Batterieforscher: Aktuelle Batterien „reichen für die Elektromobilität längst aus“

Batterieforscher: Aktuelle Batterien „reichen für die Elektromobilität längst aus“
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Begeistert vom Nobelpreis in Chemie für drei Batterieforscher äußerte sich Martin Winter, Professor am MEET (Münster Electrochemical Energy Technology) und einer der führenden Forscher in Deutschland zu Lithium-Ionen-Batterien, kritisch über die Erwartungshaltung gegenüber Elektroautos: „Wir müssen die Ansprüche an die Batterien etwas herunterfahren. Die meisten Leute fahren heute nicht so weit. Der Deutsche fährt am Tag im Schnitt circa 40 Kilometer“, sagte Winter der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wenn die Nutzer bereit seien, „Kompromisse zu machen, dann reichen die Batterien für die Elektromobilität längst aus. Dazu gehört dann aber auch zum Beispiel, dass ich auf der Autobahn nicht rase.“

Der deutsche Batterieforscher ist der Meinung, dass sich Einstellung gegenüber den Themen Elektromobilität und Reichweite ändern müsse. „Ich kann dann nicht sagen, dass ich die Freiheit haben möchte, spontan und ohne Pause während der Fahrt meine Schwiegermutter mit dem Elektroauto in Südsizilien besuchen zu müssen.“

Nobelpreis für Batterieforscher „eine super Nachricht“

Der Nobelpreis für Chemie für den in Jena geborenen US-Amerikaner John Goodenough, den in Großbritannien geborenen Stanley Whittingham und den Japaner Akira Yoshino für die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien sei „eine super Nachricht“, sagte Winter der dpa. Keine andere technische Lösung vereine so viele positive Eigenschaften auf einmal wie diese Art. Keine andere Batterie sei so schnell aufzuladen, biete das geringste Gewicht und die größte Reichweite. Und dementsprechend fällt auch das Fazit des Wissenschaftlers aus, der seit rund zehn Jahren auf diesem Gebiet forscht: Ohne die Lithium-Ionen-Batterie wäre bei der Entwicklung der Elektromobilität erst die Hälfte des Weges erreicht.

Die leichten, wiederaufladbaren und starken Batterien werden außer in Elektroautos auch in zahlreichen anderen Produkten wie Mobiltelefonen und Laptops eingesetzt. Sie könnten in größerem Maßstab auch Solar- und Windenergie speichern und so eine Welt frei von fossilen Kraftstoffen ermöglichen, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften mit.

Quelle: dpa-Newskanal der Süddeutschen Zeitung – Batterieforscher in Münster begeistert von Nobelpreis-Wahl // Tagesschau – Auszeichnung für Chemiker: Nobelpreis für Batterie-Forscher

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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