Abbau von Lithium in Bolivien wasserschonender als gedacht

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Hoher Wasserverbrauch, Zerstörung der Umwelt: Der Abbau von Lithium, einem Hauptbestandteil in Elektroauto-Akkus, wird von einigen Leuten kritisch gesehen. Um Lithium aus Salzseen zu gewinnen, wie es etwa in Südamerika betrieben wird, muss Salzlauge (Sole, Hauptbestandteil ist Wasser) aus der Erde gepumpt und verdunstet werden. Das kann den Grundwasserspiegel senken, falls zu viel Sole entnommen wird. Einer neuen Studie zufolge aber ist der Lithium-Abbau besser als sein Ruf, wie das Magazin Edison berichtet. Denn veraltete Zahlen und ungenaue Daten verfälschen die aktuelle Diskussion.

Ein Forscherteam des Institute of Technology Carlow in Irland habe festgestellt, dass moderner Bergbau Mineralien auch ohne große Umwelteffekte abbauen könne. „Schlecht betriebene Bergbauvorhaben, oft kleinere Unternehmungen“, wie etwa Kohlebergbau in Indien, Goldminen in Südamerika oder illegale Kobaltgewinnung im Kongo hätten „ein Umweltproblem-Vermächtnis hinterlassen“, heißt es in der Studie, die im September im Fachblatt Resources erschienen ist.

Der Lithiumabbau hingegen habe „einen vergleichsweise kleinen Umwelteffekt, auch verglichen mit dem Abbau von Platin und Seltenen Erden.“ Wasserknappheit sei dennoch ein Problem, wenn Lithiumabbau schlecht umgesetzt werde. Dann müssten etwa Rinderbauern um das Wasser für ihre Herden fürchten, da Wasserstellen austrocknen könnten. Aber wie viel Wasser verbraucht eigentlich der Lithiumabbau?

Viele Medien – auch Edison selbst gibt das zu – meinten, für jede gewonnene Tonne Lithium müssten rund zwei Millionen Liter salz- und lithiumhaltige Sole verdunstet werden. Diese Zahl beruht allerdings auf einer sehr ungenauen Schätzung einer Studie aus Argentinien aus dem Jahr 2011. Die Verhältnisse in Bolivien jedoch, einem Hauptstandort für die Lithiumgewinnung, sind völlig andere: Am Förderort Salar de Atacama sei die Lithium-Konzentration der Sole sehr viel höher, sodass dort bei der Lithium-Gewinnung statt zwei Millionen nur noch gut 0,4 Millionen Liter Wasser verdunsten – ein Fünftel also.

Zudem verdunstet nicht alles Wasser unwiederbringlich, da Lithium aus feuchter Sole gewonnen wird. Dieses Wasser wird wieder in den Boden gepumpt. Desweiteren haben einige Minenbetreiber im Salar de Atacama ein Wassermanagement eingeführt: Sie ersetzen einen Teil des Grundwassers durch Wasser aus dem Pazifik.

Diskussion sehr einseitig geführt

Einige weitere Beispiele und Zahlen zeigen, warum die Diskussion um den Wasserhaushalt bolivianischer Salzseen zu einseitig und irreführend geführt und wiedergegeben wird. Zum Beispiel gibt es im bolivianischen Salar de Uyuni drei Monate Regenzeit, mit einem Wasserüberstand von bis zu einem halben Meter. Der Wasserverbrauch durch die Lithiumgewinnung werde also mehr als ausgeglichen.

In einem durchschnittlichen Elektroauto stecken 15 Kilogramm Lithium, was Berechnen von Edison zufolge einem Sole-Verbrauch von irgendwo zwischen 6000 Litern im besten und im ungünstigsten Fall von rund 30.000 Litern entspricht. Die selbe Menge Treibstoff verbraucht ein Diesel oder Benziner während seiner Lebenszeit, inklusive aller negativen Begleiterscheinungen in der Gewinnung des fossilen Energieträgers: Verseuchte und zerstörte Umwelt in den Abbaugebieten, Ölkatastrophen, Unmengen an CO2 in der Atmosphäre.

Und die 21.000 Millionen Liter im Salar sind nur ein Dreißigstel der Menge Wasser, die im Lausitzer Braunkohlerevier täglich abgepumpt werden muss“, schreibt Edison. Da sei es „schwierig, lateinamerikanischen Staaten die Lithiumförderung vorzuwerfen.“

Quelle: Edison – Lithium aus Lateinamerika: Abbau umweltfreundlicher als gedacht

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Heiner Albicker:

diese Einstellung ist total daneben , das Wasser das durch den Kohleabbau als Ewigkeitskosten bezeichnet wir, ist absolut kein Trinkwasser es ist enorm belastet im besten Fall nur durch Salze das vom Gestein in der Tiefe ausgewaschen wird, im schlimmsten Fall je nach Standort auf mit PCB aus den Hydraulikanlagen im Untertagebau, das dort unten einfach abgelassen wird …. ein absolutes Unding.

