Druckmaschinenbauer Heidelberg fertigt nun Ladeeinrichtung für die Elektromobilität

Heidelberger Druckmaschine setzt auf E-Mobilität
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Der Druckmaschinenbauer Heidelberg hat sich mittlerweile von seinem Hauptgeschäft dem Bau von speziellen Druckmaschinen abgewandt. Zumindest teilweise, neben dem Ausbau des eigenen Servicegeschäfts und der damit verbundenen Unterstützung der eigenen Kunden hat man sich nun einem weiteren Unternehmensfeld gewidmet: Ladeeinrichtung für die Elektromobilität.

Mit der Wallbox bringt das Unternehmen eine Ladeeinrichtung für E-Autos auf den Markt. Bei diesem handelt es sich um das erste Produkt, welches man nach einigen Jahren intensiven Beobachtens des Marktes durch das eigene Know-How entwickeln und produzieren konnte. Untergebracht ist die Wallbox im Geschäftsbereich Heidelberg Industry, dieser ist verantwortlich für Industrielösungen, die sich außerhalb des klassischen Geschäfts bewegen.

“In dieser ersten Krisenzeit der Druckindustrie hatten wir den Auftrag, für volle Hallen zu sorgen. Die Antwort darauf war konsequenterweise, die vorhandenen Kompetenzen anderen Unternehmen als Lieferant für Fertigungs- oder Produktionsdienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Die Idee dahinter ist, dass wir das Know-how in Software, Mechanik und Elektronik aus dem Manufacturing-Umfeld gezielt an andere Industrien vermarkten und dort eigene Vertriebskompetenzen aufbauen. Das läuft in der Tat unabhängig vom Druckmaschinenbau.” – Klaus Braun, Leiter des Geschäftsbereichs Industry bei Heidelberg

Erste Versuche im Bereich der Elektromobilität ist man 2011 angegangen. Zu diesem Zeitpunkt kamen Automobilproduzenten auf Heidelberg zu und haben nachgefragt, ob diese Unterstützung vom Druckmaschinenbauer erfahren können. In diesem Bereich konnte man bereits einiges an Erfahrung vorweisen, denn in der Elektronik hat Heidelberg mit den Druckmaschinen schon seit einigen Jahrzehnten Kompetenz aufgebaut. Auch werden Leiterplattenbestückung oder kleinere elektronische Baugruppen für andere Industrien entwickelt und produziert. So lag der Schritt in die E-Mobilität irgendwie doch nahe.

Braun beschreibt, dass die Elektromobilität und speziell die Ladetechnologie eine ganze Menge an Gemeinsamkeiten mit der Steuerungs- und Leistungselektronik hat, die Heidelberg bereits aus dem Druckmaschinengeschäft kennt. Aus seiner Sicht lässt sich dies am Besten als “intelligente Leistungselektronik” beschreiben. Desweiteren besitzt das Unternehmen noch das Wissen über Stromnetze. Was daran liegt, dass die Heidelberg-Maschinen schließlich überall auf der Welt stehen und der Strom, der in ein Fahrzeug einfließt, ist letztendlich genau derselbe.

“Wir mussten lediglich die Kapazität anpassen. So haben wir zum Beispiel für ein Ladekabel, das wir schon seit fünf Jahren produzieren, eine eigene kleine Montagelinie aufgebaut, um eben die sehr hohen Stückzahlen, die der Kunde abruft, schlank und effizient produzieren zu können. So etwas macht man nicht auf einer Werkbank, sondern braucht eine hochproduktive, automatisierte Anlage.” – Klaus Braun, Leiter des Geschäftsbereichs Industry bei Heidelberg

Schwieriger als die Produktfindung beziehungsweise die Aufstellung der eigenen kleinen Montagelinie war es sicherlich Sichtbarkeit am Markt zu erhalten. Gerade bei Automobilhersteller / -zulieferer gibt es eine gewisse Sprache, die gefunden werden muss, um sich langfristig zu platzieren. Wie Braun richtig erkannt hat, lebt die Automobilindustrie in ihrer ganz eigenen Welt, mit eigenen Normen, Anforderungen und Herausforderungen. Man scheint damit aber ganz gut zurechtzukommen, denn bisher wurden bereits 100.000 Ladekabel und 20.000 Ladestationen im Kundenauftrag produziert. Heidelberg will in den nächsten Jahren schrittweise ein umfassendes Portfolio für die Ladeinfrastruktur aufbauen, die eigene Wallbox ist hier erst der Anfang.

Quelle: 4-c.at – E-Mobilität: Unter Strom

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