Chinas Autoexporte wachsen im März um 74 Prozent

Chinas Autoexporte wachsen im März um 74 Prozent
Copyright:
Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Chinas Automobilhersteller haben ihre Exporte im März deutlich gesteigert. Nach Daten der China Passenger Car Association (CPCA) wurden im vergangenen Monat knapp 700.000 Autos ins Ausland verschifft – ein Plus von 74 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit hat sich das Wachstum gegenüber den ersten beiden Monaten des Jahres, in denen die Exporte um 54 Prozent zulegten, nochmals beschleunigt.

„Die Autoexporte sind in eine Phase des extrem starken Wachstums eingetreten und haben unsere Erwartungen übertroffen“, erklärte Cui Dongshu, Generalsekretär des Branchenverbands. Die Dynamik ist bemerkenswert, weil sie trotz logistischer Einschränkungen durch die anhaltende Krise im Nahen Osten zustande kam – einer Region, die für chinesische Hersteller zu den wichtigsten Überseemärkten zählt.

Während das Exportgeschäft boomt, zeigt der chinesische Heimatmarkt ein anderes Bild. Die Inlandsverkäufe gingen im März um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,67 Millionen Autos zurück – der sechste Rückgang in Folge. Steigende Kraftstoffpreise drückten die Nachfrage nach konventionell angetriebenen Modellen, während der Absatz von Elektroautos und Plug-in-Hybriden unter den seit Jahresbeginn reduzierten Kaufanreizen litt. Konkret sanken die Verkäufe von E-Autos und Plug-in-Hybriden um 14 Prozent im Jahresvergleich.

Bei Verbrennern beschleunigte sich der Abwärtstrend sogar: Minus 16 Prozent im März, nach einem Rückgang von 13 Prozent im Zeitraum Januar und Februar. Zwar hat die chinesische Regierung die inländischen Kraftstoffpreiserhöhungen gedeckelt, um die Auswirkungen der durch den Nahostkonflikt gestiegenen Ölpreise abzufedern. Den Abwärtstrend bei den Verkaufszahlen konnte das bislang jedoch nicht stoppen.

Chinesische Händler kämpfen mit vollen Lagern

Zusätzlichen Druck verspürt der Handel. Ein Branchenindex für unverkaufte Autos stieg im März weiter an. Verbraucher:innen zeigten wenig Bereitschaft, neue Elektroautos zu den verschlechterten Konditionen zu erwerben – insbesondere nach dem Auslaufen der Kaufsteuerbefreiung. Der verschärfte Preiswettbewerb im Heimatmarkt trifft auch den größten Elektroautobauer des Landes: BYD verzeichnete im März den siebten Absatzrückgang in Folge.

Für den Konzern aus Shenzhen bleibt das Auslandsgeschäft der entscheidende Wachstumstreiber. In Europa etwa profitiert BYD von steigender Nachfrage, die unter anderem durch höhere Kraftstoffpreise befeuert wird. Führungskräfte des Unternehmens zeigten sich zuversichtlich, im laufenden Jahr mehr als 1,5 Millionen Autos außerhalb Chinas abzusetzen.

Die Zahlen verdeutlichen eine zunehmende Zweiteilung der chinesischen Automobilbranche. Auf der einen Seite steht ein hart umkämpfter, schrumpfender Binnenmarkt mit sinkenden Absatzzahlen über nahezu alle Antriebsarten hinweg. Auf der anderen Seite entwickeln sich die Exporte mit Wachstumsraten jenseits der 70 Prozent zur tragenden Säule der Industrie. Wie lange diese Dynamik angesichts geopolitischer Unsicherheiten und möglicher Handelsbarrieren in wichtigen Zielmärkten anhält, dürfte eine der zentralen Fragen der kommenden Monate sein.

Quelle: Reuters – China’s car exports accelerate despite disruption from Mideast crisis

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in China Elektroauto

Chinesische Autohersteller bekommen Vorschriften für Expansionen

Chinesische Autohersteller bekommen Vorschriften für Expansionen

Maria Glaser  —  

Die chinesischen Aufsichtsbehörden legen in den Richtlinien fest, wie sich die Autohersteller bei Export und Expansionen zu verhalten haben.

VW, BMW und Mercedes verpassen Boom in Wachstumsmärkten

VW, BMW und Mercedes verpassen Boom in Wachstumsmärkten

Arun Niemann  —  

Indien, Südostasien und Südamerika wachsen stark. Doch deutsche Autobauer profitieren davon bislang deutlich weniger als internationale Konkurrenten.

Tesla-Rückruf in China: 2,98 Millionen E-Autos betroffen

Tesla-Rückruf in China: 2,98 Millionen E-Autos betroffen

Sebastian Henßler  —  

Tesla ist mit knapp 2,98 Millionen Autos der Modelle Model 3, Model Y, Model S und Model X der mit Abstand größte Teil der Rückrufaktion in China.

Warum Changan beim Deutschland-Start bewusst bremst

Warum Changan beim Deutschland-Start bewusst bremst

Sebastian Henßler  —  

Changan ist in China der fünftgrößte Automobilhersteller, in Deutschland aber kaum bekannt. Designchef Zyciora spricht über die Folgen für den Markteintritt.

Unlautere Geschäfte: Dreame stellt Automobilsparte ein

Unlautere Geschäfte: Dreame stellt Automobilsparte ein

Maria Glaser  —  

Der chinesische Hersteller, der für Staubsauger und Reinigungsroboter bekannt ist, beendet nach nur einem Jahr sein Automobilprojekt „Starry Sky“.

Batterie-Abhängigkeit von China kostet Europas Autoindustrie Milliarden

Batterie-Abhängigkeit von China kostet Europas Autoindustrie Milliarden

Arun Niemann  —  

Eine Deloitte-Studie sieht bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro Wertschöpfung in Gefahr. Vor allem Batteriezellen und Vorprodukte bleiben Europas Schwachstelle.

Analysten: Eine Million chinesische Autos Made in EU bis 2030

Analysten: Eine Million chinesische Autos Made in EU bis 2030

Laura Horst  —  

Die Produktionsvorhaben chinesischer Hersteller in Europa schreiten voran und Analysten rechnen bis 2035 mit 1,5 Millionen Autos „Made in Europe“.