Frankreich, Deutschland und Norwegen dominieren den E-Auto-Markt

Frankreich, Deutschland und Norwegen haben im Januar den E-Auto-Markt dominiert

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2019 war von der E-Mobilität geprägt. Es war das Jahr des Tesla, wie man im Rückblick feststellen konnte. Und wohl auch das Jahr, in dem die E-Mobilität ihren Weg auf den Massenmarkt angetreten hat. Dennoch hatte man das Gefühl, dass die Automobilhersteller mit angezogener Handbremse unterwegs waren. Was sicherlich daran lag, dass man sich den E-Auto-Absatz für 2020 aufbewahren wollte. Dem ersten Jahr in dem die CO2-Flottenwerte für Hersteller zu einer echten Herausforderung werden können.

CO2-Grenzwerte treiben 2020 den E-Auto-Markt

Wir erinnern uns hierzu: Im Dezember 2018 hat man sich in der EU auf neue CO2-Grenzwerte für Pkw für die Zeit nach 2020 verständigt. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen von Neuwagen um 37,5 Prozent gegenüber 2021 sinken. Ab 2020 gilt ein Grenzwert von 95g CO2/km für alle neu zugelassenen Pkw. Eine Tatsache, welche zu einem explosionsartigem Wachstum am Elektromobilitätsmarkt im Quartal 01/2020 führen wird.

Die Einhaltung dieser Grenzwerte wird dazu führen, dass Hersteller neue Modelle vorantreiben und die Produktionsleistung erhöhen, die bisher er mühsam und langsam ansteigt. Aber gerade von politischer Seite wird der E-Auto-Absatz weiter gepusht. Die einzelnen Regierungen sollen sowohl Privat- als auch Firmenwagenfahrer durch zahlreiche Förderprogramme zur Beschleunigung der Einführung unterstützen. Gerade in Ländern in welchen OEMs selbst fertigen wird entsprechende Unterstützung gewährt, um Geldbußen zu vermeiden und schlussendlich Arbeitsplätze zu schützen.

Frankreich dominiert Elektroauto-Markt im Januar 2020

Erste Anzeichen dafür, dass die These von Automobil-Analyst Matthias Schmidt zu greifen beginnt, zeigt sich bei einem Blick auf die Absatzzahlen im Januar 2020. Frankreich bewies im ersten Monat des neuen Jahres, dass man einiges in der Hinterhand hat, um den E-Auto-Markt zu prägen. 38.164 E-Fahrzeuge wurden im Januar in Europa zugelassen, 10.952 dieser Fahrzeuge stammten hierbei alleine aus Frankreich. In Bezug auf den dortigen Markt konnten elektrifizierte Fahrzeuge einen Marktanteil von 8,2 Prozent für sich einnehmen. Gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von 258 Prozent.

Wenn ein 8,2-prozentiger BEV-Mix theoretisch das ganze Jahr 2020 hindurch beibehalten werden könnte, würde der französische Elektroauto-Markt auf 180.000 Fahrzeuge (2019: 43.000) – auf der Grundlage des französischen Pkw-Gesamtvolumens von 2019 – anwachsen. Und das obwohl der Gesamtmarkt in diesem Jahr voraussichtlich leicht zurückgehen wird, da die Automobilhersteller versuchen, die unprofitablen Volumenverkäufen zu vermeiden, um sich auf profitablere Verkäufe konzentrieren. Da diese ihrerseits die geringeren Margen aus Elektroauto-Verkäufen stützen sollen.

Prägend für den französischen Elektroautomarkt im Januar 2020 war der neue/alte Renault ZOE, welcher knapp die Hälfte (5.331 Einheiten) des Gesamtabsatzes an E-Autos (10.952 Einheiten) ausgemacht hat. In Bezug auf den gesamten europäischen Markt dominierte der ZOE ebenfalls mit einem Anteil von 9.619 abgesetzten Autos, an einem Gesamtmarkt von 38.164 E-Fahrzeugen. Im Vergleich hierzu reihte sich der „Vorjahressieger“ – das Tesla Model 3 – mit 1.412 abgesetzten Einheiten im europäischen Markt im Mittelfeld ein. Ein Wachstum des E-Auto-Absatzes in Frankreich scheint weiterhin greifbar, da weitere französische Modelle 2020 auf die Straße kommen werden.

