Wie es um Europas Ladeinfrastruktur bestellt ist – und wie sie besser werden kann

Schwedische Studie betrachtet Ladesituation

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Neben der Erschwinglichkeit von Elektroautos gilt die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur allgemein als Schlüsselelement für die Einführung und den Markterfolg von Elektrofahrzeugen. Interessenvertreter und politische Entscheidungsträger haben in der Vergangenheit viel darüber diskutiert, was als Erstes anfällt: Der Ausbau der Infrastruktur oder die Einführung von Elektroautos. Sollten wir erst dann Ladestationen errichten, wenn mehr und mehr Elektroautos unterwegs sind, oder sollten wir zuerst Ladestationen bauen und dann erst die Einführung von Elektroautos fördern? Es ist ein klassisches Henne-Ei-Szenario, so das Batterieunternehmen Northvolt in einer aktuellen Mitteilung.

Die Kausalität zwischen den beiden Faktoren war bislang noch nicht umfassend untersucht. Nun haben sich Forscher in Schweden vom IVL Swedish Environmental Research Institute und der Universität Göteborg mit der Angelegenheit befasst und Erkenntnisse geliefert, die Aufschluss über die Dynamik dieses Bereichs geben.

Unsere Studien zeigen, dass kommunale Investitionen in Ladestationen zu einer erhöhten Anzahl von Elektroautos geführt haben, insbesondere in Großstädten. Dies sind die ersten Studien, welche die Kausalität zwischen einer Reihe lokaler Instrumente und neu zugelassenen Elektrofahrzeugen in schwedischen Bezirken untersuchen“, erläuterte IVL-Forscher Magnus Hennlock die Ergebnisse der Datenanalyse von 2010 bis 2016. Dieser positive Effekt kommunaler Ladepunkte auf die Akzeptanz von Elektroautos war in größeren städtischen Gebieten ausgeprägter als in ländlichen Gebieten.

Die Forscher kamen in ihrer Studie auch zu dem Schluss, dass Ladestationen in städtischen Umgebungen am besten in dicht besiedelten Gebieten platziert sind, da für Städter das hauptsächliche Hindernis für die Einführung von Elektroautos die eingeschränkten Lademöglichkeiten zu Hause sind. Im Gegensatz dazu sollten kleinere Gemeinden Ladestationen in der Nähe jener Straßen platzieren, auf denen das größte Verkehrsaufkommen herrscht – eine Maßnahme, die dazu dient, die Sichtbarkeit der Ladeinfrastruktur zu erhöhen und die Reichweitenangst der Pendler zu verringern.

„Zwei Dinge sind sehr klar. Zukünftige CO2-Einsparungen hängen von einem größeren Absatz von Elektroautos ab. Und ein größerer Absatz von Elektroautos hängt von einem dichten Netz von Ladestationen ab. Die CO2-Gesetzgebung muss daher die Verbindung zwischen diesen beiden Elementen herstellen.“ – Erik Jonnaert, Generalsekretär der European Automobile Manufacturers’ Association ACEA

Während die Studien mit schwedischen Daten durchgeführt wurden, erklärte Magnus gegenüber Northvolt, dass die Situation in den anderen nordischen Ländern ähnlich sei. Wenn es um das übrige Europa geht, müssten allerdings die großen Agglomerationen mit zum Teil einem Vielfachen mehr als einer Million Einwohner anders betrachtet werden. „Die Verstädterung und das riesige Einzugsgebiet bringen einen größeren Anteil an Mehrfamilienhäusern mit sich, wodurch die Rolle der Gemeinden noch wichtiger wird als in den nordischen Ländern“, so der Forscher.

