VW baut China-Geschäft mit Elektroautos deutlich aus

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Seit 40 Jahren ist der Volkswagen Konzern in China aktiv. Heute umfasst das Netzwerk von Volkswagen in China 39 Werke, 90.000 Beschäftigte und rund 50 Millionen Kunden, die ein Fahrzeug einer Konzernmarke fahren. Damit ist Volkswagen zusammen mit seinen Joint Venture Partnern ein wichtiger Bestandteil des industriellen Ökosystem Chinas, der größte europäische Arbeitgeber des Landes und verfügt somit über eine starke Basis für die weitere Strategie.

Mit der schnell fortschreitenden Transformation hin zur vollvernetzten elektrischen Mobilität hat der Konzern seine Aktivitäten in der Region neu ausgerichtet. Mit der Umsetzung seiner „in China, für China“-Strategie treibt Volkswagen unter anderem die Lokalisierung der Entwicklung weiter voran und richtet seine Produkte auf die veränderten Kundenbedürfnisse aus.

Dafür baut Volkswagen seinen Produktions- und Innovations-Hub in Hefei nun mit Investitionen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro weiter aus, wie der Konzern mitteilt. Bisher war nur eine Milliarde vorgesehen, der Gesamt-Etat steigt somit auf 3,5 Milliarden Euro. Neben der Erweiterung der R&D-Kapazitäten werde auch die Produktion für zwei Modelle der Marke Volkswagen vorbereitet, die derzeit zusammen mit dem chinesischen Partner XPeng entwickelt werden. Die Produktion des ersten Modells, ein SUV im Mittelklasse-Segment, soll bereits im Jahr 2026 beginnen.

Eine eigene Plattform für chinesische Elektroautos

Die zusätzlichen Modelle sollen die Elektrifizierung des Modellportfolios des Volkswagen Konzerns in China beschleunigen und die Marktabdeckung erweitern in einer Region, in der VW mit mehr als 3 Millionen verkauften Fahrzeugen knapp 40 Prozent seines Umsatzes macht und sich zunehmend gegen Konkurrenten wie allen voran BYD behaupten muss, der Volkswagen im vergangenen Jahr die Marktführerschaft abgeluchst hat.

Mit E-Autos will VW in China den Platz an der Sonne zurückerobern. Ab 2030 sollen in China mehr als 30 rein elektrische Modelle aller Konzernmarken angeboten werden. Zentrale Einheit bei der Lokalisierung der Produkte ist die in Hefei ansässige Volkswagen China Technology Company (VCTC). Sie übernimmt – in enger Zusammenarbeit mit den Joint Ventures – zentrale Entwicklungsaufgaben und entwickelt auch die erste China-spezifische Elektro-Architektur, die China Main Plattform (CMP),auf der ab 2026 mindestens vier zusätzliche Modelle für das elektrische Einstiegssegment in der Kompaktklasse entstehen sollen.

Bereits in den vergangenen vier Dekaden hat der Volkswagen Konzern zusammen mit seinen langjährigen chinesischen Partnern SAIC und FAW seine Strategie auf die Bedürfnisse der chinesischen Kunden hin ausgerichtet. Mit Santana und Jetta wurde Millionen Kunden der Einstieg in die individuelle Mobilität ermöglicht. Später kamen die ersten China-spezifischen Modelle wie Lavida und Sagitar hinzu, die ebenfalls zu Millionen-Sellern wurden und heute noch großen Erfolg im Markt haben. 2017 wurde schließlich die Elektrifizierungsstrategie in China gestartet.

Ebenfalls 2017 wurde mit dem Hersteller JAC Chinas erstes reines Joint Venture für Elektroautos in Anhui gegründet. Heute ist Volkswagen Anhui das erste Mehrheits-Joint Venture für Fahrzeuge der Volkswagen Group in China. Der Standort in der ostchinesischen Provinz ist Produktions-, Entwicklungs- und Beschaffungszentrum des Konzerns in China und wird zum strategischen Innnovations-Hub in China, für China ausgebaut.

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So soll der Entwicklungs-Standort von Volkswagen-VCTC in Hefei einmal aussehen / Volkswagen

Mit der „in China, für China“ Strategie nimmt der Volkswagen Konzern die dynamische Marktentwicklung des Landes auf und will durch hohe Lokalisierung die Innovationskraft des Marktes für seine beschleunigte Transformation in China nutzen. Durch den Aufbau von eigenen Entwicklungskapazitäten sowie Partnerschaften mit lokalen High-Tech Unternehmen wie auch mit chinesischen Herstellern wie XPeng und SAIC erweitert der Konzern sein Produktportfolio mit zusätzlichen Elektro-Fahrzeugen. So können VW zufolge die Entwicklungszeiten um mehr als 30 Prozent verkürzt und die Produkte auf die spezifischen Wünsche der chinesischen Kunden ausgerichtet werden.

Volkswagen hat ein starkes Fundament in China

In Chinas wettbewerbsintensiven Marktumfeld kann der Volkswagen Konzern auf eine starke Marktposition bauen. So ist der Konzern nicht nur bei den Neuzulassungen unter den Marktführern in China, auch beim Fahrzeugbestand nimmt er eine Spitzenposition ein: rund 50 Millionen Kunden fahren heute ein Auto der Konzernmarken. Zudem liege die Markentreue etwa bei den lokal produzierten Marken Audi und Volkswagen über dem Marktdurchschnitt.

Mehr als 3500 Händler sind in dem landesweiten Handelsnetz Ansprechpartner für die Kunden der Marken der Volkswagen Konzerns. Aus rund 160 Pkw-Modellen der Marken Audi, Volkswagen, Porsche, Skoda, Bentley und Lamborghini können die Kunden wählen – und auch der Motorradhersteller und VW-Tochter Ducati bietet zehn seiner Modelle in China an.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 11.04.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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