Für den Massenmarkt erschwinglich kommt der rein elektrische Twingo Z.E. daher. Des Weiteren wird auch der Mégane E-TECH mit Plug-in-Hybridantrieb seinen Teil zum französischen Erfolg beitragen. Dacia gibt als Weltpremiere den Startschuss für das erste Elektroauto der Marke. Renault gab Mitte Januar zu verstehen, dass die Einführung des Twingo Z.E. eine neue Etappe in der eigenen Elektrooffensive einleiten wird. Aber auch PSA wartet 2020 mit interessanten Modellen auf. Der Peugeot e-208 wird im Massenmarkt ankommen. Im Januar konnten bereits 3.525 Exemplare in Europa abgesetzt werden.

Der gesteigerte E-Auto-Absatz im Januar alleine konnte dazu beitragen, dass die französischen CO2-Emissionsdurchschnitte deutlich sanken. Denn der gesamte Markt sank um 16,9 g/km gegenüber dem Vormonat Dezember. Bereits Anfang März steht fest, dieses Niveau der Marktdurchdringung wird wahrscheinlich weiter steigen, wenn mehr Modelle auf den Markt kommen.

Großbritannien steht 2020 ein großes Wachstum bevor

Als eine von vielen Maßnahmen für den Klimaschutz will Großbritannien den Verkauf neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge bis 2035 einstellen — fünf Jahre früher als bislang geplant. Außerdem soll das Neuzulassungsverbot dann im Gegensatz zu früheren Plänen auch für Hybridfahrzeuge gelten. Auf der anderen Seite wird es wohl Anfang April 2020 soweit kommen, dass emissionsfreie Fahrzeuge in die Null-Prozent-Sachleistungs-Steuerkategorie fallen werden (derzeit 16 Prozent). Was der dortigen Region einen enormen Aufschwung bringen dürfte.

Der dortige Markt verzeichnete 4.054 rein elektrische Zulassungen oder 2,7 Prozent des Gesamtvolumens, was zu einem dritten Monat in Folge führte, in dem die Zulassungszahlen über 4.000 Einheiten lagen. Mit einem wachsenden Absatz von Tesla Model 3 für den britischen Markt geht Automobil-Analyst Schmidt davon aus, dass im März 2020 alleine der Absatz von rund 20.000 rein elektrischen Fahrzeugen überstiegen werden kann. Als bisher größter Absatzmonat am E-Auto-Markt ging der September 2019 als Sieger hervor. Damals wurden 7.704 Einheiten am Markt zugelassen.

Deutschland und Norwegen von immenser Bedeutung für E-Auto-Absatz

Die beiden anderen großen Elektroauto-Volumenmärkte im Januar – die vier größten Märkte machen über 70 Prozent des gesamten regionalen Volumens aus – waren Deutschland und Norwegen. Während die norwegischen Volumina von den bereits hohen Niveaus im Jahr 2019 nicht viel schneller wachsen dürften, dürften die deutschen Volumina bis Ende dieses Jahres wahrscheinlich die bedeutende 100.000er-Marke überschreiten – und könnten 150.000 Einheiten erreichen.

Damit würde Europas größter Pkw-Markt einen Elektroauto-Anteil von etwas mehr als vier Prozent, bezogen auf das Gesamtmarktvolumen 2019 (3,6 Millionen), erreichen. In absoluten Zahlen ausgedrückt bracht es Deutschland im Januar 2020 auf 7.493 abgesetzte E-Autos (Wachstum ggü. Vorjahr + 59,2 Prozent), Norwegen auf 4.236 Einheiten (Wachstum ggü. Vorjahr + 24,3 Prozent). Insbesondere der E-Auto-Absatz in Deutschland dürfte durch den erhöhten Umweltbonus stark wachsen.

