Chinas Rolle bei kritischen Rohstoffen wird zum Risiko

Chinas Rolle bei kritischen Rohstoffen wird zum Risiko
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die Liste kritischer Rohstoffe der US-amerikanischen geologischen Behörde ist deutlich gewachsen. In ihrer aktuellen Fassung umfasst sie 60 unterschiedliche Materialien und deckt damit rund 80 Prozent aller abgebauten Elemente des Periodensystems ab. Darunter finden sich bekannte Industriemetalle wie Kupfer, Nickel oder Zink, aber auch Stoffe, die außerhalb von Fachkreisen kaum geläufig sind. Seltene Erden mit Namen wie Gadolinium, Ytterbium oder Praseodym gehören ebenso dazu wie Aluminium oder Zirkonium. Gemeinsam ist ihnen aus Sicht der Behörde eine zentrale Bedeutung für nationale Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität und widerstandsfähige Lieferketten.

Diese Neubewertung verweist auf einen tiefgreifenden Wandel im Umgang mit Metallen. Lange Zeit standen klassische Anwendungen im Bergbau und in der Schwerindustrie im Vordergrund. Heute entsteht der Mehrwert vieler Rohstoffe weniger im Hochofen als im Labor. Immer häufiger geht es nicht um große Mengen, sondern um minimale Beimischungen mit großer Wirkung. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von „Gewürzmetallen“, weil sie in kleinen Dosen technologische Eigenschaften entscheidend verändern.

Halbleiter zeigen die Bedeutung kleiner Metallanteile

Ein prägnantes Beispiel liefert die Halbleiterindustrie. Moderne Chips sind aus dem Alltag kaum wegzudenken, bleiben aber meist unsichtbar. Über Jahrzehnte galt Silizium als Standardmaterial. Mit zunehmenden Anforderungen an Rechenleistung stößt es jedoch an physikalische Grenzen. Durch die gezielte Zugabe von Gallium oder Germanium lässt sich die Leistungsfähigkeit deutlich steigern. Hinzu kommen weitere Metalle wie Palladium, Arsen, Iridium, Titan, Kupfer oder Kobalt, die für Beschichtung, Verkabelung, Dotierung und Verpackung benötigt werden. Die Vielfalt der eingesetzten Stoffe steht in starkem Kontrast zur geringen Größe des Endprodukts.

Besonders groß ist das Interesse an solchen Materialien im militärischen Bereich. Hochleistungsfähige Chips auf Basis von Galliumnitrid verbessern Radarsysteme und erhöhen die Fähigkeit, Drohnen zu stören. Diese Technologie wurde unter anderem mit Unterstützung der Defense Advanced Research Projects Agency entwickelt und gilt angesichts zunehmender Drohnennutzung als sicherheitspolitisch relevant.

Parallel dazu treibt der weltweite Versuch, den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken, eine zweite Rohstoffverschiebung voran. Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern ist eng mit Metallen wie Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan verbunden. Lithium spielte lange nur eine Nebenrolle, etwa in Schmierstoffen. Mit dem Markteintritt des ersten elektrischen Tesla-Sportwagens im Jahr 2006 änderte sich das grundlegend. Heute bildet das Element einen Kernbestandteil moderner Batterien. Die Herstellung erfolgt dabei weniger durch klassische Metallbearbeitung als durch chemische Prozesse, bei denen pulverisierte Stoffe zu spezifischen Mischungen kombiniert werden.

Für den Antrieb eines E-Autos reicht eine Batterie jedoch nicht aus. Elektromotoren, insbesondere solche mit Permanentmagneten, benötigen wiederum seltene Erden. Zusätzlich kommen kleinere Magnetmotoren zum Einsatz, etwa für Scheibenwischer, Sitzverstellung oder Fensterheber. Ähnlich wie bei Halbleitern sind diese Komponenten allgegenwärtig, bleiben aber meist unbeachtet.

Traditionelle Metalle erleben eine unerwartete Renaissance

Auch traditionelle Metalle erleben eine Renaissance. Kupfer und Zinn prägten einst die Bronzezeit und galten vor wenigen Jahrzehnten als Kandidaten für den Bedeutungsverlust. Glasfaserkabel ersetzten Kupfer in der Telekommunikation, Kunststoffe verdrängten Zinn in Verpackungen. Inzwischen haben sich die Einsatzfelder verschoben. Mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Zinns wird heute für das Löten von Leiterplatten verwendet. Kupfer wiederum bleibt aufgrund seines Preis-Leistungs-Verhältnisses ein unverzichtbarer elektrischer Leiter und findet sich in jedem E-Auto, jeder Ladesäule und jeder Stromquelle.

Die zunehmende Abhängigkeit von einer Vielzahl solcher Rohstoffe hat geopolitische Folgen. Eine Analyse des US-Unternehmens Govini zeigt, dass ein Großteil amerikanischer Waffensysteme Materialien wie Antimon, Gallium, Germanium, Wolfram oder Tellur enthält. China ist bei vielen dieser Stoffe führender Produzent und hat bereits signalisiert, Exportbeschränkungen als politisches Instrument einzusetzen. Da zivile Technologien auf denselben Materialien basieren, betrifft diese Entwicklung weit mehr als militärische Anwendungen.

Vor diesem Hintergrund rücken zuvor kaum bekannte Elemente ins Zentrum internationaler Politik. Rohstoffabkommen, Investitionspläne und diplomatische Initiativen werden zunehmend mit dem Zugang zu Metallen begründet, die für das Funktionieren moderner Gesellschaften unverzichtbar geworden sind. Namen wie Indium, Niob oder Scandium dürften daher häufiger auftauchen, während sich die technologische Abhängigkeit von ihnen weiter vertieft.

Quelle: Reuters – Every mineral is critical in the new metals age

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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