Daimler-Chef: „Wir müssen den Klimawandel angehen, wir können nicht mehr warten“

Daimler will Klimawandel konsequent angehen

Copyright Abbildung(en): Sandor Szmutko / Shutterstock.com

Daimler-Chef Ola Källenius hat die gleichen Sorgen, wie fast jeder andere Chef einer Automarke, die vorrangig mit großen und schweren Fahrzeugen Umsätze macht: Sie müssen ab 2020 den Durchschnittsverbrauch der Neuwagenflotte auf weniger als 95 Gramm je Kilometer drücken, um die Vorgaben der EU erfüllen zu können. Bei Verfehlung drohen Strafzahlungen, im Fall von Daimler wären es um die 200 Millionen Euro im Jahr.

Dieses Geld will Källenius natürlich lieber auf der Haben-Seite verbuchen und dafür die CO2-Limits der EU einhalten. Schaffen will er das, wie fast jeder andere Chef einer Automarke, die vorrangig mit großen und schweren Fahrzeugen Umsätze macht, mit reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden. „Bei den Pkw konzentrieren wir uns in den nächsten zehn Jahren auf die Batterie“, sagte er der Automobilwoche zufolge beim Branchengipfel des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) in Nürtingen.

Die Produktion in den europäischen Mercedes-Werken soll bereits bis 2022 klimaneutral erfolgen. Bis 2039 soll die Pkw-Neuwagenflotte von Mercedes gänzlich CO2-neutral werden. Aber nicht nur, um der EU zu gefallen. Angesichts der drohenden Klimakrise werde Nachhaltigkeit in Zukunft zu einem Vergabekriterium bei Aufträgen, ist sich der Daimler-Chef sicher. „Wir müssen den Klimawandel angehen, wir können nicht mehr warten“, sagte er auf dem Branchenevent. Wer nicht nachhaltig handle, werde „irgendwann rausfliegen“, sagte Källenius.

Die Brennstoffzelle spielt bei Daimler für Pkw keine große Rolle. Sie könne aber „vor allem für Nutzfahrzeuge interessant werden“, so Källenius. Auch synthetische Kraftstoffe hat der Daimler-Chef noch auf dem Schirm. Sollten sie zu akzeptablen Kosten skalierbar sein, will Mercedes mit dieser Technologie auch bei der Bestandsflotte den CO2-Ausstoß reduzieren, versprach der Manager.

„Das können wir nicht wissen, es wird sehr knackig“

Ein konkretes Ausstiegsdatum aus der Verbrenner-Technologie, wie es einige Länder wie Frankreich, Dänemark, Großbritannien und Indien bereits definiert haben und wie es hierzulande die Grünen fordern, will Källenius nicht. Er meint, die Marktwirtschaft regle das von ganz alleine. Und sollten in zehn Jahren tatsächlich synthetische Kraftstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, wäre eine Abschaffung der Verbrenner-Technologie fatal gewesen, so Källenius. „Planwirtschaft funktioniert nicht“, kritisierte er die Ausstiegspläne.

Allerdings findet er es richtig, dass fossile Brennstoffe künftig höher besteuert werden sollen, um nachhaltige Alternativen wie den Ausbau von Radwegen und eine Förderung von ÖPNV und Elektroautos subventionieren zu können. „Wir bewerten das, was die Bundesregierung mit dem Klimapaket angestoßen hat, als positiv“, so Källenius.

Ob Daimlers Maßnahmen reichen können, um die CO2-Ziele der EU bereits für 2020/21 zu erreichen, konnte Källenius nicht sagen: „Das können wir nicht wissen, es wird sehr knackig“, sagte er der Automobilwoche zufolge. Für die Zeit bis 2030 allerdings dürfte es klappen, so der Manager. Denn die dann gültigen, noch strengeren CO2-Limits, seien mit der beschlossenen Modellpalette machbar.

Quelle: Automobilwoche – Daimler-Chef Ola Källenius setzt auf E-Mobilität: „Wir können nicht mehr warten“

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3 Antworten

  1. Die Marktlüge

    Der Markt solls richten, sagt Källenius. Ein altes Mantra, eine totemistische Beschwörungsformel, die das steinzeitreligiöse Denken unserer Wirtschaftskoryphäen offenbart.
    Ein paar Beispiele, wie “der Markt” funktioniert:
    Im zweiten Weltkrieg entwickelten us-amerikanische Elektronikfirmen photovolaische und solarthermische Zellen für den Hausgebrauch, damit Öl, Kohle und Gas ganz dem Militär zur Verfügung stehen könnten und es die Kriegführung gegen Japan und Nazideutschland für sich schneller entscheiden konnte. Nach Kriegsende sahen die Fossilkonzerne wie Rockefeller ihren Markt schwinden, und sie nahmen Einfluss auf die Politik, in den neuen Suburbs nur noch dann Baugenehmigungen zu erteilen, wenn die Bauherren sich zum Anschluss an das Kohlestromnetz verpflichteten. Ebenso kaufte GM das gesamte Straßenbahnnetz von Los Angeles mitsamt dem Fuhrpark auf, ließ alles verschrotten und schuf sich so seinen “Markt” für PKW. (Aus der Doku “Die Erdzerstörer”)
    Sigmar Gabriel (SPD) verfügte als Wirtschaftsminister und Vizekanzler ein Gesetz, das private PV-Anlagen ab 10KWp und/oder mit Einspeise-Anschluss an das Netz gewerbesteuerpflichtig und den Eigenverbrauch an PV-Strom mehrwertsteuerpflichtig machte, damit sich die Selbstversorgung nicht mehr rentiert – zum Gefallen von RWE. So macht man “Markt” (Volker Pispers meinte: “Kann man das Wort Arschloch noch steigern? Ja, Sozialdemokrat.) Demokratie verkommt so zum neumittelalterlichen Feudalstaat (lat.feudum, Personenverband zum Schutz der eigenen Interessen). Nicht zu vergessen: In diesem Jahrzehnt wurden in Deutschland die großen Autohersteller mit fast einer Mrd.€ subventioniert (quelle: bundestag.de) als Investitionshilfe für die verbrenneraffine Forschung. So macht man “Markt”.
    Wir sehen: Wir Normalbürger sind eben nicht “Der Markt”. Markt ist eine Projektionsfläche der Marktbeherrscher, und genauso, als Projektion, funktionierte prinzipiell, nur real schlechter, die Planwirtschaft. Die Funktionäre sind jedoch keine Parteigrößen, sondern Konzernmanager und ihre Lobbyisten.
    Wo die Wirtschaft auf Projektion baut und auf ersatzreligiöser Mission (Werbeindustrie), kann man sie mit den Mitteln der feuerbachschen Religionskritik entzaubern: Religion als kindliches Wesen des Menschen, Gott als Außenverlagerung innerer Wünsche, so ist “Der Markt” die Projektion der Machtsüchtigen und Giergetriebenen.

  2. ….. hört sich von Seiten Daimler schon ganz anders an, als noch vor ca. einem Jahr.
    (und auch ein wenig in Opposition zu Forschungsberichten des Fraunhofer Instituts …z.B. betreffend Wasserstoff-Autos)

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