Coronavirus: Herausforderung für die Elektromobilität / Automobilhersteller

Coronavirus: Herausforderung für die Elektromobilität / Automobilhersteller

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Die Coronavirus-Epidemie 2019/2020 ist ein erstmals Ende Dezember 2019 in der Millionenstadt Wuhan der chinesischen Provinz Hubei auffällig gewordener Ausbruch des bis dahin unbekannten Coronavirus 2019-nCoV. Um einer Ausbreitung in Staaten ohne leistungsfähige Gesundheitssysteme entgegenzuwirken, rief die Weltgesundheitsorganisation Ende Januar die internationale Gesundheitsnotlage aus. In China wurden umfangreiche Sperrzonen eingerichtet. Die Folgen des Coronavirus kommen immer stärker in der Wirtschaft an und werden eine ernst zunehmende Herausforderung für die Elektromobilität / Automobilhersteller. Eine Bestandsaufnahme – wird fortlaufend ergänzt – letztes Update am 12.02.2020.

Tesla: Giga Shanghai durch Coronavirus beeinträchtigt

Mitte Dezember kam von uns der Hinweis, dass mehrere Gerüchte darauf hindeuten, dass Tesla in China bald lokal gefertigte Model 3 verkauft. Seit Ende Dezember ist es soweit. Zunächst wurde mit dem Verkauf einer geringen Anzahl des Model 3 an Mitarbeiter begonnen. Bei der Veranstaltung gab Tesla China General Manager Wang Hao zu verstehen, dass bereits mehr als 1.000 Modell 3 jede Woche produziert werdenWobei Tesla mittlerweile bei 3.000 Fahrzeuge pro Woche angelangt sei  und das erste Produktionsquartal bereits vollständig ausverkauft sei.

Ein wichtiger Fortschritt, vor allem weil Tesla in 2020 auf den Erfolg der Giga Shanghai baut, um das Ziel von 500.000 E-Autos zu erreichen. Wie viel die dortige Giga zum Erfolg beitragen soll ist ungewiss. Wird aber vor allem für den Anlauf des Model Y eine tragende Rolle spielen. Aktuell sieht es jedoch nicht so rosig aus. Denn die Auslieferung von in China produzierten Fahrzeugen dürfte sich aufgrund des Coronavirus-Ausbrauchs verzögern.

Geht es nach dem US-Nachrichtensender CNBC hat die Tesla-Fabrik in Shanghai nach dem chinesischen Neujahrsfest noch nicht wieder ihren Betrieb aufgenommen. Von der Wuhan-Epidemie betroffen, verlängerte die chinesische Regierung die Schließung der dortigen Unternehmen und verzögerte die Arbeiten, um die Ausbreitung der Epidemie zu verhindern. Die Giga Shanghai wird voraussichtlich am 10. Februar in Betrieb genommen, wie Reuters zu berichten weiß.

Am Samstag, den 08.02.2020, gab die Regierung in Shanghai, zu verstehen, dass sie sich mit den von der Virusabschaltung betroffenen Unternehmen abstimmen werden, um die Produktion auf das übliche Niveau zu bringen. Zeitgleich versucht man das Virus, an dem bereits 700 Menschen im Land gestorben sind, zu kontrollieren, wie Reuters berichtet. Teslas Batterielieferant LG Chem kündigte am Freitag an, dass er plant, die Produktion am 10. Februar teilweise wieder aufzunehmen.

“Angesichts der praktischen Schwierigkeiten, mit denen wichtige Produktionsfirmen, einschließlich Tesla, bei der Wiederaufnahme der Produktion konfrontiert waren, werden wir uns koordinieren, um alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Unternehmen zu helfen, die Produktion so schnell wie möglich wieder aufzunehmen.” – Xu Wei, Sprecher der Stadtregierung von Shanghai

Fiat Chrysler (FCA): Europäisches Werk könnten aufgrund von Versorgungsproblemen Fertigung einstellen

Fiat Chrysler gibt zu verstehen, dass eines seiner europäischen Werke nur noch zwei Wochen davon entfernt sei die Produktion einzustellen. Auch hier spiele der Coronavirus eine entscheidende Rolle, da die Beschaffung essentieller Teile aus China nicht sichergestellt sei. Insgesamt vier Zulieferer des Automobilkonzerns seien vom Ausbruch des Coronavirus in China betroffen und mussten ihre Fertigung einstellen / zurückfahren.

Für FCA entscheidet sich innerhalb der nächsten zwei bis vier Wochen, ob das europäische Werk seine Pforten schließen muss. Aktuell sei nur einer der vier Zulieferer als kritisch eingestuft. Sollten chinesische Fertigungen den ganzen Februar über geschlossen bleiben, werden auch die anderen drei Zulieferer kritisch in Bezug auf die Versorgung mit wichtigen Halbfabrikaten und Teilen. Ein engagiertes Team innerhalb von Fiat Chrysler wurde angewiesen, die Teile des Unternehmens und alle potenziellen Auswirkungen der Produktion zu überwachen, einschließlich der Suche nach alternativen Bezugsquellen, was Zeit braucht, da neue Komponenten zertifiziert und registriert werden müssen, wie Vorstandsvorsitzende Mike Manley zu verstehen gab.

