Warum der Kobalt-Abbau ein Problem darstellt – und wie es gelöst werden könnte

Warum der Kobalt-Abbau ein Problem darstellt – und wie es gelöst werden könnte
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Die Elektromobilität hat zwar etliche Vorteile wie bessere Luft für die Städte oder die bessere Energiebilanz im Vergleich zu Verbrennern. Zu den Schattenseiten gehört eine entscheidende Sache, die hierzulande unsichtbar ist: Der Abbau seltener Rohstoffe wie Kobalt, ein Schlüsselelement für Elektroauto-Akkus, der vor allem in der Demokratischen Republik Kongo unter Sklaverei-ähnlichen und menschenunwürdigen Bedingungen erfolgt, zum Teil sogar unter Kinderarbeit.

Das alles passt überhaupt nicht zum menschen- und umweltfreundlichen Image der Elektromobilität, die gerade vor einem großen Sprung nach vorne steht“, schreibt die Frankfurter Rundschau in einem aktuellen und lesenswerten Artikel zu der Problematik. Während die Verfügbarkeit angesichts der hohen Rohstoffreserven gesichert scheint, sind die Arbeitsbedingungen in den Förderstätten Grund für Kritik. Im Kongo finden zwei Drittel der weltweiten Förderung statt, doch bei den Arbeitern kommt von den hohen Erlösen nichts an. Es profitieren andere, wie etwa der Schweizer Konzern Glencore, „dem von Gewerkschaften immer wieder massive Verstöße gegen Arbeitsschutz- und Sozialstandards vorgeworfen werden“, so die Zeitung.

Die Autohersteller indes befinden sich in einer Zwickmühle. Denn ohne Kobalt gibt es trotz neuer, kobalt-armen Akkutechnologien, keine Elektroautos. Deren nachhaltiges Image indes leidet stark unter den immer offenkundlicher werdenden Menschenrechtsverletzungen beim Rohstoff-Abbau.

Die drei dringlichsten Fragen bei Rohstoffen für Elektroautos

Deshalb diskutieren Politik und Industrie momentan kontrovers die Rohstoffversorgung der Elektromobilität. Das Freiburger Öko-Institut beantwortet dazu nachfolgend die dringlichsten Fragen.

1. „Kobalt, Lithium & Co. – führt die steigende Anzahl von Elektrofahrzeugen zu Engpässen bei diesen oder anderen Rohstoffen?“

Die Rohstoffe Lithium, Kobalt, Nickel, Grafit und Platin sind für ein schnelles weltweites Wachstum der Elektromobilität ausreichend vorhanden. Zwar wird nach Berechnungen des Öko-Instituts der Bedarf an Lithium für die Elektromobilität im Jahr 2030 die heutige Minenproduktion um gut das Vierfache übertreffen. Die weltweiten Vorkommen für Lithium und die weiteren Rohstoffe übersteigen jedoch den prognostizierten Bedarf jeweils deutlich. Allerdings könnte es zeitweise zu Verknappungen, vor allem bei Lithium und Kobalt, kommen. Diese sind jedoch als vorübergehend anzusehen und beeinträchtigen nicht langfristig die globale Marktentwicklung der Elektromobilität.

Empfehlungen des Öko-Instituts: Ein konsequentes und effizientes Recycling dämpft die Nachfrage nach Primärrohstoffen und wirkt vorbeugend gegen temporäre Verknappungen. Dafür sollte die EU-Batterierichtlinie speziell für Antriebsbatterien der Elektromobilität weiterentwickelt und darin rohstoffspezifische Recyclingraten für Lithium, Kobalt, Nickel und Grafit festgeschrieben werden. Zusätzlich sollte ein weltweites Rücknahme- und Recyclingsystem für Lithium-Ionen-Batterien aufgebaut werden. Eine Forschungsoffensive zu Batterietechnologien sollte sich darauf konzentrieren, weniger und andere Materialien in Batterien zu nutzen, um so besonders kritische Rohstoffe mittelfristig zu ersetzen (Substitution).

2. „Werden die Preise für die Rohstoffe zur Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge explodieren?“

Weitere Preissteigerungen für einzelne Rohstoffe – insbesondere für Lithium und Kobalt – sind nicht auszuschließen. Doch werden steigende Rohstoffpreise die Entwicklung der Elektromobilität insgesamt nicht ausbremsen.

Empfehlungen des Öko-Instituts: Die Batterietechnologie muss aus Kostengesichtspunkten weiter optimiert werden. So wird bei der nächsten Generation Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen bereits der Gehalt des relativ teuren Kobalts reduziert sein. Auch zeigt das Beispiel Seltene Erden, dass extremen Preissteigerungen auf verschiedenen Ebenen entgegengewirkt werden kann. Dazu bedarf es technologischer Innovationen ebenso wie den Eintritt neuer Förderländer in den Markt und eine möglichst breite Streuung von rohstofffördernden Unternehmen. Auch der Ausbau der Recyclingstrukturen senkt den Bedarf an Primärrohstoffen und wirkt preisdämpfend.

3. „Führt die Förderung zusätzlich benötigter Rohstoffe zu negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt?“

Die Förderung von Rohstoffen für die Elektromobilität ist – wie die Förderung vieler anderer Rohstoffe für andere Verwendungszwecke auch – mit Umwelt- und Sozialproblemen verbunden. Dazu gehören insbesondere ein oft sehr hoher Energiebedarf, das Entstehen saurer Grubenwässer, Wasserkonflikte zwischen Bergbauunternehmen und indigenen Völkern sowie nicht vertretbare Arbeitsbedingungen in Minen. Besonders problematisch ist zurzeit die Kobaltförderung im Kleinbergbau in der Demokratischen Republik Kongo einzuschätzen.

Empfehlungen des Öko-Instituts: Grundsätzlich gilt es, die Umwelt- und Sozialbedingungen bei der Förderung von Rohstoffen für die Elektromobilität zu verbessern. Dazu gehört eine (globale) Industrieallianz für nachhaltiges Lithium ebenso wie verpflichtende unternehmerische Sorgfaltspflichten (Due Dilligence) für Kobalt. Auch die Stärkung der internationalen Kooperation zum nachhaltigen Bergbau kann dazu beitragen, die langfristige Rohstoffversorgung zu sichern. Nicht zuletzt kann das umfassende Recycling Umwelt- und Sozialprobleme über die gesamte Wertschöpfungskette von Lithium-Ionen-Batterien vermindern.

Quellen: Frankfurter Rundschau – Elektromobilität Schmutziges Kobalt aus dem Kongo // Öko-Institut – Pressemeldung vom 12.12.2017

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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