Andreas:

Ach, und beim Wasserstoff ist dann alles besser? Was wird dann wieder zerstört? Lithium ist erstmal ein sehr gute Alternative, zu dreckigem Erdöl, Erdgas, Fracking, …. Es ist besser als sein Ruf!

Hans Müller:

Hans Müller – habe es gerade gelesen – antwortet und fragt: …. das war eine kurze und knappe gute Darstellung. Photovoltaik ist der optimale und bekannte Schlüssel für jede Energiegewinnung. Gerade die arabischen Staaten (Sonnenzone) haben das Potential mit Photovoltaik einen preiswerte unendliche Energie (Strom) für die Erzeugung von Wasserstoff (Ersatz für Erdöl, das zu schade ist, es zu verbrennen) herzustellen. Lithium ist letztlich eine Zwischenlösung. Mit dem LOHC-Verfahren ist Wasserstoff ungefährlich zu transportieren.

Richard Zizmann:

Die Lösung das Wasser dem Grundwasser zurück zu geben, st möglich! Haben wir in Versuchen für Dubai nachgewiesen. Es werden folgende Verfahrensschritte benötigt um Energieneutral zu bleiben. Photovoltaikanlagen, Gewächshäuser, Wärmepumpe und unser Trocknungstechnik. Grüße Richard #ZIZMANN

Joebrombaer:

..dacht ich auch…..solange bis ich „Auto-Akkus recyceln“ gegoogelt habe. Ich habe zum damaligen Zeitpunkt (2019) weltweit keine Firma gefunden, die sowas macht…was daran liegen könnte, dass es noch keine Technologie gibt, die das Recyceln ermöglicht. Im Ernst: Die Akkus sind bis jetzt gefährlicher Sondermüll und werden – trotz alles Wunschdenkens und guten, aber nicht ausgereiften Vorschägen – einfach deponiert, in der Hoffnung, dass sie dicht bleiben und sich keine Flusssäure bildet und austritt.

Sebastian Henßler:

Hinweis unsererseits, der Salar de Atacama gehört zur Kommune San Pedro de Atacama im Osten der Región de Antofagasta nahe der Grenze zu Bolivien. Die Region ist Teil der Atacamawüste, einer der trockensten und einsamsten Landschaften der Erde. Somit liegt der Abbauort nicht direkt in Bolivien, sondern nahe der bolivianischen Grenze.

Hendrik:

Welche Kapazität hätte der Akku in welchem 15 Kilo Lithium enthalten waren? Dies wäre auch wichtig zu klären um zu wissen wie gravierend die Schäden an Umwelt und Lebensgrundlage wirklich sind.

Carlo:

Es macht absolut keinen Sinn, den Abbau von Kohle mit demjenigen von Lithium zu vergleichen. Es geht ja nicht darum, zwei Alternativen miteinander zu vergleichen.
Der Abbau von Lithium im erwähnten Verfahren ist absolut unsinnig und desaströs für die indigene Bevölkerung und deren Lebensgrundlage. Die korrupte Regierung ist einzig darauf aus, Lithium, das neue Erdöl, möglichst im grossen Stil und möglichst billig abzubauen, um sich selber zu bereichern und sich den Anstrich von Wohlstandsförderern zu geben.
Es gäbe schonendere Abbaumethoden, als diejenige mittels Verdunstung, nur ist diese etwas aufwendiger = teurer.
Zur vertieften Info siehe
https://www.deutschlandfunk.de/lithium-abbau-in-suedamerika-kehrseite-der-energiewende.724.de.html?dram:article_id=447604

ER:

Wo steht geschrieben, dass verdunsten lassen schlimmer ist als abzupumpen? Und wenn es so wäre, Kohle muss immer wieder abgebaut werden, weil es nach einmaliger Benutzung weg ist und zusätzlich die Umwelt verpestet. Lithium kann mann zu 100% aus altern Batterien recylen und wiederverwenden.

Bernd Zemke:

Beim Braunkohleabbau wird Wasser abgepumpt aber nicht verdunstet. Also ist die Kohlegewinnung besser für dir Umwelt als die Lithiumproduktion- und wer das nicht sieht ist blind.

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