Volvo reagiert mit Lieferantenwechsel auf Coronavirus

Volvo gab zu verstehen, dass das Unternehmen den Batterielieferanten für seine Hybridfahrzeuge gewechselt habe, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Im Mai 2019 hat die Volvo Car Group eine langfristige Vereinbarung mit den führenden Batterieherstellern CATL und LG Chem über die Lieferung von Lithium-Ionen-Batterien für die nächste Generation von Volvo sowie Polestar Modellen getroffen. Nach Ausbruch des Coronavirus hat Volvo zunächst alle Batterie-Bestellungen auf den koreanischen Hersteller LG Chem konzentriert.

Für Volvo Vorstandsvorsitzende Hakan Samuelsson sei dieser Schritt richtig: “Deshalb haben wir diese neue gemeinsame Partnerschaft, genau um mögliche Störungen zu mildern.” Eine sichere Versorgung mit Batterien ist für den schwedischen Automobilhersteller entscheidend, wenn er weiterhin an den für 2020 gesteckten Zielen festhalten möchte.

Toyota lässt Werke in China weiter ruhen

Toyota hat die Wiederinbetriebnahme vier großer Werke in China wegen der Ausbreitung des Coronavirus erneut verschoben. Wie der größte japanische Autohersteller mitteilte, wird die Produktion dort bis mindestens Anfang übernächster Woche (17. Februar) stillstehen. Toyota hatte vergangene Woche angekündigt, den Betriebsbeginn der vier Werke in China nach dem chinesischen Neujahr zunächst bis kommenden Montag zu verschieben. Das Unternehmen will in der kommenden Woche Vorbereitungen für die Rückkehr zu einem normalen Betrieb treffen, hieß es am Freitag.

Deutsche Hersteller reagieren mit Verlängerung der chinesischen Neujahrsferien

Bei den deutschen Automobilhersteller schließt man sich zunächst der Verlängerung der chinesischen Neujahrsferien um eine weitere Woche bis 9. Februar an. BMW hat dabei seine drei Werke in der Millionenstadt Shenyang geschlossen. Dort arbeiten rund 18.000 Mitarbeiter, die jährlich eine halbe Million Autos und Motoren fertigen. Laut Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, machen deutsche Automobilhersteller rund ein Drittel ihrer Gewinne in China.

Des Weiteren profitieren die Hersteller von den globalen Fertigungsstandorten und unterstützen sich gegenseitig im Produktionsverbund. Durch Stillstand der chinesischen Bänder könnte es zu einem erhöhten Produktionsbedarf in anderen Werken kommen, denn es auszugleichen gilt. Zudem haben auch BMW, Mercedes-Benz als auch der VW Konzern damit zu kämpfen, dass benötigte Halbfabrikate und Produkte für die E-Fahrzeuge aus China kommen. Stehen dort die Bänder länger stillt könnte dies ernsthafte Folgen haben – siehe hierzu Abschnitt zu Fiat Chrysler. Wobei man derzeit weder in China noch in anderen Werken von Auslieferungsverzögerungen ausgehe.

Einer Meldung vom 12. Februar 2020 zu Folge will BMW die Produktion in seinen drei Werken in der chinesischen Millionenstadt Shenyang wieder anlaufen lassen. Nach “jetzigem Stand” sei das für den kommenden Montag (17. Februar) geplant, sagte Konzernchef Oliver Zipse auf einem Branchenkongress in Bochum. Allerdings sei noch nicht abzusehen, wie lange das Hochfahren der Produktion dauern werde. Auch sei noch nicht nicht abzuschätzen, welche Folgen der Produktionsstopp habe. Feststeht allerdings, dass der Stillstand keine Auswirkungen auf die weltweiten Lieferströme bei BMW habe, so Zipse.

Aus dem VW Konzern wurde bekannt, dass Audi ebenfalls Konsequenzen aus dem Coronavirus gezogen hat. Eine Sprecherin des Unternehmens gab zu verstehen, dass die Audi-Mitarbeiter in Beijing bis 17. Februar vorsorglich im Home-Office arbeiten. Nationale und internationale Dienstreisen seien für die Mitarbeiter aus China vorerst ausgesetzt. Automotive News Europe hat berichtet, dass Volkswagen die Wiederaufnahme der Produktion in den meisten chinesischen Werken, in seinem Joint Venture mit SAIC Motor und im Werk Tianjin in seinem Joint Venture mit der FAW-Gruppe, bis zum 17. Februar verschoben hat. Dennoch werden die meisten Werke des FAW-Joint-Ventures am 10. Februar wieder anlaufen. Auch ein Autowerk, das VW mit der SAIC in Shanghai betreibt, wird am 10. Februar wieder in Betrieb genommen.

Ola Kallenius, Vorstandsvorsitzender des Mutterkonzerns Daimler, gab gegenüber Automotive News Europe zu verstehen, dass man am 11. Februar 2020 die Fertigung in China wieder aufgenommen habe. Es sei noch zu früh, um die Auswirkungen des Coronavirus auf das Geschäft von Daimler abzuschätzen, sagte Kallenius.

Quelle: Financial Times – Fiat Chrysler warns coronavirus might shut European plant // Süddeutsche – Tesla-Aktie bricht um 17 Prozent ein // Produktion.de – So hart trifft der Coronavirus die Autoindustrie // Automobilwoche – Toyota lässt Werke in China weiter ruhen

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2 Antworten

  1. Ich weiß jetzt nicht ob der Coronavirus oder die Verweigerungshaltung der Regierung und der deutschen Autobauer schlimmer für das vorankommen des Mobilitätswandels ist.

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