Abbau von Lithium in Bolivien wasserschonender als gedacht

Abbau von Lithium wasserschonender als gedacht
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Hoher Wasserverbrauch, Zerstörung der Umwelt: Der Abbau von Lithium, einem Hauptbestandteil in Elektroauto-Akkus, wird von einigen Leuten kritisch gesehen. Um Lithium aus Salzseen zu gewinnen, wie es etwa in Südamerika betrieben wird, muss Salzlauge (Sole, Hauptbestandteil ist Wasser) aus der Erde gepumpt und verdunstet werden. Das kann den Grundwasserspiegel senken, falls zu viel Sole entnommen wird. Einer neuen Studie zufolge aber ist der Lithium-Abbau besser als sein Ruf, wie das Magazin Edison berichtet. Denn veraltete Zahlen und ungenaue Daten verfälschen die aktuelle Diskussion.

Ein Forscherteam des Institute of Technology Carlow in Irland habe festgestellt, dass moderner Bergbau Mineralien auch ohne große Umwelteffekte abbauen könne. „Schlecht betriebene Bergbauvorhaben, oft kleinere Unternehmungen“, wie etwa Kohlebergbau in Indien, Goldminen in Südamerika oder illegale Kobaltgewinnung im Kongo hätten „ein Umweltproblem-Vermächtnis hinterlassen“, heißt es in der Studie, die im September im Fachblatt Resources erschienen ist.

Der Lithiumabbau hingegen habe „einen vergleichsweise kleinen Umwelteffekt, auch verglichen mit dem Abbau von Platin und Seltenen Erden.“ Wasserknappheit sei dennoch ein Problem, wenn Lithiumabbau schlecht umgesetzt werde. Dann müssten etwa Rinderbauern um das Wasser für ihre Herden fürchten, da Wasserstellen austrocknen könnten. Aber wie viel Wasser verbraucht eigentlich der Lithiumabbau?

Viele Medien – auch Edison selbst gibt das zu – meinten, für jede gewonnene Tonne Lithium müssten rund zwei Millionen Liter salz- und lithiumhaltige Sole verdunstet werden. Diese Zahl beruht allerdings auf einer sehr ungenauen Schätzung einer Studie aus Argentinien aus dem Jahr 2011. Die Verhältnisse in Bolivien jedoch, einem Hauptstandort für die Lithiumgewinnung, sind völlig andere: Am Förderort Salar de Atacama sei die Lithium-Konzentration der Sole sehr viel höher, sodass dort bei der Lithium-Gewinnung statt zwei Millionen nur noch gut 0,4 Millionen Liter Wasser verdunsten – ein Fünftel also.

Zudem verdunstet nicht alles Wasser unwiederbringlich, da Lithium aus feuchter Sole gewonnen wird. Dieses Wasser wird wieder in den Boden gepumpt. Desweiteren haben einige Minenbetreiber im Salar de Atacama ein Wassermanagement eingeführt: Sie ersetzen einen Teil des Grundwassers durch Wasser aus dem Pazifik.

Diskussion sehr einseitig geführt

Einige weitere Beispiele und Zahlen zeigen, warum die Diskussion um den Wasserhaushalt bolivianischer Salzseen zu einseitig und irreführend geführt und wiedergegeben wird. Zum Beispiel gibt es im bolivianischen Salar de Uyuni drei Monate Regenzeit, mit einem Wasserüberstand von bis zu einem halben Meter. Der Wasserverbrauch durch die Lithiumgewinnung werde also mehr als ausgeglichen.

In einem durchschnittlichen Elektroauto stecken 15 Kilogramm Lithium, was Berechnen von Edison zufolge einem Sole-Verbrauch von irgendwo zwischen 6000 Litern im besten und im ungünstigsten Fall von rund 30.000 Litern entspricht. Die selbe Menge Treibstoff verbraucht ein Diesel oder Benziner während seiner Lebenszeit, inklusive aller negativen Begleiterscheinungen in der Gewinnung des fossilen Energieträgers: Verseuchte und zerstörte Umwelt in den Abbaugebieten, Ölkatastrophen, Unmengen an CO2 in der Atmosphäre.

Und die 21.000 Millionen Liter im Salar sind nur ein Dreißigstel der Menge Wasser, die im Lausitzer Braunkohlerevier täglich abgepumpt werden muss“, schreibt Edison. Da sei es „schwierig, lateinamerikanischen Staaten die Lithiumförderung vorzuwerfen.“

Quelle: Edison – Lithium aus Lateinamerika: Abbau umweltfreundlicher als gedacht

Ein Kommentar

  1. Das ist auf den ersten Blick eine gute Nachricht, auf den zweiten Blick eine weniger gute. Denn es gibt m. W. Verfahren, die die Lithium-Gewinnung ohne Verdunstung der Sole in riesigen Mengen ermöglichen. Mag sein, dass der Wasser-Haushalt in Bolivien, wo derzeit deutsche Firmen tätig sind, weniger prekär ist als in den Nachbarstaaten Chile und Argentinien. Dennoch wäre ein möglichst präzises Eingehen auf das fragile Öko-System der Salzwüste sinnvoll und ebenso die Nachnutzung von Nebenprodukten.

    Richtig finde ich den Vergleich mit den Umwelt-Schäden durch fossile Treibstoffe und Braunkohle. Man macht sich die Dimension der Zerstörung oft nicht klar und setzt sie vor allem nicht ins Verhältnis zu den Rohstoffen, die für Batterien benutzt werden.

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