Denn künftig gibt es mehr Geld, wenn ein E-Auto unter einem Listenpreis von 40.000 Euro erworben wird. 6.000 Euro statt 4.000 Euro werden nun vom Kaufpreis erstattet. Bei Plug-In-Hybride in dieser Preisklasse gibt es künftig 4.500 Euro statt 3.000 Euro. Für Elektroautos mit einem Listenpreis über 40.000 Euro wird der Zuschuss für reine E-Autos bei 5.000 Euro liegen, für Plug-in-Hybride bei 4.000 Euro. Bisher wurden Elektroautos nur bis zu einem Netto-Listenpreis von 60.000 Euro gefördert. Diese Deckelung wird künftig bei 65.000 Euro stattfinden.

Künftig sollen auch junge gebrauchte Elektrofahrzeuge, die weder als Firmenwagen noch als Dienstwagen des Ersterwerbers eine staatliche Förderung erhalten haben, bei der Zweitveräußerung einfach und unbürokratisch eine Umweltprämie erhalten. Dies dürfte sich ebenfalls positiv auf den Gesamtmarkt auswirken. Wir beobachten die Entwicklung weiter.

Gerne kannst du mir auch Fragen zur E-Mobilität per Mail zukommen lassen, welche dich im Alltag beschäftigen. Die Antwort darauf könnte auch für andere Hörer des Podcasts von Interesse sein.

Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für die bereits erwähnten Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung, beim Podcast-Anbieter deiner Wahl, freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

Quelle: Matthias Schmidt – West European Electric Car Market Intelligence Monthly Report Edition 01.2020

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5 Antworten

  1. Und dennoch sollte man den chinesischen E-Automarkt samt Herstellerabsatzzahlen gegenüber stellen – selbst die paar französischen E-Autos werden langfristig verschwinden. E-Autos werden bereits in jeder Qualitätsstufe in China gefertigt, ab Mitte des Jahres vielleicht schon mit der neuen Tesla-Zelle – hoffentlich sind die Lizenzgebühren von Tesla human, ansonsten wars das ohnehin mit der Fahrzeugproduktion in Europa. Tesla Berlin bleibt uns zum Glück noch und wird sich in Europa bis in 10 Jahren um mindestens Faktor 10 vergrößert haben.

    1. Ich bezweifele das sich die Gigafactory um den Faktor 10 vergrößeren wird. Alleine schon wegen den Baumbesetzter da. Das wäre der 2. Hambacher Forst 😉 . Mal davon abgesehen wäre es dann eine bzw. Die größte autofabrik der Welt. Ganz so optimistisch wäre ich da nicht…

  2. Ohne jetzt die Erfolge von Tesla unter den Scheffel stellen zu wollen. Tesla alleine wird für den Wandel in der Mobilität nicht ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung stellen können. Was den meisten Teslafreunden nicht einleuchtend erscheint, Tesla ist trotz ihrer Erfolge nur ein kleiner Hersteller im Gesamtsegment. Dies lässt sich sicher noch skalieren, aber auch im ausreichenden Maße? Chinesische Fahrzeuge werden bislang nur sehr verhalten im europäischen Markt wahrgenommenen. Die bislang gewählten Wege in die europäischen Märkte werden auch nicht für große Verbreitung sorgen.
    Insgesamt würde ich behaupten, das Spiel ist offen und ehrlich gesagt, so wünsche ich es mir auch!

  3. Da müsste aber der Teufel auf Stelzen kommen, wenn der Karsch recht hätte. Die paar wenigen franz.. Autos beherrschen den Markt in Europa !
    Die Chinesen fuchteln ein wenig in der Oberklasse herum. Auch in der Vergangenheit haben die noch nie einen Fuss im Export auf den Boden gebracht. Weder bei den Autos noch bei den Motorrädern. Am ehesten noch vor 12 Jahren mit den ersten E Biks. Hut ab vor PSA mit bereits über 3000 Stück E 208 auf der Strasse. Die alten Ingenieure von OPEL werden denen mit den Kenntnissen vom Ampera Dampf einjagen. Nachdem jetzt die meisten Reichen einen Tesla haben, wird sich der Markt eben in der Mitteklasse abspielen. Also auch VW auf geht s. liefern nicht lavern.

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