E-Auto-Pionier Schermann: „Es gibt keinen effizienteren Antrieb als den Elektroantrieb“

An E-Antrieb führt kein Weg vorbei!

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In Österreich gilt Markus Schermann als Pionier in Sachen Elektromobilität. Bereits seit den 1990er beschäftigt er sich mit Elektroantrieben. Zunächst bei Siemens, später mit einer eigenen Firma, welche er schließlich an den Zulieferer Magna verkaufte. Heute leitet Schermann ein Forschungs- und Entwicklungszentrum des chinesischen Autoherstellers Great Wall Motors (GWM) in der Nähe von Wien, das 2017 aufgebaut wurde. In einem Interview mit Trending Topics sprach Schermann über die Zusammenarbeit mit den Chinesen, warum der Elektroantrieb der sauberste von allen ist und wie lange die Lebensdauer von Batterien sein kann.

Zwei reine Elektroautos hat GWM bereits auf dem Markt, allerdings noch ohne Technologie aus Österreich. Das wird sich aber schon bald ändern, da Schermann und sein Team – ausgestattet mit einem Budget von 20 Millionen Euro – aktuell einen Antrieb für einen Elektro-Pickup sowie einen Hybridantrieb entwickeln: „Wir entwickeln die Elektronik, die Schaltkreise, die Software, wir konstruieren alle mechanischen Teile“, so der Ingenieur. „D.h. am Anfang einer Produktentwicklung steht für uns meistens eine grobe Beschreibung, am Ende kommt ein ganzes Aggregat raus.“

Österreich „im Herzen Europas“ habe einige Standortvorteile, von denen GWM profitieren kann, wie Schermann erklärt: „Wir tun uns leichter, hier aus Österreich mit Partnerfirmen in Deutschland, Italien, Slowenien usw. in Kontakt zu treten und zusammenzuarbeiten, als unsere Kollegen in China. Wir haben hier sehr gute Ingenieure und wir pflegen als Land gute Kontakte zu China. Darüber hinaus haben wir in Österreich einen sehr hohen Bildungsstandard und für unseren Bereich Top-Universitäten und Fachhochschulen in nächster Nähe.

Die Zusammenarbeit mit den Kollegen in China funktioniere hervorragend, trotz der räumlichen Distanz: „Wir haben fast täglich eine Videokonferenz mit den Kolleginnen in Baoding, wo wir uns technisch in verschiedenen Bereichen abstimmen. Wir versuchen, das Beste aus beiden Welten zu nehmen. Auf der einen Seite die Systematik, auf der anderen Seite die Agilität. Wir verstehen das nicht als Widerspruch, sondern als Bereicherung.“

Obwohl die Prototypen in Österreich hergestellt werden, kommen die Antriebe vor allem in China in Fahrzeugen zum Einsatz: „Der europäische Markt ist natürlich auch interessant für GWM, wurde aber bis dato noch nicht bearbeitet“, so Schermann in dem Interview.

„Es geht nicht nur um CO2, sondern auch um Stickoxide, Kohlenmonoxid…“

Schermann geht davon aus, dass es „in ein paar Jahrzehnten in Autos nur mehr Elektroantriebe geben wird, weil es keine effizientere und keine kultiviertere Antriebsform als den Elektroantrieb gibt.“ Optimal sei natürlich, möglichst viel Ökostrom als Energiequelle einzusetzen, aber selbst im Mix mit Kohlestrom-Anteil ist ein Elektroauto „über die Lebenszeit sauberer als ein Verbrennerfahrzeug“, da „alleine bei der Förderung von Erdöl, bei dessen Transport und beim Raffinieren“ extrem viel Energie verbraucht wird. Der Energiebedarf für einen Liter Diesel etwa beträgt vom Bohrloch bis zum Tank (Well to Tank) gut 7 kWh. Mit dieser Energie kommt ein Elektroauto gut 50 Kilometer weit. „Außerdem geht es ja nicht nur um CO2, sondern auch um Stickoxide, Kohlenmonoxid, Partikel, alles was bei der Verbrennung aus dem Auspuff rauskommt“, erklärt Schermann.

Zwar brauchen auch Batterien von Elektroautos zur Herstellung viel Energie. Aber wenn „in Zukunft große Teile der Produktionsenergie aus erneuerbaren Energiequellen kommen, ist das E-Auto ganz clean“, so der Ingenieur. „Ultimativ ist nichts so effizient wie Photovoltaik-Energie direkt in Batterien zu speichern, und den Strom zum Fahren zu verwenden.“

Batterien haben noch einen weiteren Vorteil. Sie sind „auch noch brauchbar, wenn das Auto sonst schon auseinander fällt“, da sie noch über ausreichend Restkapazität verfügen, um für andere Zwecke genutzt zu werden, „z.B. um Solarstrom zu speichern. Damit kann die aktive Lebenszeit einer Batterie auf bis zu 20 Jahre ausgedehnt werden“, so Schermann.

Quelle: Trending Topics – Great Wall Motors: „Unsere Elektroantriebe werden in Österreich entwickelt und in China produziert“

Über den Autor

Michael ist freier Autor und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Pflichte Herrn Schermann auf ganzer Linie bei und wünsche ihm viel Erfolg

es wird oft thematisiert, Fahrzeug-Akkusnach dem Autoleben oder bei nachlassender Kapazität als stationären Energiespeicher zu verwenden. Außer der speicherbaren Energiemenge ist dann auch noch der Wirkungsgrad des stationären Speichers entscheidend. Ich habe allerdings noch nie etwas davon gehört, welcher Wirkungsgrad dabei aktuell erreicht werden kann und wie sich dieser bei nachlassendem Akku bzw. nach 10 Jahren ändert.

Wer weiß denn so was?

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