angekündigten Batteriefabriken in Europa nur etwa fünf bis zehn Prozent des Bedarfs“. Europa brauche also etwa „40 große Batteriefabriken“, um den Bedarf decken zu können.

Für die großen deutschen Zulieferer und Anlagenbauer sei es „eine lösbare Aufgabe“, eine Zellproduktion aufzubauen. „Da geht es um Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Chemie“ und das seien „alles Dinge, die deutsche Unternehmen beherrschen“. Stattdessen, wie Diess kritisiert, „diskutieren wir lieber über synthetische Kraftstoffe.“

„Er hat es aber dann doch gemacht“

Andere Unternehmen seien weitaus mutiger. Und fahren nun die ersten Erfolge ein. Mit CATL etwa führe Diess bereits seit gut zehn Jahren Gespräche über Elektroauto-Akkus. Damals produzierten die Chinesen hauptsächlich noch Batterien für Smartphones und der damalige CATL-Chef habe „zunächst abgewunken“, Akkus für E-Autos zu produzieren, „weil er meinte, so große Batterien könne er nicht bauen“, so Diess. „Er hat es aber dann doch gemacht“. Heute sei CATL, wie der VW-Chef erklärt, „nicht nur der größte, sondern auch der innovativste Batteriehersteller der Welt“.

Diess sei „immer davon ausgegangen, dass bei den Batterien in wenigen Jahren eine Industrie entstehen wird, die so viel Umsatz hat, wie die Zulieferer in Summe haben“. Auch die Befürchtung niedriger Margen habe sich „nicht bewahrheitet“. Die operative Marge von CATL liege „im zweistelligen Bereich“.

Quelle: WirtschaftsWoche – „Wenn der Green Deal kommt, brauchen wir 40 große Batteriefabriken in Europa“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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