Die Ergebnisse der Studie bringen sowohl privaten als auch öffentlichen Akteuren, die am Aufbau der Ladeinfrastruktur beteiligt sind, einige interessante Einsichten, so Magnus: „Die lokalen Behörden spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Übergang zu einer stärker elektrifizierten Fahrzeugflotte voranzutreiben. Wenn die Neuzulassungen von Elektroautos jedoch signifikant steigen sollen, muss die Planung der Ladeinfrastruktur auf der demografischen Struktur der Gemeinde und ihren besonderen geografischen Einschränkungen beruhen.“

Kommunen als Vorbilder

Interessanterweise ergab die Untersuchung auch, dass die Einführung von Elektroflotten in Kommunen einen spürbaren Effekt auf den Kauf von Elektroautos von Privatpersonen hatte. Die Sichtbarkeit von Fahrzeugen, die von Kommunen betrieben werden, wurde demnach von Anwohnern als ermutigendes Zeichen dafür gesehen, dass Elektroautos in der Region alltagstauglich sind. Und wenn sich die Kommunen selbst zu Elektroautos verpflichten, ist es auch wahrscheinlicher, dass sie in die Ladeinfrastruktur investieren. Die Autoren stellen in ihrer Studie fest: „Je höher die Beobachtbarkeit einer Innovation ist, desto höher wird die Akzeptanzrate sein.“

Natürlich haben andere Faktoren einen großen Einfluss auf die Einführung von Elektroautos, insbesondere Anreizsysteme wie Parkvorteile, finanzielle Förderungen zur Verbesserung der Erschwinglichkeit der Fahrzeuge und andere politische Instrumente. Der direkte Zusammenhang zwischen der Akzeptanz von Elektroautos und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur sollte von politischen Entscheidungsträgern, Kommunen und involvierten Unternehmen gleichermaßen beachtet werden.

Ladenetz wächst und wächst

Ein Blick auf die Verfügbarkeit von Ladestationen in ganz Europa ist insgesamt ermutigend, so Northvolt. Während die Europäische Kommission empfohlen hat, für jeweils zehn Elektroautos auf der Straße einen öffentlichen Ladepunkt zu errichten, ergab eine Analyse von Transport & Environment, dass derzeit EU-weit durchschnittlich rund fünf Elektroautos pro öffentlichem Ladepunkt unterwegs sind. Bei einer Zunahme der Anzahl von Elektroautos und Ladestationen wird dieses Verhältnis im Jahr 2020 voraussichtlich bei etwa zehn zu eins liegen. Die Prognose geht davon aus, dass die EU-Länder ihre Pläne einhalten, wonach rund 220.000 Ladepunkte errichtet werden sollen.

Transport & Environment berichtet zudem, dass das geplante europäische Schnellladenetz dicht genug sein wird, um auch späteren Generationen von Elektroautos mit leistungsstärkeren Batterien und höheren Reichweiten ab 2020 entspanntes Reisen durch einen Großteil West- und Nordeuropas zu ermöglichen. Für Süd- und Osteuropa soll es noch ein paar Jahr länger dauern.

Die vorhandene Ladeinfrastruktur ist allerdings bei weitem nicht einheitlich verteilt: 76 Prozent der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Europa sind in vier Ländern konzentriert – Niederlande (26 Prozent), Deutschland (19 Prozent), Frankreich (17 Prozent) und das Vereinigte Königreich (13 Prozent).

Während die Zielvorgabe der Kommission derzeit eingehalten wird, ist das Elektrifizierungstempo in Europa so hoch, dass der Schwerpunkt weiterhin auf dem Aufbau einer effektiven Ladeinfrastruktur liegen muss, so Northvolt in seiner Mitteilung. Angesichts der Kosten und des Umfangs des bevorstehenden Ausbaus der Infrastruktur sei es offensichtlich, dass dieser Ausbau unter Berücksichtigung der oben beschriebenen räumlichen Verhältnisse geschehen muss.

Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge werden in Europa bis 2025 mindestens zwei Millionen Ladepunkte benötigt. Diese Zahl wird jedoch als äußerst konservativ eingestuft. Das Beratungsunternehmen McKinsey schlägt zum Beispiel vor, dass bis 2025 acht Millionen Ladepunkte notwendig seien, um ein realistisches Basisszenario von Elektroautos auf der Straße zu erreichen, das von 2 Millionen im Jahr 2020 auf 28 Millionen im Jahr 2030 ansteigt.
McKinsey schätzt auch, dass der Bedarf der EU an Ladepunkten von 2020 bis 2030 Investitionen in Höhe von rund 17 Milliarden US-Dollar (etwa 15,3 Milliarden Euro) erfordert, was etwa 24 Millionen Ladepunkte ermöglichen würde.

Quelle: Northvolt – Pressemitteilung vom 15.10.2019

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